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Australian Open in Melbourne
Keck, frech und verdammt talentiert

Marta Kostjuk jubelt über einen Punktgewinn im Spiel gegen Olivia Rogowska. Die 15-jährige Ukrainerin sorgt bei den Australian Open in Melbourne mit dem Einzug in die dritte Runde für Furore.
Marta Kostjuk jubelt über einen Punktgewinn im Spiel gegen Olivia Rogowska. Die 15-jährige Ukrainerin sorgt bei den Australian Open in Melbourne mit dem Einzug in die dritte Runde für Furore. FOTO: dpa / Dita Alangkara
Melbourne. Die 15-jährige Ukrainerin Marta Kostjuk überrascht bei den Australian Open – wie einst die Schweizerin Martina Hingis.

Vor zwei Wochen verlor sie in der ersten Runde eines drittklassigen Turniers im australischen Playford gegen die Griechin Valentini Grammatikopoulu. Bei den Australian Open wurde sie nach dem größten Coup ihrer noch sehr, sehr jungen Karriere von ihrer Mutter ermahnt, vernünftig zu essen und nicht ständig auf ihr Handy zu starren. Mit 13 wollte sie Novak Djokovic heiraten, ihr Preisgeld in diesem Jahr betrug bis zu diesem Tag exakt 228 US-Dollar.


Doch am 17. Januar 2018 hat die 15 Jahre alte Ukrainerin Marta Kostjuk ihren „Teenager-Traum“ fortgeschrieben, wie die Veranstalter des ersten Grand-Slam-Turniers der neuen Saison eilig dichteten. Verrückte Tennis-Welt! Als jüngste Spielerin seit Martina Hingis vor 22 Jahren erreichte die in Kiew geborene und in Zagreb lebende Kostjuk die dritte Runde der Australian Open. Als Nummer 521 der Weltrangliste. Dort kämpft sie nun morgen gegen ihre prominente Landsfrau Jelina Switolina um das Achtelfinale. „Ich glaube, auch sie wird ein bisschen nervös sein, und das versuche ich auszunutzen“, sagte Kostjuk keck vor dem ungleichen Vergleich mit der Weltranglisten-Vierten.

Vor großen Namen erstarrt sie ohnehin nicht in Ehrfurcht: Ihr Manager Ivan Ljubicic ist der Trainer von Roger Federer. „Wir kennen uns. Jedes Mal, wenn wir uns sehen, begrüßt er mich“, erzählte Kostjuk. Nur beim Betreten des größten aller Interviewsäle auf der Anlage wurde ihr gestern nach dem 6:3, 7:5 gegen die Australierin Olivia Rogowska ganz kurz mulmig. „Oh, das ist unheimlich“, entfuhr es Kostjuk, als sie in so viele Reporter-Gesichter blickte wie nie zuvor.



Die blonden Haare zum Pferdeschwanz gebunden, die Fingernägel rosa lackiert, Silberschmuck am linken Handgelenk und Kettchen mit Kreuz um den Hals – munter und vollkommen entspannt plauderte die 15-Jährige drauflos, als seien Auftritte auf den größten Bühnen der Welt längst Routine für sie.

Weil sie im vergangenen Jahr die Juniorinnen-Konkurrenz in Melbourne gewann, erhielt sie eine Wildcard für die Qualifikation. Mit drei Siegen über drei Sätze quälte sie sich in das Hauptfeld. Und schlug dort in der ersten Runde die an Position 25 gesetzte Chinesin Shuai Peng. Ihr Preisgeld 2018 hat sie schon jetzt um das fast 500-fache multipliziert. Ein Scheck über 113 647 Dollar ist ihr bereits sicher.

Dabei hat sie eigentlich nur mit dem Tennisspielen angefangen, weil sie so oft wie möglich ihre Mutter, die frühere Profispielerin Talina Beiko, sehen wollte. Irgendwann entschied sich Kostjuk gegen eine Karriere als Turnerin und für die Laufbahn auf der Tennis-Tour. Die Schularbeiten erledigt sie unterwegs, bei ihren seltenen Besuchen in der ukrainischen Heimat muss sie Tests schreiben.

Und was es mit der Schwärmerei für den serbischen Superstar Djokovic auf sich hat, verriet Kostjuk in einem Interview auf der Internetseite der Damen-Organisation WTA ebenfalls. „Ich wollte ihn heiraten. Ich glaube auch, er weiß es, weil es in einer serbischen Zeitung stand“, erzählte sie dort und führte aus: „Es sind 15 Jahre Unterschied zwischen ihm und mir, meine Eltern haben eine Altersdifferenz von 18 Jahren. Also dachte ich, das ist okay. Aber ich habe aufgehört, ihn heiraten zu wollen, als ich 13 war.“ Klingt, als wäre es schon Ewigkeiten her. Bei ihrer rasanten Entwicklung mag man das sogar glauben.