Kampf um Tickets und viel Geld

Bietigheim. Dabei sein ist alles - das olympische Motto gilt ab morgen für die Eishockey-Nationalmannschaften. Denn in Sotschi dabei zu sein, könnte wichtiger kaum sein. Bei der Qualifikation für die Winterspiele 2014 geht es aber nicht nur um den Stellenwert der Sportart, sondern auch um viel Geld

Bietigheim. Dabei sein ist alles - das olympische Motto gilt ab morgen für die Eishockey-Nationalmannschaften. Denn in Sotschi dabei zu sein, könnte wichtiger kaum sein. Bei der Qualifikation für die Winterspiele 2014 geht es aber nicht nur um den Stellenwert der Sportart, sondern auch um viel Geld. "Wenn du bei Olympia nicht dabei bist, bist du keine richtige Sportart", sagt Franz Reindl, Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB): "Das hätte Auswirkungen auf die Fördergelder."Sollten die deutsche Auswahl des neuen Bundestrainers Pat Cortina in Bietigheim-Bissingen und das Frauenteam in Weiden nicht als Turniersieger ihre Tickets lösen, drohen erhebliche Einbußen für den ohnehin finanziell nicht auf Rosen gebetteten Verband. Die Grundförderung aus Mitteln des Bundesinnenministeriums (BMI) berechnet sich unter anderem aus der Anzahl der Olympia-Teilnahmen bei den letzten beiden Spielen.

Für den Verband hieße das im schlechtesten Fall: Nur noch die Männer-Teilnahme in Vancouver 2010 schlüge für die Förderung ab 2014 zu Buche. Bislang gingen drei Olympia-Teams in die Berechnung ein: 2006 in Turin hatten beide Nationalteams teilgenommen. 2011 hatte der Verband 383 000 Euro als Grundförderung erhalten, hinzu kamen 98 000 Euro als Projektförderung.

Die Verhandlungen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund über die künftige Verteilung der BMI-Mittel nach Sotschi dürften im Misserfolgs-Fall schwierig werden. Denn die Projektförderung richtet sich vor allem nach Medaillenpotenzialen. Im Eishockey sind die eher theoretisch.

Kürzungen würden "nur die Nachwuchsarbeit treffen", betont Reindl. Denn die Eishockey-Profis der A-Nationalmannschaft sind von der Förderung ausgeschlossen. Maßnahmen der U16- bis U20-Mannschaften müssten gestrichen werden, die sportlichen Perspektiven für künftige Olympische Spiele würden sich deutlich verschlechtern.

Seit der Umstellung der BMI-Förderung für die olympischen Verbände 2007 hat der DEB in den Jahren 2008 bis 2011 insgesamt 1,68 Millionen Euro erhalten (Angaben des Bundestages). Im vergangenen Jahr standen schon einmal Maßnahmen im Nachwuchsbereich auf der Kippe, weil der mit der Deutschen Eishockey Liga ausgehandelte Kooperationsvertrag monatelang nicht unterschrieben wurde. Die Zahlungen der Liga von 700 000 Euro jährlich stockten deshalb.

Sollte Cortinas Team in Bietigheim-Bissingen gegen die Niederlande, Italien und Österreich scheitern, dürfte es auch für die Finanzierung der A-Nationalmannschaft Probleme geben. "Die Olympia-Teilnahme ist für die Vermarktung sehr bedeutsam", sagt DEB-Präsident Uwe Harnos. Die aktuellen Verträge mit den Sponsoren, die bis 30. Juni 2014 laufen, sind davon zwar nicht betroffen. "Aber das Verhandeln für die Zukunft würde nicht leichter", sagt der DEB-Präsident: "Denn Olympia ist die große Bühne, da hast du weltweite Präsenz." Und: Noch nie hat das Eishockey-Männerteam ein Olympia-Turnier auf sportlichem Weg verpasst. sid

Auf einen Blick

Qualifikation für die Olympischen Spiele 2014 (nur der Gruppensieger ist für Sotschi qualifiziert):

Turnier der Männer in Bietigheim-Bissingen: Donnerstag: Österreich - Italien (16 Uhr), Deutschland - Niederlande (19.30 Uhr/Sport1); Freitag: Österreich - Niederlande (16 Uhr), Italien - Deutschland (19.30 Uhr/Sport1); Sonntag: Niederlande - Italien (11.45 Uhr), Deutschland - Österreich (15.15 Uhr/Sport1).

Turnier der Frauen in Weiden: Donnerstag: Kasachstan - Tschechien (16 Uhr), Deutschland - China (19.30 Uhr); Freitag: Kasachstan - China (16 Uhr), Tschechien - Deutschland (19.30 Uhr); Sonntag: China - Tschechien (14 Uhr), Deutschland - Kasachstan (17.30 Uhr). sid