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Champions League: Kein Spiel für Feinschmecker

Champions League : Kein Spiel für Feinschmecker

Bayern mühen sich zu einem 2:1 in Anderlecht. Thiago droht mehrere Monate auszufallen, Muskelfaserriss bei Robben.

Beim Ausblick auf das reizvolle Gruppenfinale gegen Paris St. Germain reagierte Hasan Salihamidzic überraschend unwirsch. „Das ist mir total egal“, blaffte der Sportdirektor des FC Bayern München nach dem schmeichelhaften und künstlerisch armen 2:1 (0:0) beim RSC Anderlecht in den engen Gängen des Constant Vanden Stock Stadions die Reporter an und verkündete stattdessen: „Ich kann jetzt überhaupt nicht über Paris nachdenken, ich habe andere Probleme.“

Sieg Nummer neun unter Jupp Heynckes versetzte die Münchner Kicker, die gestern aus Belgien mit dem Mannschaftsbus und ohne die verletzten Arjen Robben und Thiago gleich weiter zum nahe gelegenen nächsten Spielort nach Mönchengladbach reisten, nicht in vorweihnachtliche Festtagsstimmung. „Das Spiel heute wird leider nicht in die Annalen des Weltfußballs eingehen. Aber das macht nichts. Wichtig ist, dass man es gewinnt“, sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge beim Mitternachtsbankett der Bayern-Delegation im Teamhotel.

Die Minus-Leistung rund um die Tore von Robert Lewandowski und Corentin Tolisso hatte Ruhepol Heynckes sogar zu einer lauten Halbzeitansprache veranlasst. Der vierte Sieg im fünften Gruppenspiel, mit dem Platz eins eine Option bleibt, war wahrlich „kein Ruhmesblatt“, wie der Erfolgstrainer sagte. „Es lag an der Einstellung zum Spiel“, gestand Weltmeister Jérôme Boateng erstaunlich offen. Der Matchwinner stand hinten im Tor – Sven Ulreich konnte nur das 1:1 von RSC-Kapitän Sofiane Hanni nicht verhindern. „Ulle ist für uns schon die ganze Saison ein überragender Rückhalt. Jedes Spiel hält er ein, zwei und heute sogar ein paar mehr Bälle richtig gut und holt uns damit Punkte“, rühmte Mats Hummels den Vertreter des eigentlich unersetzbaren Manuel Neuer.

Boateng hieß derweil die weiteren gemeinsamen Tage bis zum Liga-Topspiel am Samstagabend gut. Man werde intern „sehr kritisch mit der Leistung umgehen“, versprach der Abwehrhüne: „Gegen Gladbach müssen wir ganz anders auftreten, sonst wird es schwer.“

Mehr noch als der fahrige Auftritt gegen Anderlecht drückten zwei Verletzungen auf die Stimmung. Thiago humpelte an Krücken aus dem Stadion, er hat wohl eine schwere Muskelverletzung. „Er fällt wahrscheinlich mehrere Monate aus“, berichtete Salihamidzic bedrückt. Robben zog sich einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zu. Beide flogen mit Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt zurück nach München. Dort stehen weitere Untersuchungen an. Thomas Müller und Franck Ribéry arbeiteten gestern in der Heimat weiter an ihrer Rückkehr. „Wir haben gerade eine kleine Lücke im Kader durch ein paar Verletzte“, bemerkte Hummels zur misslichen Situation: „Aber wir werden in Gladbach wieder eine schlagkräftige Mannschaft auf dem Platz haben.“

Positiv-Denker Hummels war auch derjenige, der pure Vorfreude auf die Kraftprobe mit Paris St. Germain in zwei Wochen verbreitete. „Es geht darum, Erster zu werden“, erklärte der Weltmeister forsch, auch wenn dafür ein Bayern-Sieg mit mindestens vier Toren Differenz gelingen muss. Ein kleines Wunder also. Na und, meinte Hummels: „Wir haben da ein Spiel, in dem wir nichts verlieren können. Das gibt es als Bayern München ganz selten.“

Allesgewinner Heynckes winkte dagegen mit der Weisheit seiner 72 Jahre schon in Belgien ab. Nach dem 0:3 in Paris – damals noch unter Carlo Ancelotti – nannte es Heynckes „vermessen“, vom Gruppensieg zu reden: „Das kann nicht primär unser Ziel sein. Wichtig ist, dass wir dieses Spiel auf Augenhöhe bestreiten.“