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Kiel löst souverän sein Final-Ticket

Die Kieler Spieler bejubeln das Erreichen des Finale der Champions League. Foto: dpa
Die Kieler Spieler bejubeln das Erreichen des Finale der Champions League. Foto: dpa
Mannheim. Auf dem Weg zum Triple ist der deutsche Handball-Meister THW Kiel im Schongang in sein drittes Champions-League-Finale in Serie spaziert. Das Ziel der Endspielreise entscheidet sich jedoch erst am Samstagabend im zweiten Halbfinale zwischen dem Liga-Rivalen HSV Hamburg und Titelverteidiger BM Ciudad Real Von dpa-Mitarbeiter Nils B. Bohl

Mannheim. Auf dem Weg zum Triple ist der deutsche Handball-Meister THW Kiel im Schongang in sein drittes Champions-League-Finale in Serie spaziert. Das Ziel der Endspielreise entscheidet sich jedoch erst am Samstagabend im zweiten Halbfinale zwischen dem Liga-Rivalen HSV Hamburg und Titelverteidiger BM Ciudad Real. Kiels Trainer Alfred Gislason genoss am späten Donnerstagabend den Augenblick. "Es ist für mich großartig, es als neuer Trainer in Kiel geschafft zu haben, ins Finale zu kommen", sagte der Isländer nach der letztlich unbedeutenden 30:31 (18:16)-Niederlage bei den Rhein-Neckar Löwen im Halbfinal-Rückspiel.


Das Endspiel-Ticket hatten die Kieler schon vier Tage zuvor mit ihrer 37:23-Gala im ersten Duell mit den Mannheimern gelöst. Daher nahm das THW-Starensemble die dritte Saisonniederlage in Kauf und überließ den sichtlich um Wiedergutmachung bemühten Gastgebern den erhofften Prestige-Erfolg. "Es kann sein, dass wir aus dem Rhythmus kamen, weil ich etwas zu viel rotiert habe. Aber es war wichtiger, die Last auf alle zu verteilen, als an die verlorenen 30 000 Euro Siegprämie zu denken", sagte Gislason und übernahm die Verantwortung für die Schlappe, die Löwen-Eigengewächs Uwe Gensheimer mit einem Tor in der Schlusssekunde perfekt gemacht hatte.

"Für uns ist es moralisch wichtig, das Spiel gewonnen zu haben", sagte Löwen-Trainer Wolfgang Schwenke und hatte dabei schon das nächste Aufeinandertreffen der beiden Teams im Halbfinale des DHB-Pokals am 9. Mai in Hamburg im Blick. Die 12 968 Zuschauer in der Mannheimer SAP-Arena honorierten die Leidenschaft der Hausherren mit stürmischem Applaus und feierten den bedeutungslosen Sieg fast wie einen Titelgewinn. "Mit diesem Sieg haben wir uns auch wieder ein bisschen Respekt in Kiel verschafft. Ich glaube, die haben es nicht so gern gesehen, dass wir gewonnen haben", meinte Gudjon-Valur Sigurdsson in Anspielung auf die Sticheleien vor der Partie.

Vor allem die Spitzen aus Mannheim wegen der angeblichen Kieler Manipulationen in der Champions League hatten beim THW für Extra-Motivation gesorgt. "Natürlich, es gibt eine sehr große Wut in der Mannschaft über diese Äußerungen, man weiß ja auch, warum diese Äußerungen immer zu gewissen Zeitpunkten fallen", sagte Gislason. Dennoch bemühte sich der 49-Jährige, die Rivalität herunterzuspielen: "Es gibt keinen Stress zwischen den Mannschaften."

Am Samstagabend (19 Uhr/Eurosport) werden die Kieler ihren Endspiel-Rivalen studieren. Trotz der 29:30-Hinspielniederlage ist der HSV Hamburg am Freitagmittag mit Zuversicht nach Spanien zu Cupverteidiger BM Ciudad Real gereist. "Jeder weiß, was die Stunde geschlagen hat", sagte Nationalspieler Pascal Hens. Den Hamburgern steht der komplette Kader zur Verfügung, auch der im Hinspiel verletzte Dimitri Torgowanow. HSV-Präsident Andreas Rudolph hat die Messlatte hochgelegt. "Wir gewinnen dort mit vier Toren Unterschied", behauptete der Vereins-Mäzen.