1. Sport
  2. Saar-Sport

Klaus Allofs: "Wir wollen Meister werden"

Klaus Allofs: "Wir wollen Meister werden"

Es gibt die Groundhopper im Fußball, die möglichst viele Stadien auf der Welt sehen wollen. Es geht das Gerücht, dass auch Sie ein Groundhopper sind, allerdings nicht im Fußball.Klaus Allofs (lacht): Ja, das stimmt im gewissen Sinne schon. Ich habe das mit Galopprennbahnen gemacht. Auf wie vielen waren Sie schon?Allofs: Ich habe da keine Statistik geführt

Es gibt die Groundhopper im Fußball, die möglichst viele Stadien auf der Welt sehen wollen. Es geht das Gerücht, dass auch Sie ein Groundhopper sind, allerdings nicht im Fußball.Klaus Allofs (lacht): Ja, das stimmt im gewissen Sinne schon. Ich habe das mit Galopprennbahnen gemacht. Auf wie vielen waren Sie schon?Allofs: Ich habe da keine Statistik geführt. Aber egal, ob ich nun beruflich oder in meiner Freizeit in der Welt unterwegs bin: Wenn es sich gerade irgendwie verbinden lässt, schaue ich schon mal auf den Bahnen vorbei, auch wenn gar kein Rennen stattfindet. Ich finde das immer interessant. Lila und Weiß, quer gestreift, dazu eine weiße Kappe. Was sagt Ihnen das Outfit?Allofs: Das waren meine eigenen Rennfarben. Inzwischen habe ich aber keine Zeit mehr, Rennen zu beschicken.Haben Sie auch gewettet?Allofs: Natürlich, das gehört im Pferdesport dazu. Ich glaube, es ist auch jetzt kein Vergehen, wenn man auf Sportereignisse wettet. Das ist nichts Ehrenrühriges. Ganz anders sieht es aber aus, wenn jemand versucht, Spiele zu manipulieren. Das macht aber nicht jeder.Allofs: 99 Prozent der Menschen, die wetten, tun dies hobbymäßig und legal. Die berühmten Ausnahmen sind es, die so ein Bild verfälschen und das Wetten in Verruf bringen. Wie kommt der Fußball wieder aus dieser Situation heraus?Allofs: Wir müssen hellwach sein, das Überwachungssystem optimieren und daran arbeiten, dass das Angebot an Wetten besser reglementiert wird. Auf der anderen Seite sollten wir nicht dramatisieren und auch nicht pauschalisieren, dass alles schlecht ist.Wir müssen akzeptieren, dass da, wo Geld im Spiel ist, und das gilt auch für andere Bereiche der Gesellschaft, immer versucht wird, dem Glück nachzuhelfen. Das ist eine Eigenschaft, die Menschen manchmal in sich tragen. Von daher werden wir das nicht verhindern können. Es herrscht auch eine große Unsicherheit darüber, wo Wetten legal oder illegal ist.Allofs: Ja, daher müssen wir auch versuchen, eine geregelte Plattform für die Wetter zu finden. Die Probleme entstehen ja nicht bei den legalen Wettanbietern, sondern bei diesen Wetten, die im Untergrund angeboten werden. Viel Geld bewegt wird auch für Fußball-Spieler. Sie schaffen es aber immer wieder, billige Spieler zu holen, die sich bei Werder entwickeln und die Sie Gewinn bringend verkaufen können. Wie schaffen Sie das immer?Allofs: In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder gute Nachfolger gefunden. Ob dass einer für Ailton, für Johan Micoud, für Miroslav Klose oder für Diego war - wir haben es ganz gut hinbekommen. Aber natürlich ist es auf diesem hohen Niveau nicht immer so einfach. Das Entscheidende ist, diese Spieler zu finden und sie zu holen, auch wenn man damit ein Risiko eingeht. Der Spieler muss sich dann natürlich noch weiterentwickeln. Und das geht in Bremen meist sehr gut.Warum?Allofs: Bremen ist ein gutes Pflaster für Spieler. Das Umfeld hier ist für die meisten einfach leistungsfördernd. Und sie haben bei uns mit Thomas Schaaf einen Trainer, der fast alle Spieler, die gekommen sind, verbessert hat. Das ist ganz entscheidend. Dabei braucht der