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„Keine Flitterwochen mit Rosen“

„Keine Flitterwochen mit Rosen“

Bei der Eishockey-WM in Schweden und Finnland geht es um Wiedergutmachung für das blamable Olympia-Aus der Deutschen. Aber auch Bundestrainer Pat Cortina steht unter besonderer Beobachtung.

Pat Cortina weiß, was die Stunde geschlagen hat. "Wenn wir keine gute WM spielen, wird es Kritik geben. Aber es geht nicht um mich, sondern um das deutsche Eishockey", sagt der Bundestrainer. 82 Tage nach dem blamablen Olympia-Aus steht die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft am Scheideweg: Geht der sportliche Absturz auch bei der WM in Schweden und Finnland weiter, droht der Sportart die Bedeutungslosigkeit - und Cortina ein schnelles Ende seines Traumjobs.

"Ich wäre sicherlich enttäuscht", gibt der Italo-Kanadier zu, der erst seit siebeneinhalb Monaten im Amt ist und einen Vertrag bis 2015 hat. Eindeutige Rückendeckung vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) bekommt der 48-Jährige vor dem heutigen WM-Auftaktspiel (19.15 Uhr/Sport1) in Helsinki gegen den Co-Gastgeber Finnland nicht. "Wir konzentrieren uns auf die WM, mit allen anderen Dingen beschäftigen wir uns nicht", sagt DEB-Präsident Uwe Harnos auf die Frage nach Cortinas Zukunft.

Dass er die wichtigste Aufgabe seiner Amtszeit nicht erfüllt und die deutsche Mannschaft erstmals auf sportlichem Weg die Olympischen Spiele verpasst hat, "ist ein Stachel, der ewig schmerzt", sagt der Bundestrainer. Der Druck ist gewachsen. "Das gehört dazu. Ich habe keine Flitterwochen mit Rosen erwartet", sagt er.

Seinen Erfolg oder Misserfolg bei der WM will Cortina nicht an einer konkreten Platzierung festmachen. Es sei eine gute WM, "wenn wir vom Eis gehen und sagen: Wir haben unser bestes Eishockey gespielt. Ob das Platz eins oder sieben in der Gruppe bedeutet, weiß ich nicht." Das deutsche Eishockey erlebe eine schwierige Zeit, "einige Schlüsselspieler haben ihren Höhepunkt überschritten, sind vielleicht zufrieden, das Alter holt sie ein. Und die Jungen sind noch nicht so weit", glaubt der Trainer.

Das Viertelfinale, das die DEB-Auswahl unter seinem Vorvorgänger Uwe Krupp 2010 und 2011 erreichte, will niemand als Ziel ausgeben. Stattdessen blicken alle nach unten. "Platz sechs in der Gruppe", nennt Harnos als Ziel. Damit würde der Gang in die Zweitklassigkeit auch in dem Fall vermieden, wenn die als Gastgeber der WM 2014 gesetzten Weißrussen auf einem Abstiegsplatz landen. Der Abstieg sei, meint Cortina, "eine Möglichkeit, bei sieben Spielen in zehn Tagen gewinnen nicht immer die Besseren". Eine Erfahrung, die er bei der verpatzten Olympia-Qualifikation im Februar machte. Wie es ist, sich aus der A-Gruppe verabschieden zu müssen, weiß der Italo-Kanadier. 2002 stieg er mit Italien ab, 2009 mit Ungarn.

Dabei müsste die DEB-Auswahl eigentlich das Viertelfinale ins Visier nehmen, will sie lediglich in Sotschi Olympia-Zuschauer sein. Denn bei der 77. WM geht es bereits um Weltranglistenpunkte für die Spiele 2018. "Olympia-Qualifikationsturniere sind immer sehr heikel", sagt Cortina nach der bitteren Erfahrung im Februar: "Wir wollen daran arbeiten, dass wir sie gar nicht spielen müssen. Dafür müssen wir unter den besten Acht, Neun der Welt sein."

Zum Thema:

HintergrundBei der Eishockey-WM 2013 kommt zum zweiten Mal der neue Modus zum Tragen. Die 16 Teams ermitteln in der Vorrunde in zwei Achtergruppen die Viertelfinalteilnehmer sowie die Absteiger. Es spielt jeder gegen jeden, die jeweils vier Gruppenbesten ziehen in die K.o.-Runde ein, die jeweils schlechteste Mannschaft steigt direkt ab. Bei Punktgleichheit entscheidet der direkte Vergleich. Die Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft (alle live bei Sport1):3. Mai, 19.15 Uhr: Finnland - Deutschland. 5. Mai, 15.15 Uhr: Deutschland - Russland. 6. Mai, 15.15 Uhr: Deutschland - Slowakei. 8. Mai, 15.15 Uhr: Österreich - Deutschland. 11. Mai, 19.15 Uhr: Deutschland - Lettland. 12. Mai, 15.15 Uhr: USA - Deutschland. 14. Mai, 15.15 Uhr: Frankreich - Deutschland. sid