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Radprofi aus Lauterbach greift wieder an
Klein kämpft sich zurück mit hohen Zielen

Vor einem Jahr überraschte die Saarländerin Lisa Klein mit dem Titelgewinn bei den deutschen Straßenmeisterschaften. Heute startet sie bei der England-Rundfahrt erstmals wieder seit ihrem schweren Trainingsunfall.
Vor einem Jahr überraschte die Saarländerin Lisa Klein mit dem Titelgewinn bei den deutschen Straßenmeisterschaften. Heute startet sie bei der England-Rundfahrt erstmals wieder seit ihrem schweren Trainingsunfall. FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
Lauterbach. Die 21-Jährige aus Lauterbach feiert heute ihre Rückkehr nach einem Schlüsselbeinbruch. Ihr großes Vorhaben: Gold bei der U23-EM. Von Julia Franz

Lisa Klein ist eine erfahrene, vorsichtige Radfahrerin. Ein Profi eben. Nicht nur im Wettkampf, auch im Training. Dann der Schock, den sie so schnell nicht vergisst: Bei einer Trainingsfahrt Mitte Mai nahe Erfurt erlitt die 21-Jährige aus Völklingen-Lauterbach bei einem Sturz einen Schlüsselbeinbruch. Klein und ihre Trainingspartnerin wurden von einem Auto beinahe umgefahren – ein Albtraum für jeden Radfahrer.


Beide konnten dem links abbiegenden Fahrzeug zwar ausweichen, Klein prallte bei dem Manöver allerdings gegen einen Stahlzaun und zog sich die schwere Verletzung zu. Ihre Partnerin, die hinter ihr gefahren war, blieb bis auf Prellungen an den Armen und eine Gehirnerschütterung unverletzt. „Ich bin heilfroh, dass uns nicht mehr passiert ist. Leider hätte es fast so sein können“, sagt Klein und kritisiert besonders scharf das Verhalten des Autofahrers: „Am schlimmsten war für mich noch nicht mal die Verletzung, sondern zu akzeptieren, dass der Fahrer uns gegenüber so gewalttätig war.“ Zeugen und ihre Trainingspartnerin konnten ihn gerade noch davon abhalten zu flüchten.

So ausgebremst zu werden, ist natürlich bitter. Denn die junge Saarländerin, die seit Anfang 2016 in Erfurt lebt und trainiert, hat in den letzten Wochen und Monaten deutlich bewiesen, dass ihre Karriere auf der Straße richtig Fahrt aufnimmt. Schon im vergangenen Jahr hatte Klein, die Mitglied im Nationalkader des Bundes Deutscher Radfahrer (BRD) ist, bei den deutschen Straßenmeisterschaften in Chemnitz ihre älteren Kolleginnen ausgetrickst und den Titel eingefahren. Nun ist die 21-Jährige aus dem Team Canyon-Sram Racing auch international auf dem Weg nach oben.



Die erste Jahreshälfte verlief erfolgreich. Nach einem dritten Platz bei Gent-Wevelgem, einem Straßenradrennen im März in Belgien, konnte Klein mit weiteren Spitzenplatzierungen aufwarten. Sie gewann Ende April den Prolog des Festival Elsy Jacobs in Luxemburg, wo sie für den 2,8 Kilometer langen Rundkurs, der mit einer kurzen, steilen Rampe begann, exakt vier Minuten brauchte. Bei der Healthy Ageing Tour (Etappen-Radrennen für Frauen in den Niederlanden) präsentierte sie sich ebenfalls gut, wurde Sechste in der Gesamtwertung und gewann darüber hinaus die Nachwuchswertung.

Wie lange Klein nach dem Unfall ausfallen würde, war zunächst unklar. Ihren geplanten Start bei der spanischen World-Tour-Rundfahrt Emakumeen Bira kurz nach dem Unfall musste sie absagen. Aber nach vier Wochen Pause mitsamt erfolgreicher Operation war Klein zurück im Trainingsalltag. „Am Anfang war es mental schwer für mich, wieder anzufangen. Aber ich habe einfach ein gutes Umfeld und Team um mich herum, das mich immer unterstützt“, sagt Klein.

Der erste große Härtetest nach ihrem Unfall startet heute. Klein nimmt bis Sonntag an der England-Rundfahrt teil. Danach folgen die deutschen Straßenmeisterschaften der Elite-Klassen (29. Juni bis 1. Juli) im hessischen Einhausen, wo sie als Titelverteidigerin im Fokus steht. „Das wird schwer für mich und verdammt eng. Ich muss schauen, wie ich dort ins Renngeschehen eingreifen kann“, sagt Klein. Bei der anstehenden U23-Europameisterschaft ist ihr Hauptziel dagegen ganz klar definiert: „Ich strebe einen Sieg im Zeitfahren an.“ Ganz unrealistisch ist das nicht. Schließlich hat sie schon öfter bewiesen, dass sie eine wahre Kämpfernatur ist.