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Karen Hager vor dem größtem Spiel ihrer Karriere 

DFB-Pokalspiel des SV Göttelborn gegen den SC Sand : Karen Hager fiebert Karriere-Höhepunkt entgegen

Die Rohrbacher Fußballspielerin trifft am Sonntag im DFB-Pokal der Frauen mit dem SV Göttelborn auf Bundesligist SC Sand.

Als Karen Hager am vergangenen Dienstag von ihrer lockeren Jogging-Runde am Rohrbacher Weiher zurückkehrte, war ihr die Erleichterung richtig anzusehen. „Es hat alles gepasst. Ich habe keine Schmerzen gespürt und kann wieder ins Mannschaftstraining einsteigen – Gott sei Dank“, sagte sie nach ihrem ersten Lauf seit einer Woche.

Eine Niederbecken-Entzündung hatte die Mittelfeldspielerin außer Gefecht gesetzt. Und das ausgerechnet vor dem größten Spiel ihrer bisherigen Fußballlaufbahn. Am Sonntag empfängt der Regionalligist SV Göttelborn den Bundesligisten SC Sand in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Anstoß ist um 14 Uhr im Stadion am Franzenhaus in Quierschied. „Ich freue mich seit Wochen auf dieses Spiel und bin froh, dass ich noch rechtzeitig fit geworden bin“, sagt die 22-Jährige. Mit ihrem Bruder Felix spielte sie schon früher im Garten Fußball. Und als sie fünf Jahre alt war, nahm sie ihr Bruder auch mit zum Training des SV Rohrbach – mit durchschlagendem Erfolg. Der SV Rohrbach nahm die kleine Karen sofort in die Jugendmannschaft auf und irgendwann meldete auch der 1. FC Saarbrücken Interesse an der talentierten Fußballerin an.

Das typische Mädchen, das gerne mit Puppen spielt und am liebsten Prinzessin wäre, war Karen Hager nie. „Ich liebe Fußballspielen einfach. Mein Vater ist Trainer und mein Bruder kickt auch. Das kommt wohl daher“, sagt sie. Beim 1. FC Saarbrücken spielte sie in der B-Juniorinnen-Bundesliga und stellte schon dort ihre Treffsicherheit unter Beweis. „Ich ziehe ganz gern von der rechten Seite nach Innen und kann auch mit dem linken Fußball ganz gut schießen. Ich stehe oft auch richtig, wenn die Pässe der Mitspieler kommen. Ein bisschen Glück gehört halt immer dazu“, sagt das begnadete Talent. Doch die Karriere bei den Aktiven geriet ins Stottern. Sie bekam bei der Zweitligamannschaft des 1. FC Saarbrücken zwar Einsatzzeit, wurde aber immer nur für wenige Minuten eingewechselt. „Ich habe mich wie das fünfte Rad am Wagen gefühlt, da ich nie eine Chance bekommen habe. Das Ganze hat auch am Selbstvertrauen genagt. Ich fühlte mich einfach nicht mehr wohl“, erklärt die junge Mittelfeldspielerin.

Ihr ehemaliger Trainer Kai Klankert holte sie 2018 zum neuen Frauenfußball-Projekt des SV Göttelborn und der SV Elversberg. Doch es dauerte, bis das Selbstvertrauen wieder da und die alte Karin Hager wieder am Ball war. In ihrer ersten Saison in Göttelborn spielte sie gerade einmal drei Spiele in der Verbandsliga. „Ich wusste selber nicht mehr, was ich noch machen sollte. Im Training lief alles gut und in den Spielen ging gar nichts“, blickt Hager zurück. Doch zu Beginn der vergangenen Saison platzte der Knoten. Da spielte es auch keine Rolle, dass der SV Göttelborn in die Regionalliga aufgestiegen war. Die alte Karen war wieder da. In 15 Ligaspielen erzielte sie zehn Tore.

In dieser Saison stand sie bis zur Corona-Unterbrechung in allen fünf Spielen auf dem Platz, traf fünf Mal und hat großen Anteil daran, dass der SVG Tabellenführer ist. „Wir hatten bis zur Unterbrechung einen guten Lauf und vor vier Wochen hätte ich gesagt, dass wir im DFB-Pokal gegen den SC Sand gute Chancen haben“, so die BWL-Studentin, die parallel noch eine Ausbildung zur Bankkauffrau macht. Doch die Frauen des SV Göttelborn wurden bezüglich Corona als Amateure eingestuft und durften wie alle Amateure nicht mehr trainieren. Vor zwei Wochen bekam der SVG eine Sondergenehmigung zum Training vor dem Pokalspiel vom Ordnungsamt der Gemeinde Quierschied. „Wir sind froh, dass wir uns wieder zusammen auf das Spiel vorbereiten können, aber die zwei Wochen fehlen uns. Jetzt wird es am Sonntag um so schwerer. Trotzdem wird es das bislang größte Spiel meiner Karriere und ich werde auf dem Platz alles geben. Vielleicht schaffen wir ja eine Sensation“, sagt Karen Hager voller Vorfreude.