Kampf um Akzeptanz

Eine Woche vor der Tour de France kämpft der deutsche Radsport weiter um eine breite Akzeptanz. Die Protagonisten sind zum Teil schon fast ratlos und wollen wie in den vergangenen Monaten schlicht mit Erfolgen überzeugen.

Tony Martin zuckte mit den Schultern. "Irgendwann", sagte der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister, "irgendwann kommt die Ratlosigkeit, was man eigentlich noch machen kann." Die 101. Tour de France (5. bis 27. Juli) steht vor der Tür, und die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender übertragen nicht. Die Protagonisten des deutschen Radsports kämpfen beständig um eine neue Chance - doch bislang wird sie ihnen nicht gewährt.

Dass die deutschen Straßenradmeisterschaften in Baunatal am Sonntag live im Hessischen Rundfunk zu sehen waren, wertete Klassikerspezialist John Degenkolb als positives Signal, auch wenn der Start deshalb schon um 9 Uhr morgens erfolgte. "Ich bin sehr dankbar und nehme dafür auch das frühe Aufstehen in Kauf", sagte der Paris-Roubaix-Zweite dieses Jahres.

Dennoch müssen Martin, Degenkolb, Marcel Kittel und Co. weiter auf den entscheidenden Durchbruch warten, ihre Siege und die konsequente Anti-Doping-Haltung haben die hartnäckigen Vorbehalte noch nicht verdrängt. Die dopingverseuchte Vergangenheit "hängt uns noch in den Kleidern", sagt Verbandspräsident Rudolf Scharping, er findet aber auch: "Die Zeit der Strafe und Buße sollte allmählich zu Ende gehen."

Die Entwicklung ist unterm Strich auch gar nicht so bescheiden, wie der 29-jährige Martin es empfindet. Immerhin hatte der viermalige Tour-de-France-Etappensieger Kittel eine Unterredung mit den Sportchefs der ARD . "Es war ein gutes Gespräch, ich hatte ein gutes Gefühl", sagte der 26-Jährige, und Degenkolb ergänzte: "Man darf keine Wunderdinge von einem Jahr aufs andere erwarten, man muss Geduld haben. Wir bewegen uns nach vorn, aber nicht so, wie wir vor Jahren die Schritte nach hinten gegangen sind." An ihrer Linie werden die besten deutschen Radprofis dennoch festhalten, sich nicht entmutigen lassen. "Uns bleibt nicht anderes übrig, als zu sagen, was wir denken, und einfach weiter Rennen zu gewinnen. Das sind die stärksten Argumente", sagte Kittel .

Und so bleibt das Klammern an das Prinzip Hoffnung - auf den Entscheidungswillen bei ARD und ZDF . Im September ist eine Erklärung zu erwarten. "Wir sind eine solide Sportart, die es verdient, gezeigt zu werden", betonte Martin. Scharping sieht die Möglichkeit, "dass wir nächstes Jahr besser dastehen". Bis dahin müssen sich Fans und Fahrer weiterhin mit den Tour-Übertragungen von Eurosport begnügen - die aber sind umfassend.