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Karabatics Kampf um ReputationDeutsche Handballer rätseln über ihre Qualität

Superstar Nikola Karabatic steht bei der heute beginnenden Handball-WM in Spanien im Rampenlicht. Den dunklen Schatten des Betrugsverdachts will der Franzose abschütteln. Foto: Horcajuelo/dpa
Superstar Nikola Karabatic steht bei der heute beginnenden Handball-WM in Spanien im Rampenlicht. Den dunklen Schatten des Betrugsverdachts will der Franzose abschütteln. Foto: Horcajuelo/dpa
Granollers. Nikola Karabatic hat den Mund weit aufgerissen, zwischen den Zahnreihen blitzt die olympische Goldmedaille. Es ist ein Foto aus den glücklichen Tagen des Spätsommers 2012, das der französische Superstar seinen Fans auf der Startseite seines offiziellen Facebook-Auftritts präsentiert

Granollers. Nikola Karabatic hat den Mund weit aufgerissen, zwischen den Zahnreihen blitzt die olympische Goldmedaille. Es ist ein Foto aus den glücklichen Tagen des Spätsommers 2012, das der französische Superstar seinen Fans auf der Startseite seines offiziellen Facebook-Auftritts präsentiert. Doch seit der Einleitung eines Strafverfahrens wegen Betrugs im vergangenen Herbst ist im Leben des ehemaligen Kielers nichts mehr so, wie es einmal war. Bei der WM in Spanien, die heute Abend beginnt, kämpft Karabatic nicht nur um den Titel, sondern um seine verloren gegangene Reputation.



"So wie ich Nikola kenne, wird er es allen beweisen wollen. Er hat schon viele Drucksituationen erlebt und durchgestanden", sagt der deutsche Nationalspieler Dominik Klein. Der Linksaußen spielte drei Jahre lang (2006 bis 2009) an der Seite von Karabatic beim THW Kiel und ist bis heute eng mit dem Rückraumspieler befreundet. "Er hat einen großen Charakter, er wird alles geben für seine Nation", glaubt Klein.

Keine fünf Monate ist es her, da lag sein Land, die Grande Nation, dem früheren Welthandballer zu Füßen. Nach dem Olympia-Triumph von London huldigten die Fans ihrem Sportler des Jahres und feierten ihn als Besten seiner Zunft. Karabatic war nach je zwei Welt- und Europameisterschaften, zwei Champions-League-Erfolgen sowie zwei Olympiasiegen endgültig auf einer Stufe mit Weltfußballer Zinedine Zidane und Tennis-Legende Yannick Noah angekommen.

Doch die Freude währte nicht lange. Im September gelangte der Verdacht an die Öffentlichkeit, Karabatic habe in der vergangenen Saison zusammen mit einigen Mitspielern eine Ligapartie seines Vereins Montpellier verschoben. Von einem Tag auf den anderen geriet das Denkmal des französischen Sports gehörig ins Wanken. Nicht nur Fans, auch Sponsoren wendeten sich entsetzt vom bisherigen Saubermann ab.

Karabatic selbst beteuert bis heute seine Unschuld, den Vorwurf der Manipulation bestreitet er vehement. Er habe nach eigenen Angaben in besagtem Spiel im Mai 2012 nicht wie andere Mannschaftskameraden selbst Geld auf die Niederlage seines Teams gesetzt, sondern seine Freundin. Das wäre zwar "eine Dummheit" und eine disziplinarische Verfehlung gewesen, nicht aber kriminell.



"Die Anschuldigungen tun mir sehr weh. Mir vorzuwerfen, ich wäre ein Betrüger, mir vorzuwerfen, ich hätte ein Spiel verschoben, uns einfach so vor der Presse bloßzustellen, ist nicht hinnehmbar", hatte Karabatic damals wissen lassen. Er fühlte sich zu Unrecht geächtet, von den internationalen Medien verfolgt. Die Situation erlebte er als "verletzend und erniedrigend", beschrieb sie in einem Interview später als einen "wahren Alptraum".

Inzwischen ist Karabatic zumindest sportlich rehabilitiert. Von seinem Verein Montpellier wurde er Anfang November begnadigt, und auch in der französischen Nationalmannschaft, die zum Abschluss der Vorrunde am kommenden Freitag Gegner des deutschen Teams sein wird, mischt er wieder mit.

