Handball: Kessler soll mit mehr Autorität Erfolg bringen

Handball : Kessler soll mit mehr Autorität Erfolg bringen

Handball-Zweitligist HG Saarlouis hat sich von Trainer Jörg Bohrmann getrennt. Sein bisheriger Assistent ist nun in der Verantwortung.

Die 19:29-Blamage am Freitagabend in Essen war zu viel: Handball-Zweitligist HG Saarlouis hat Cheftrainer Jörg Bohrmann am Samstagmittag freigestellt. Co-Trainer und Ex-Spieler Philipp Kessler übernimmt bis zum Saisonende.

„Die sportliche Entwicklung der Mannschaft ging in die falsche Richtung. Sie zeigte in den letzten vier Wochen nicht nach oben und ist auch nicht gleichbleibend, sondern es ist sogar eine Verunsicherung eingetreten“, erklärte der HG-Vorsitzende Richard Jungmann: „Es fehlt die Kontinuität. Das trägt nicht dazu bei, dass die Spieler den Freiraum haben, ihre individuellen Qualitäten voll in die Waagschale zu werfen.“ Gerade einmal zwei Siege und ein Unentschieden gelangen den Saarländern in den elf Ligaspielen. 5:17 Punkte und das katastrophale Torverhältnis von 262:317 bedeuten einmal mehr Abstiegskampf.

Die Zeitspanne zwischen Angebot und Zusage von Philipp Kessler bot keinen Spielraum zur „reiflichen Überlegung“: „Die Nacht war recht kurz, wir kamen erst um 3 Uhr zu Hause an, und dann musste ich noch zu einer Veranstaltung an die Schule. Ich wurde irgendwann gebeten, zu einer Vorstandssitzung zu kommen. Und dann ging alles ganz schnell“, berichtete Kessler.

Der 32-jährige Lehrer für Wirtschaft und Sport besitzt die Trainer-B-Lizenz und will die Chance nutzen, „mit dieser Mannschaft etwas zu bewegen und die gesetzten Ziele schnellstmöglich zu erreichen“. Perspektivisch muss er dafür die A-Lizenz machen, die man als Zweitligatrainer nach einer Übergangsphase braucht.

Noch in der vergangenen Saison gehörte Kessler selbst zum Kader, bevor er im Sommer seine Spielerkarriere beendete und Co-Trainer wurde. Für die nächsten Tage und Wochen nimmt er sich Folgendes vor: „Wir müssen Automatismen in unser Spiel bekommen. Das wird in der Abwehr wichtig sein, um im Angriff Stabilität zu finden. Das sehe ich als meine größte Aufgabe an.“

Mit dem Ex-Cheftrainer nahm der Verein der Mannschaft auch ein Alibi. Hinter vorgehaltener Hand wurde die taktische Ausrichtung schon länger kritisiert – nach der 18:26-Heimpleite gegen den HSC Coburg sprach Torwart Patrick Schulz dann öffentlich darüber, dass er sich eine andere Abwehrformation als das offensive 3-2-1 gewünscht hätte. Am Freitag in Essen ließ Jörg Bohrmann sein Team mit einer 6-0-Deckung agieren, was passabel funktionierte. Doch der Angriff versagte mal wieder. Zahlreiche Chancen wurden nicht genutzt und dadurch gegen schnelle Essener zu leichte Gegentore provoziert. „Letzten Endes ist das auch ein Autoritätsproblem. Ich denke, dass Philipp diese Autorität mitbringt“, sagte Vereins-Chef Richard Jungmann, der sich ein Engagement des HG-Eigengewächses über das Saisonende hinaus sehr gut vorstellen kann: „Wenn das machbar ist, würden wir diese Zusammenarbeit gerne weiterführen. Philipp Kessler ist ein Mann, der nicht nur die Autorität, sondern auch den sportfachlichen Hintergrund hat, sich hier zu etablieren.“

Bohrmann war für eine Stellungnahme über das Wochenende hinweg nicht zu erreichen. „Für Jörg tut es mir natürlich leid. Wir haben gut zusammengearbeitet. Natürlich gibt es von Trainer zu Trainer unterschiedliche Auffassungen über das Spielsystem – auch zwischen Co-Trainer und Trainer“, sagte Kessler: „Der Cheftrainer steht in der Verantwortung und hat das letzte Wort. Das hat mal gut und mal weniger gut funktioniert. Wenn der Erfolg ausbleibt und Punkte fehlen, ist er das schwächste Glied der Kette.“

Nun liegt es in Kesslers Hand, die richtigen Akzente zu setzen und die Spieler wieder dazu zu bringen, ihre bestmögliche Leistung abzurufen. „Das haben wir zuletzt leider nicht geschafft“, muss er selbst eingestehen und kündigte an: „Mit einer klaren Struktur und der nötigen Stabilität wollen wir Punkte einfahren. Damit wollen wir am Mittwoch anfangen.“ Dann ist um 19.30 Uhr der HC Elbflorenz Dresden zu Gast.