Kampf der Konzepte

Saarlouis. Es ist beileibe kein gewöhnliches Spitzenspiel. Wenn die HG Saarlouis an diesem Samstag (19.30 Uhr, Stadtgartenhalle) in der Handball-Regionalliga Südwest auf den SVH Kassel trifft, ist es ein Duell zweier grundverschiedener Konzepte

Saarlouis. Es ist beileibe kein gewöhnliches Spitzenspiel. Wenn die HG Saarlouis an diesem Samstag (19.30 Uhr, Stadtgartenhalle) in der Handball-Regionalliga Südwest auf den SVH Kassel trifft, ist es ein Duell zweier grundverschiedener Konzepte. Auf der einen Seite die HG Saarlouis, die seit nunmehr zweieinhalb Jahren an einer Mannschaft mit starker Identifikation zu Stadt und Bundesland bastelt. Auf der anderen Seiten der Aufsteiger aus Kassel, der mit einer ungemeinen Finanzkraft einen Profi-Kader zusammengestellt und vor der Saison den sofortigen Durchmarsch in die 2. Liga als Saisonziel proklamiert hat.

Dass Letzteres nicht so einfach umsetzbar ist, wie es auf dem Reißbrett erscheinen mag, hat der SVH Kassel zum Start der Runde schmerzlich erfahren. Alle drei Auswärtsspiele bisher hat das Team verloren: 27:31 in Gensungen, 23:34 in Haßloch, 32:35 in Pohlheim. Mit bereits sechs Minuspunkten und somit sechs Punkten Rückstand auf die HG Saarlouis und die HSG Gensungen dürfte die Partie am Samstag für Kassel praktisch die letzte Chance sein, selbst noch ins Titelrennen eingreifen zu können.

Dass das Abschneiden bisher - angesichts der unmissverständlichen Zielsetzung - nicht ohne Folgen geblieben ist, versteht sich fast von selbst. Wo auch immer der SVH Kassel auftaucht, kann er sich einer ordentlichen Portion Häme sicher sein. Und auch im Verein selbst, der vom Versicherungsunternehmen MEG unterstützt wird (der Etat soll dem Vernehmen nach über 500000 Euro liegen), hat es offensichtlich schon "gekracht". Sportdirektor Michael Kopeinigg hat vor zehn Tagen den Spieler Sead Kurtagic beurlaubt und weitere Schritte angekündigt.

Danijel Grgic (Foto: rup), Handball-Profi und Kopf der HG Saarlouis, verwundert das nicht: "Kassel hat die Mannschaft nicht akribisch zusammengestellt, sondern zusammengekauft. Aber eine Mannschaft kann nicht über Nacht zusammenwachsen." Trotzdem dürfe sich, so Grgic, keiner "von den bisherigen Ergebnissen blenden lassen". Das sieht auch HG-Trainer Christoph Barthel so: "Die haben eine hohe individuelle Klasse."

Am vergangenen Samstag hat der SVH Kassel dies unter Beweis gestellt - und die HF Untere Saar beim 42:22 (21:11) regelrecht aus der Halle geschossen. "Wenn die ins Laufen kommen, sind sie kaum noch zu bremsen", musste Berthold Kreuser, Trainer der HF Unteren Saar, anerkennen.

Und mit einem weiteren Profi dürfte das vermutlich noch schwerer werden. Unter der Woche hat der SVH Kassel Kreisläufer Nico Greiner, der zuvor drei Jahre für den Bundesligisten TuS Nettelstedt-Lübbecke gespielt hatte, verpflichtet. Greiner reiht sich ein die lange Liste erst- und zweitliga-erfahrener Spieler. Allein im Sommer verpflichtete Kassel Alexander Koke (Bayer Dormagen), Matthias Aschenbroich (ASV Hamm), Marco Stange (HC Empor Rostock), Andre Lohrbach (TBV Lemgo) und Faruk Tataraga (Katar).

Die Namen des Gegners sind Danijel Grgic, der wegen einer Knöchelblessur am Mittwoch im DHB-Pokal gegen Düsseldorf (30:36) geschont wurde, aber am Samstag auflaufen wird, im Grunde gleichgültig. Er vertraue seiner Mannschaft, seinem Trainer, dem Verein und den Fans, versichert Grgic: "Wir sind nicht umsonst erst Dritter und im Vorjahr Zweiter geworden. Wir haben zwei Jahre lang Erfahrung im Aufstiegskampf gesammelt, das wird sich auszahlen." Alle, betont Grgic, seien jetzt reif für den nächsten Schritt, den Titelgewinn, für den die Mannschaft Woche für Woche, Spiel für Spiel kämpfen werde. Mit Teamgeist und Leidenschaft. Zwei Attribute, die die Profimannschaft des SVH Kassel am Samstagabend durchaus in die Knie zwingen könnten. "Eine Mannschaft kann nicht über Nacht zusammen-

wachsen."

Danijel Grgic,

HG Saarlouis

Hintergrund

Nach dem erfolgreichen Comeback von Christian Kühn und Pascal Simon am Mittwoch im DHB-Pokalspiel gegen die HSG Düsseldorf wird der Handball-Regionalligist HG Saarlouis am Samstag gegen den SVH Kassel erstmals in dieser Saison mit dem kompletten Aufgebot antreten. "Es wird schnell vergessen, dass wir in den ersten Spielen große Personalprobleme hatten und trotzdem mit 12:0 Punkten gestartet sind", sagt Trainer Christoph Barthel. Insbesondere von Rückraumschütze Kühn erhofft sich Barthel eine Entlastung der Stammformation. kai