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Kampfansage vor dem Kongress

Wien. Heute tagt die Europäische Fußball-Union (Uefa) in Wien. Es geht um DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, die Wiederwahl von Uefa-Boss Michel Platini und um eine Positionierung gegen den Weltverband Fifa. Sid-Mitarbeiterjan Mies

Vor ihrer Machtdemonstration machten Europas Fußball-Bosse die Wiener Altstadt "unsicher", heute soll es dann für den Weltverband gefährlich werden. Der 39. Kongress der Europäischen Fußball-Union (Uefa) steht ganz im Zeichen der Fifa-Krise. Um an deren Beseitigung im Sinne der Uefa mitzuarbeiten, wird DFB-Chef Wolfgang Niersbach in die Regierung des Weltfußballs entsandt. Der 64-Jährige wird ohne Gegenkandidat ins Fifa-Exekutivkomitee gewählt. Seinen Dienst als Nachfolger des streitbaren Theo Zwanziger (siehe Hintergrund) tritt der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes im Sommer an - die Uefa-Hoffnung, dass dieses dann nicht von Joseph Blatter angeführt wird, ist präsent.

Platini vor Wiederwahl



"Ich habe ihm unter vier Augen gesagt, dass ein Wechsel besser wäre, auch für ihn persönlich", sagte Niersbach: "Wir können auch als DFB nicht zufrieden sein, wenn die Fifa kein gutes Image hat. Das zu ändern, ist nur mit einem Wechsel machbar. Man kann noch so viel an den Organigrammen ändern, letztlich hängt es an den handelnden Personen."

Die drei Blatter-Herausforderer werden in Wien ordentlich die Werbetrommel rühren. Michael van Praag (67), Prinz Ali bin Al Hussein (39) und Luis Figo (42) dürfen am Ende des Kongresses sprechen, viele Stimmen aus Europa haben sie eh sicher - eine echte Chance aber wohl nur, wenn es zur irgendeiner Form der Zusammenarbeit kommt mit nur noch einem starken Herausforderer. Blatter wird die 54 Uefa-Verbände zu Beginn begrüßen. Sicher mit der ein oder anderen Spitze gegen die größten Kritiker. "Europa hat das klare Signal gesetzt: Wir wollen einen Wechsel", sagte Niersbach: "Es wäre kein gutes Zeichen gewesen, wenn nur Blatter kandidiert hätte."

Signalwirkung wird der Kongress so oder so haben. Uefa-Präsident Michel Platini lässt sich in seine dritte Amtszeit bestätigen ("Ich habe mich entschieden, bei der Uefa zu bleiben, wo ich mich wohl fühle"), mit Sicherheit beeindruckende Finanzzahlen werden verkündet und die eigenen Verbände stark geredet. Bei der Uefa soll es keine Krisen geben - kein Winter-WM-Desaster, keine Korruption, keinen Allmächtigen an der Spitze.

Poker um WM-Startplätze

Die eigenen Beschlüsse hatte das Uefa-Exekutivkomitee am Sonntag überraschend schnell abgearbeitet, darunter auch eine Einigung mit Interessenvertretung europäischer Fußballvereine ECA über die Abstellungsgebühren, die von der Fifa zuletzt verdreifacht wurden. Es ging auch um den Poker um die WM-Startplätze - Europa will künftig einen mehr (bisher 13), Blatter verspricht im Wahlkampf gerne Afrika und Südamerika eine Aufstockung.

Entschieden wird das aller Voraussicht unmittelbar nach dem Fifa-Kongress, bei dem am 29. Mai die Präsidenten-Wahlen anstehen. Mit dabei im Exekutivkomitee ist dann Niersbach. "Vom Grundsatz ist das für eine Person kaum zu machen - 30 Termine im Jahr muss ich zusätzlich einplanen", sagte er: "Aber es gab in unserem Präsidium den klaren Wunsch, dass der Deutsche Fußball-Bund als mitgliederstärkster Verband durch mich in der Fifa repräsentiert wird."

Zum Thema:

HintergrundDer frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger ist von der Uefa für sein Verhalten in der Auseinandersetzung mit seinem Nachfolger Wolfgang Niersbach scharf kritisiert worden. "Das Exekutivkomitee ist traurig und verärgert über sein Benehmen", sagte Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino gestern: "Es ist peinlich für ihn und den deutschen Fußball." Zwanziger hatte die Vergütungsregelung von Niersbach mit dem DFB von der Fifa-Ethikkommission erfolglos untersuchen lassen. Dabei sei es ihm laut Infantino nur darum gegangen, Niersbach zu schaden. Seine Teilnahme am Uefa-Kongress in Wien hat Zwanziger abgesagt. dpa