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Klaus Johann will Präsident des Deutschen Ringer-Verbandes werden

Kostenpflichtiger Inhalt: Kandidatur des Ringer-Doc : Der „Ringer-Doc“ will den Bundesverband anführen

Der Saarländer Klaus Johann strebt das Amt des Präsidenten des Deutschen Ringer-Bundes an. Seine Mannschaft steht, seine Zielsetzung auch.

Die Matten sind derzeit verwaist, die Hallen leer. Doch auf der Funktionärs-Ebene des deutschen Ringersports bahnt sich etwas an, was man in der Fachsprache als „Ausheber mit Überwurf bei hoher Amplitude“ bezeichnen könnte: Der Saarländer Klaus Johann will Präsident des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) werden.

„Schon vor zwei Jahren hat sich eine Gruppe dem Ringen verbundener Menschen gebildet mit dem Ziel, den DRB in eine neue Zukunft zu führen“, sagt der 59-jährige Chefarzt der Orthopädie an der Klinik Merzig: „Wir wollen eine Zukunft, in der unsere Vereine und Sportler im Mittelpunkt stehen. Nachdem unser derzeitiger Präsident Manfred Werner angekündigt hat, keine weitere Amtszeit anzustreben, ist es für uns an der Zeit, sich zu bewerben.“

Im Verband knirscht es seit längerem. Präsident Werner hat sich für viele Kritiker zu einem „Sonnenkönig“ entwickelt, der selbst zu seinen engsten Mitstreitern mehr und mehr die Bindung verloren hat. Jüngstes Beispiel ist der Rücktritt von Ralf Diener. Der Saarländer war sieben Jahre lang als Vizepräsident Bundesliga für den Kampfbetrieb im DRB zuständig – ein Job, der zeitaufwändig und wegen der oft unterschiedlichen Interessen der Vereine nicht vergnügungssteuerpflichtig ist.

„Es gibt kein Miteinander mehr, und es hat sich mittlerweile eine Gruppe herauskristallisiert, die auch nicht abgestimmte Entscheidungen trifft“, sagt Diener, der sich als Sündenbock sieht: „Da werde ich in Rechtsstreitigkeiten reingezogen, da werde ich verantwortlich gemacht, wenn abgesprochene Dinge nicht eingehalten werden.“ Es gäbe selbst „innerhalb des Vorstandes keinen Zusammenhalt mehr“, schreibt Diener in der offiziellen Begründung seines Rückzuges und attackiert dabei indirekt den aktuellen Präsidenten: „Ich möchte die vergangenen sieben Jahre nicht als verlorene Jahre bezeichnen. Doch sie haben mir die Augen geöffnet, dass man nicht bedingungslos hinter einem Menschen stehen sollte, der nur eines im Sinn hat: den eigenen Vorteil zu suchen und andere auf dem Weg nur solange mitzunehmen, wie sie gebraucht werden.“

Jetzt will Klaus Johann einen neuen Weg gehen. „Dabei geht es nicht darum, schmutzige Wäsche zu waschen. Wir wollen mit unseren Athletinnen und Athleten in den Nationalkadern natürlich weiter internationale Erfolge erringen und unseren Nachwuchs fördern“, sagt der als „Ringer-Doc“ bekannte Johann: „Ein Hauptbestandteil unserer Arbeit wird aber die Förderung der Vereine und die Integration der Liga als wesentlicher Bestandteil eines gesunden Systems.“ Die Bundesliga-Clubs müssten auch bei einer möglichen Wiedereingliederung der aus dem DRB ausgeschiedenen Vereine der Profiliga DRL miteinbezogen werden.

Zu Johanns Team gehören neben etlichen bekannten Ringern auch Juristin Derya Schneider (Urloffen), die bislang im Rechtsausschuss des DRB tätig ist, Dieners mittlerweile kooptierter Nachfolger Florian Geiger (Bayerischer Ringerverband) oder René Zimmermann (früher Germania Weingarten), der als Bankfachmann das Finanzressort übernehmen soll. „Das Team ist natürlich größer, unsere Planungen schon sehr weit. Wir könnten direkt starten“, sagt Johann: „Niemand kann heute einen Verband alleine führen. Es braucht Fachkenntnisse in vielen Bereichen, die wir zusammenführen wollen.“

Ralf Diener ist als Vizepräsident des DRB zurückgetreten. Foto: Fred Kiefer

Die aktuelle Amtszeit Werners endet offiziell im Oktober 2021. Neben Klaus Johann und seinem Team soll auch der Landtagsabgeordnete in Nordrhein-Westfalen, Jens Nettekoven, eine Kandidatur anstreben. Ob der CDU-Mann und Vorsitzende des Landesverbandes NRW oder der Mediziner aus dem Saarland künftig die olympische Sportart in Deutschland anführt, wird ganz sicher nicht auf den derzeit leeren Ringer-Matten entschieden.