Um allerdings, wie Karabatic über sich selbst auf seiner Internetseite schreibt, wieder "der unbetrittene Botschafter des französischen Handballs und der Symbol-Spieler einer ganzen Generation" zu sein, bedarf es nicht nur einer weiteren Goldmedaille in Spanien. Noch immer droht ihm eine Anklage wegen Betrugs. sid

Stuttgart. Das Abenteuer WM beginnt für die deutschen Handballer mit Rätselraten. Nach dem 35:25 (19:12) am Mittwochabend gegen Rumänien zum Abschluss einer Serie von drei unbesiegten Spielen wissen weder Bundestrainer Martin Heuberger noch seine Spieler, wo sie stehen. "Uns fehlt eine richtige Standortbestimmung. Wie es genau aussieht, wo wir stehen in der Welt, das weiß niemand", sagte Spielmacher Michael Haaß.

Rumänien, seit langem nicht mehr in der Top-Liga des internationalen Handballs zu finden, war ein dankbarer Partner für die WM-Generalprobe, aber keinesfalls ein echter Prüfstein. "Der Gegner hat es zugelassen, dass wir hoch gewonnen haben. Aber wir dürfen mit dem Spiel nicht ganz zufrieden sein", sagte Abwehrchef Oliver Roggisch, der sich und die Defensivleistung des Teams kritisierte.

Auch Bundestrainer Martin Heuberger weiß, dass es gegen Brasilien auf eine höhere Qualität ankommen wird, als in den Spielen gegen Schweden (26:20, 28:28) und Rumänien. Für großen Optimismus sieht er daher keinen Grund. "Ich möchte acht Wochen zurückerinnern. Da hatten wir eine schmale Brust. Deshalb werden wir sicher nicht Flügel bekommen, weil wir eine ordentliche Vorbereitung gehabt haben", sagte er im Rückblick auf die EM-Qualifikation gegen Montenegro (27:31) und Israel (30:27).

Rumänien war keine Herausforderung. Die erwarten im deutschen Handball-Lager alle zuerst gegen Brasilien und dann gegen die weiteren Vorrundengegner Tunesien, Argentinien, Montenegro und Frankreich. Die Spieler fiebern dem Turnierbeginn entgegen. "Man kann immer sagen, man will 100 Prozent geben. Aber wenn es um Punkte geht, sind ein paar Prozent immer noch drin. Am Samstag geht die WM los, dann ist alles, was davor gewesen ist, egal", sagte Roggisch. dpa "So wie ich Nikola kenne, wird er es allen beweisen wollen."

Nationalspieler Dominik Klein

über den Franzosen Karabatic

Handball-WM

Vorrunde:

Gruppe A:

Deutschland - Brasilien Sa, 16.00 Uhr

Argentinien - Montenegro Sa, 18.15 Uhr

Frankreich - Tunesien Sa, 20.45 Uhr

Brasilien - Argentinien So, 15.00 Uhr

Tunesien - Deutschland So, 17.20 Uhr

Montenegro - Frankreich So, 19.30 Uhr

Gruppe B:

Mazedonien - Chile Sa, 15.45 Uhr

Island - Russland Sa, 18.00 Uhr

Dänemark - Katar Sa, 20.15 Uhr

Chile - Island So, 15.45 Uhr

Katar - Mazedonien So, 18.00 Uhr

Russland - Dänemark So, 20.15 Uhr

Gruppe C:

Serbien - Südkorea Sa, 15.45 Uhr

Slowenien - Saudi-Arabien Sa, 18.00 Uhr

Polen - Weißrussland Sa, 20.15 Uhr

Gruppe D:

Spanien - Algerien Fr, 19.00 Uhr

Kroatien - Australien Sa, 16.45 Uhr

Ungarn - Ägypten Sa, 19.00 Uhr

Dominik Klein (vorne) und Sven-Sören Christophersen bedanken sich bei den Fans in Stuttgart nach der geglückten WM-Generalprobe. Foto: Murat/dpa
Dominik Klein (vorne) und Sven-Sören Christophersen bedanken sich bei den Fans in Stuttgart nach der geglückten WM-Generalprobe. Foto: Murat/dpa