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Kann Rosberg den Spieß umdrehen?

Melbourne. An diesem Sonntag startet die Formel 1 mit dem Großen Preis von Australien in die Saison. Die Titelvergabe wird wohl erneut zu einem Zweikampf der Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg. Peter Wilhelm

Mitte des zweiten Trainings ließ der Titelverteidiger dann doch noch die Katze aus dem Sack: Nachdem sich Mercedes lange zurückgehalten hatte, fuhr Nico Rosberg am Freitag auf der 5,3 Kilometer langen Strecke von Melbourne in 1:27,697 Minuten die schnellste Zeit - eine Zehntelsekunde vor Stallrivale Lewis Hamilton . Sebastian Vettel folgte im Ferrari mit sieben Zehnteln Abstand. Der Rest war mehr als eine Sekunde distanziert. Niki Lauda , Team-Aufsichtsrat von Mercedes, warnt aber: "Die anderen sind näher gekommen. Wir werden kaum noch mal so viele Rennen gewinnen wie im Vorjahr."

Trotz der Einschätzung von Lauda scheint klar - der Titelkampf wird auch 2015 wieder ein Fall für zwei: Weltmeister Hamilton gegen Vize-Weltmeister Rosberg. Und damit wird der Stallzwist der beiden Mercedes-Fahrer in die nächste Runde gehen. "Es wird schwierige Momente geben, es ist unvermeidlich zwischen uns", ahnt Rosberg. Am Freitag hat er schon mal den ersten Nadelstich gesetzt. Aber kann der Wiesbadener den Spieß tatsächlich umdrehen?

Es gab erst drei Piloten, die nach einer Niederlage im WM-Kampf gegen den Stallrivalen im kommenden Jahr den Titel einfuhren: Juan-Manuel Fangio (1951), Denis Hulme (1967) und Alain Prost (1985 und 1989). Der ehemalige Formel-1-Pilot David Coulthard erklärt: "Rosberg hat erstmals um den Titel gekämpft. Er wird nun stärker sein, da er Erfahrung hat." Mercedes-Chef Toto Wolff verspricht: "Beide haben die gleichen Chancen, es gibt keine Nummer eins."

2014 hatte Rosberg den Rivalen in der Qualifikation über eine schnelle Runde überraschend häufig bezwungen. Ausgerechnet dort, wo es um Vollgas-Fahren ging, hatte der als "Kopfmensch" geltende Rosberg den Instinkt-Fahrer Hamilton abgehängt. Rosbergs Schwäche lag dann jedoch im Rennen - er gewann nur fünf Mal, sein Rivale elf Mal. "Hamilton ist beim Überholen aggressiver", sagt Lauda. Doch Rosberg glaubt: "Die Niederlage von 2014 gibt mir einen Extra-Schub, sie hat mich stärker gemacht."

Spannend ist auch, wie es hinter der Spitze zugeht. Bei den Tests lagen Ferrari , Williams und Red Bull Kopf an Kopf. Interessant: Bei Red Bull ist Design-Guru Adrian Newey nur noch als Berater tätig, dafür hilft nun der ehemalige Mercedes-Motorenchef Mario Illien dabei, den schlappen Renault-Antrieb ins Laufen zu bringen. Williams dürfte dank Mercedes-Motor ebenfalls wieder stark sein.


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Am RandeTrotz gerichtlicher Anordnung hat Ex-Testpilot Giedo van der Garde für den Sauber-Rennstall am Freitag nicht am Training zum Großen Preis von Australien teilgenommen. Der 29-Jährige kam nicht ins Fahrerlager, weil er die nötige Akkreditierung nicht hatte. Van der Garde ist im Moment auch nicht im Besitz einer Superlizenz, dem Formel-1-Führerschein. Dieser könnte ihm aber noch bis zur Qualifikation an diesem Samstag ausgestellt werden. sid