Ringen: Kinsinger will „alles zeigen, was er draufhat“

Ringen : Kinsinger will „alles zeigen, was er draufhat“

Der Köllerbacher Ringer nimmt erstmals an einer Weltmeisterschaft der Erwachsenen teil. Am Samstag fährt er nach Paris.

Weltmeister bei den Kadetten, Vize-Weltmeister bei den Junioren, Nachwuchssportler des Jahres 2015 im Saarland, 2013 und 2016 beim Deutschen Ringerbund (DRB) – Etienne Kinsinger ist eines der neuen Gesichter des deutschen Ringkampfsports. Mit gerade mal 20 Jahren steht nun seine bislang größte sportliche Herausforderung quasi vor der Haustür. „Es ist meine erste Weltmeisterschaft bei den Aktiven“, erzählt Kinsinger: „Witzigerweise ist es zur WM nach Paris näher als zur deutschen Meisterschaft, die in diesem Jahr in Pausa in Sachsen stattfand.“

Es laufen die letzten Vorbereitungen auf ein Turnier, wie es Kinsinger noch nicht erlebt hat. „Es ist damit zu rechnen, dass in meiner Gewichtsklasse 30 oder gar 40 Konkurrenten antreten werden“, sagt der Greco-Spezialist, der in der Klasse bis 59 Kilo an den Start gehen wird: „Da kannst du natürlich nicht jeden mit Video analysieren. Aber die Top-Leute kenne ich.“ Der Püttlinger ist einer, der immer gewinnen will. „Aber ich kann mich auch sehr gut einschätzen. Darum mache ich meine Leistung nicht an einer Platzierung fest. Letztes Jahr wurde ich Dritter bei der Junioren-EM in Bukarest – aber mit meiner Leistung war ich ganz und gar nicht zufrieden. Ich weiß, dass zur absoluten Weltspitze bei den Männern noch ein wenig fehlt. Aber ich fahre nach Paris, um das Beste aus meinen Möglichkeiten zu machen. Ich will alles zeigen, was ich draufhabe.“

Morgen trifft sich die deutsche Mannschaft an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken, am Samstag geht es dann mit der Bahn in die Seine-Metropole. Die WM beginnt am Montag, Kinsinger geht am Dienstag auf die Matte. „Wir hatten sehr viele Trainingslager dieses Jahr. Wir waren in Polen, Litauen, Saarbrücken, Heidelberg, Aschaffenburg. Die Stimmung ist gut, wir sind gut vorbereitet“, sagt Kinsinger, der nach einem Einser-Abitur nun Recht und Wirtschaft studiert: „Das ist nicht immer so einfach, wenn man so oft weg ist. Aber andere schaffen es auch nicht in der Regelstudienzeit – und das ohne Leistungssport.“

Vorbereitung auf einen Wettkampf heißt im Ringen immer auch Gewicht machen. 66 Kilo wiegt Kinsinger normal. Am Montag in Paris dürfen es nur noch 59 sein. Eine enorme Belastung für den Körper, die Kinsinger neuerdings sehr professionell angeht. „Sportler sind ja keine vollgestopften Mülltüten, darum ist das nicht mit einer Diät von normalen Menschen zu vergleichen. Die richtige Ernährung kann bei einem Sportler drei bis vier Prozent des Leistungsvermögens ausmachen. Das ist in der Spitze eine ganze Menge“, erklärt der Ringer, der in der Bundesliga für den KSV Köllerbach startet: „Ich arbeite sehr intensiv mit Ernährungsberaterin Mareike Großhauser zusammen. Wir haben da viel getüftelt, denn es geht immer an die Grenze. Und die richtige Ernährung endet ja nicht beim Wiegen vorm Wettkampf. Auch was ich danach bis zum Kampf esse, ist genau geplant. Da kann ein Nutella-Brot schon das Aus bedeuten.“

Etienne Kinsinger wirkt entspannt, geradezu gelassen vor seiner ersten WM. „Die Nervosität kommt bestimmt am Montag“, sagt er: „Ich habe ja nicht den Druck, ganz vorne dabei sein zu müssen. Ich will nur schauen, wen ich da so alles ärgern kann.“ Und da ist es dann auch wieder, das lachende neue Gesicht des deutschen Ringens.