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Turn-Bundesliga: Keine Angst vor dem FC Bayern des Turnens

Turn-Bundesliga : Keine Angst vor dem FC Bayern des Turnens

Die TG Saar bestreitet am Samstag in Dillingen gegen die KTV Straubenhardt ihren letzten Heimkampf der Saison.

Rosige Aussichten: Wenn die Bundesliga-Turner der TG Saar an diesem Samstag ab 18 Uhr in der Kreissporthalle Dillingen gegen Meister KTV Straubenhardt an die Geräte gehen, könnten sie es eigentlich locker angehen lassen. Mit dem Sieg beim Hambüchen-Club KTV Obere Lahn hat der deutsche Vizemeister den Einzug ins Titel-Finale vorzeitig klar gemacht und Silber quasi sicher.

So weit so gut, denn die Betonung liegt auf „eigentlich“. Der brisante Teil kommt jetzt: Auf wen die Jungs von Trainer Viktor Schweizer am 2. Dezember in der Ludwigsburger MHP-Arena treffen werden, ist noch unklar. Die Antwort wird es erst am letzten Wettkampftag der Deutschen Turnliga (DTL) geben – und die TG Saar bei der Klärung der spannenden Frage ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben. Erzrivale Straubenhardt aus dem Titelrennen kicken und den befreundeten Lahnern Schützenhilfe leisten? Der Liga-Primus kann sich den Final-Gegner quasi aussuchen.

Eine verlockende Aussicht. Thorsten Michels formuliert es so: „Wir können das offene Rennen der Verfolger beeinflussen und wollen unseren Fans einen geilen Wettkampf abliefern. Dabei werden wir uns diesmal sicher nicht schonen“, verspricht der TG-Vorsitzende dem Abonnement-Champion einen heißen Tanz. Erinnerungen werden wach an das Meisterjahr 2012. Mit dem Final-Ticket in der Tasche trat die TG Saar in Straubenhardt mit einer B-Besetzung an, nahm im unbedeutenden letzten Wettkampf eine 14:70-Klatsche in Kauf und gönnte den Leistungsträgern vor dem Gold-Duell eine Atempause. In Bestbesetzung gewann die TG kurz darauf gegen den gleichen Gegner im Berliner DTL-Finale mit 37:30 ihren dritten Titel. Ein Meister-Coup von Schweizer.

Diesmal wählt er eine andere Taktik. „Wir freuen uns riesig über die vorzeitige Final-Teilnahme, werden die Hände aber nicht in den Schoß legen. Tagesform und die Anzahl der Patzer werden entscheiden in einem Duell auf Augenhöhe, das wir vor eigenem Publikum unbedingt gewinnen wollen“, sagt der Trainerfuchs und kramt offene Rechnungen hervor. In den Finals 2011, 2015 und 2016 zog seine Mannschaft gegen die starken Schwaben den Kürzeren. 2012 triumphierte die TG Saar – es blieb die Ausnahme.

In fast allen Duellen gingen die Saarländer leer aus und hinkten in der Liga meist hinterher. Diesmal ist es anders. Die TG-Riege um Barren-Olympiasieger Oleg Wernjajew gewann alle Wettkämpfe souverän. Top-Favorit Straubenhardt schwächelte und leistete sich bei der KTV Obere Lahn einen dicken Schnitzer. Nun müssen Marcel Nguyen, Andreas Bretschneider, Anton Fokin, Marian Dragulescu, David Belyavskiy und Co. sogar um den Final-Einzug zittern. Für das mit Olympioniken, National- und Weltmeisterschafts-Turnern gespickte Star-Ensemble eine ungewohnte Situation.

„Geschenke dürfen sie nicht erwarten. Wir sind ungeschlagen und wollen es auch bleiben“, sagt Felix Remuta. Den Spitzenkampf gegen seinen Unterhachinger Vereinskollegen Marcel Nguyen sieht der TG-Athlet als wichtige Generalprobe für das Finale. „Obere Lahn wäre mir dort persönlich lieber. Es sollten auch mal andere Clubs im Endkampf turnen dürfen“, sagt der 19 Jahre alte Bayer schmunzelnd. Auch Teamkollege Luca Ehrmantraut will die Schwaben „ausknocken“ und fände es nur gerecht. „Quasi als Revanche für alle verlorenen Finals“, grinst der 21-Jährige.

TG-Saar-Spezi Straubenhardt sollte sich also warm anziehen. Ein Turn-Waterloo droht, auch wenn die Gäste am Samstag kadertechnisch im Vorteil sein dürften. Psyche und Heimbonus sprechen dagegen eindeutig für die TG Saar. „Jeder will gegen den selbsternannten ‚FC Bayern München des Turnens‘ gewinnen, und wir sind besonders scharf drauf“, sagt Michels, grübelt kurz und muss dann bei den rosigen Aussichten grinsen: „Straubenhardt in Dillingen vor eigenen Fans aus dem Titelrennen hauen – das wäre richtig geil.“