eine etwas länger als der andere. Bei Mesut Özil ging es zum Beispiel sehr schnell. Bei Diego auch. Eine wichtige Zutat scheint auch das Nachfolgerdenken zu sein. Sie verstärken sich gezielt. Und verpflichten nicht wie Bayern München mit Arjen Robben einen sechsten Stürmer.Allofs: Das liegt aber auch daran, dass wir nicht so die Möglichkeiten haben, total aus dem Vollen zu schöpfen. So ein kurzfristiger Kauf von Robben ist für uns natürlich nicht machbar.Damit rauben Sie auch keinem Spieler von heute auf morgen die Perspektive . . .Allofs: Bei uns können sich Spieler ganz natürlich entwickeln. Natürlich wird es mit einer Perspektive für die Spieler immer leichter. Wir mussten ja bei Diegos Wechsel nicht hektisch nach einem Nachfolger suchen, weil da mit Mesut Özil jemand da war, der Diegos Position spielen kann und dies gerade beweist. Das läuft so gut, dass die Mannschaft auf Tabellenplatz eins steht. Wollen Sie den Titel?Allofs: Wir treten jedes Jahr an, um deutscher Meister zu werden. Nachdem wir das 2004 geschafft haben und bis auf vergangene Saison jedes Jahr in der Spitzengruppe mitgespielt haben, kann es für uns auch kein anderes Ziel geben. Wir machen uns da auch keinen Stress und sagen ,Wir dürfen das Wort Meisterschaft nicht in den Mund nehmen'. Wir haben gelernt, mit diesem Druck umzugehen.Werder wird also Meister?Allofs: Ich könnte jetzt sieben, acht Mannschaften nennen, die das Zeug dazu haben. Dazu gehören auch wir. Wenn wir beständig gut und konzentriert spielen, haben wir sehr gute Chancen. Da müssen wir nicht drumherumreden, dass wir das wollen.Eine Mannschaft, die auch Meister werden kann, ist der VfL Wolfsburg. Seit vergangener Saison ein neuer Konkurrent in der Spitzengruppe. Freut Sie das?Allofs: Aus unserer Sicht wünschte ich mir natürlich, dass nur ein Verein das Zeug dazu hat, Meister zu werden. Und zwar Werder Bremen. Aber das ist utopisch. Das gilt ja noch nicht mal für Bayern München. Auf der anderen Seite finde ich aus der Betrachterrolle des Fans gut, dass wir so eine breite Spitzengruppe haben. Wir haben einen Wettkampf, wo viel möglich ist. Für die Liga ist das natürlich eine sehr gute Sache.Ärgert es Sie, dass Vereine wie Hoffenheim, Wolfsburg und Leverkusen entgegen der 50+1-Regel mehrheitlich Investoren gehören und sie damit mehr Geld haben als Vereine wie Bremen, die kein Prozent an Investoren abgeben?Allofs: Nicht wirklich. Wir hätten ja auch die Möglichkeit, in den Grenzen dieser Regel mindestens 49 Prozent unserer Anteile zu verkaufen. Wir hätten da also auch noch Spielraum. Nein, wir ärgern uns nicht. Wir versuchen, auf unsere Art konkurrenzfähig zu bleiben. Auch wenn es sicher unerfreulich ist, wenn man einen Spieler aus finanziellen Gründen nicht bekommt oder ihn nicht halten kann. Aber nein, wir schauen nicht verärgert Richtung Leverkusen, Wolfsburg oder Hoffenheim.Am Samstag kommt Wolfsburg nach Bremen. Wer gewinnt?Allofs (lacht): Wir gehen immer davon aus, dass wir gewinnen - um manchmal zu erfahren, dass es doch nicht klappt. Aber bei der Klasse unserer Mannschaft ist die Hoffnung auf einen Sieg durchaus realistisch.

Zur PersonKlaus Allofs, geboren am 5. Dezember 1956 in Düsseldorf, ist seit 13. Juli 1999 Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen. Zusammen mit seinem ehemaligen Mitspieler Thomas Schaaf, seit 10. Mai 1999 Trainer, ist Allofs für den Aufschwung des SV Werder verantwortlich. In dieser Zeit gewann Bremen einmal die Meisterschaft (2004) und zweimal den DFB-Pokal (2004, 2009). Allofs hat als Aktiver 56 Länderspiele und 424 Bundesligaspiele absolviert. red