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Närrische Tage mal anders
Katerstimmung beim Karnevalsverein

Mainz/Frankfurt. Mitten im Höhepunkt der närrischen Wochen steckt Fußball-Bundesligist Mainz 05 in einer tiefen Krise. Trainer Sandro Schwarz fand nach dem desolaten 0:3 im DFB-Pokal-Viertelfinale bei Eintracht Frankfurt deutliche Worte.

(sid) Das närrische Geschunkel und Gejohle endete diesmal vor dem Gelände des „Karnevalsvereins“. Beim tief in der Krise steckenden Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 wurde es an Altweiber-Fastnacht zwar auch laut – aber ganz anders als gedacht. Nach dem peinlichen Aus im DFB-Pokal waren die Gesichter der Verantwortlichen länger als die berühmten Rosenmontags-„Schwellköpp“. Das peinliche 0:3 (0:1) am Mittwoch­abend im Viertelfinale beim Lokalrivalen Eintracht Frankfurt hatte für Katerstimmung schon zu Beginn der tollen Tage gesorgt – und die bekämpfte Sandro Schwarz am gestrigen Donnerstag mit deutlichen Worten.



„Das Spiel war ein Tiefschlag. Die Spieler in den Arm zu nehmen und zu sagen, dass das schon wieder wird, ist diesmal der falsche Ansatz“, kündigte der Trainer nach der unterirdischen Leistung des Liga-Drittletzten eine harte Linie in den Tagen vor dem Punktspiel am Samstag bei 1899 Hoffenheim (15.30 Uhr/Sky) an: „Ich stelle mich immer vor die Mannschaft. Aber damit ist Schluss. Ich werde sie nicht in Watte packen. Und das geht bis Samstag weiter.“

Schon am Mittwochabend hatte Schwarz damit begonnen. Erst schrie sich der Trainer in der Kabine den Frust aus dem Leib, dann versammelte er seine Profis um sich und wusch ihnen rund 15 Minuten den Kopf. Als der Trainerneuling anschließend vor die Medien trat, rechnete er schonungslos mit seinem Team ab. „Wir waren als Mannschaft nicht auf dem Platz. Es ist grob fahrlässig, wie wir agieren. Das müssen wir schleunigst abstellen. Das Bild, das wir abgeben, ist nicht Mainz 05“, wütete der aufgewühlte Schwarz und wippte dabei kopfschüttelnd auf seinem Stuhl: „So haben wir keine Chance in der Bundesliga, das ist ein Fakt. So kannst du in keiner Liga der Welt ein Spiel gewinnen.“

Damit traf der 39-Jährige den Nagel auf den Kopf. Ante Rebic (17.) nach einem kapitalen Fehler des früheren Nationaltorhüters Rene Adler, FSV-Innenverteidiger Alexander Hack per Eigentor (53.) und Omar Mascarell (62.) als Nutznießer eines weiteren Hack-Fehlers trafen vor 48 200 Zuschauern für den Vorjahresfinalisten, der nach dem lockeren Sieg nur noch einen Schritt vom erneuten Endspiel entfernt ist.

„Wir haben die drei Tore ja quasi selbst geschossen – das ist Wahnsinn“, sagte FSV-Sportvorstand Rouven Schröder: „Wir alle im Verein reißen uns Tag für Tag den Arsch auf. Da ist es klar, dass wir maximal frustriert und enttäuscht sind. Wir werden deutliche Worte finden müssen.“



Diese Worte fanden die mitgereisten Fans direkt nach dem Abpfiff, als sie die Spieler lauthals beschimpften. „Es ist doch klar, dass die Stimmung kippt bei solch einer Leistung“, äußerte Schwarz: „Das muss jetzt etwas auslösen. Es muss der Eigenantrieb von jedem Spieler sein, dass er so was nicht noch mal erleben möchte. Wenn dieser Antrieb nicht da ist, haben wir keine Chance. Wir haben nicht die Qualität, anders die Spiele zu gewinnen.“

Was Schwarz von der derzeitigen Qualität seiner Schützlinge hält, machte er gleich nach dem Spiel klar. „Ist jemand von uns Man of the Match?“, fragte er voller Ironie vor der Verkündung der Auszeichnung, die an Rebic ging.

Was seine eigene Eignung als Trainer angeht, hatte der längst nicht mehr unumstrittene Schwarz ebenfalls eine klare Meinung. „Dass die Fragen kommen, war klar. Ich habe keine Eitelkeiten in mir. Es geht mir nicht um mich oder meinen Job“, sagte der Trainer: „Ich bin frustriert wegen der Lage des Vereins. Deshalb fühle ich mich beschissen.“