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Kerber: Erst Bootstour zur Freiheitsstatue, dann auf den Thron?

Angelique Kerber kann in New York die Nummer eins der Tenniswelt werden. Foto: dpa/Maury
Angelique Kerber kann in New York die Nummer eins der Tenniswelt werden. Foto: dpa/Maury FOTO: dpa/Maury
New York. 2006 schrieb der Orscholzer Benjamin Becker bei den US Open Geschichte – als er André Agassi besiegte und damit in Rente schickte. 2016 könnte mit Angelique Kerber erneut eine Deutsche für eine Sternstunde sorgen. sid

Angelique Kerber hatte die Frage erwartet, sie war vorbereitet. Wenn der Tennis-Thron in Sicht ist, will die Welt wissen, was in der Nummer zwei vorgeht, welchen Stellenwert Rang eins haben würde. Kerber holte also Luft, zwang sich zu einem Lächeln und sagte: "Ich liebe diese Frage. Ich liebe sie." Mit diesem Anflug von Sarkasmus versuchte Kerber, die Unbekümmertheit zu bewahren. Dabei weiß sie genau, was bei den US Open ab heute auf dem Spiel steht. Kerber hat es in der Hand, die große Serena Williams (USA) an der Spitze der Weltrangliste abzulösen und damit in Steffi Grafs Fußstapfen zu treten. Graf ist noch immer die einzige Deutsche, die die Rangliste angeführt hat - zuletzt im März vor 19 Jahren.


Natürlich spürt Kerber die Last der Geschichte, sie spürt die Erwartungen: "Aber solange ich mich nicht selbst unter Druck setze, ist es okay." In New York entspannte sich Kerber wie eine Touristin im Central Park und auf einer Bootstour um die Freiheitsstatue. Mit den Erfahrungen aus über einem Jahrzehnt auf der Profitour hat sich die 28-Jährige einen Schutzschild gebaut, hinter den sie sich zurückziehen kann, wenn die Welt um sie herum verrückt spielt. Den entscheidenden Baustein hatte sie nach dem WTA-Finale im vergangenen Jahr in Singapur hinzugefügt, als sie nur noch einen Satzgewinn zum Einzug ins Halbfinale brauchte und an sich selbst scheiterte: "Daraus habe ich eine Menge gelernt, da habe ich mir selbst viel zu viel Druck aufgeladen."

Beim Turnier in Cincinnati (USA) vergangene Woche hatte Kerber ihre erste Chance vergeben. Für ihren erneuten Angriff auf die Spitze hat Kerber aber zumindest schon einmal Losglück gehabt. Die Australian-Open-Siegerin und Silbermedaillengewinnerin von Rio trifft in der ersten Runde auf Polona Hercog aus Slowenien. Anschließend könnten Alizé Cornet oder Mirjana Lucic-Baroni die Gegnerinnen sein.



Die Frage nach der Nummer eins entscheidet sich jedoch nicht nur zwischen Williams und Kerber, große Chancen hat auch die spanische French-Open-Siegerin Garbine Muguruza, kleinere die Polin Agnieszka Radwanska .

Benjamin Becker trifft bei den US Open in der ersten Runde auf den an Nummer sechs gesetzten Japaner Kei Nishikori. In der Weltrangliste belegt Becker Platz 97, Nishikori Rang sieben.