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Wimbledon: Kämpferherz reicht nicht für das Viertelfinale

Wimbledon : Kämpferherz reicht nicht für das Viertelfinale

Angelique Kerber erinnert im Achtelfinale von Wimbledon an ihre alten Stärken. Trotzdem scheidet die Kielerin aus.

Angelique Kerber spielte wie ausgewechselt. Sie kämpfte, konterte und griff an. Zum ersten Mal seit Monaten erinnerte sie wieder an die Spielerin, die im vergangenen Jahr die Tenniswelt erobert hatte, und verließ doch als Geschlagene den Platz. Nach dem 6:4, 4:6, 4:6 gegen Garbine Muguruza platzten nicht nur Kerbers Wimbledon-Träume. Auch ihren Platz auf dem Tennis-Thron wird sie kommende Woche räumen müssen.

„Natürlich bin ich noch enttäuscht. Das wird auch noch ein paar Tage dauern“, sagte Kerber anderthalb Stunden nach dem Match: „Aber ich kann Wimbledon trotzdem mit einem guten Gefühl verlassen. Ich wollte mein Herz auf dem Platz lassen. Und das habe ich getan.“ Vorwürfe machen musste sie sich keine, in einem hochklassigen Achtelfinale über 2:20 Stunden fehlten der Kielerin nur wenige Punkte zum bislang größten Saisonsieg. „Es war mein bestes Spiel seit langem“, sagte sie.

Kerber hatte die frühere Finalistin aus Spanien, die bis dato im Turnierverlauf keinen Satz abgegeben hatte, an den Rand der Niederlage gebracht, schubste Muguruza jedoch nicht hinunter. „Angie hat extrem gut gekämpft, nach einem herausragenden Spiel die Belohnung aber verpasst“, sagte Bundestrainerin Barbara Rittner.

Dass Kerber überhaupt wieder in die Nähe des Viertelfinals kam, war vor dem Match nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Bei ihren drei Zittersiegen zuvor hatte sie allenfalls kämpferisch überzeugt. Zudem hatte sie die letzten vier Matches gegen Muguruza allesamt verloren. Angst besaß sie deswegen nicht vor ihrer Gegnerin. Kerber traute sich sogar immer wieder, ihre Komfortzone hinter der Grundlinie zu verlassen und in die Offensive überzugehen.

Ihr gesamtes Auftreten erinnerte an ihre herausragenden Matches aus dem vergangenen Jahr, als sie erst im Finale von der großen Serena Williams (USA) gestoppt worden war. Nichts mehr zu sehen war von der zaghaften Kerber, die nach ihrem Traumjahr 2016 jegliches Selbstvertrauen verloren hatte.

Der Comeback-Sieg in der dritten Runde am Samstag hatte ihr offensichtlich Auftrieb verliehen. „Vielleicht“, hatte sie nach dem Erfolg über Shelby Rogers (USA) gesagt, „ist das der Wendepunkt“. Das „Kämpferherz“ sei zurück, allerdings fehlten der Olympiazweiten in der ersten Wimbledon-Woche trotz ihrer Erfolge die Überzeugung und damit der spielerische Glanz.

Das änderte sich ab dem ersten Ballwechsel gegen Muguruza. Ganze zwei Fehler produzierte Kerber im ersten Durchgang, dem mit weitem Abstand besten in ihrer gesamten Saison. Muguruza griff an, Kerber konterte - und die Zuschauer auf Court 2, dem drittgrößten Platz der Anlage, waren froh, keine teureren Ticktes für den Centre Court oder Court 1 gekauft zu haben.

Im zweiten Durchgang vergab Kerber früh zwei Chancen zum Break, allerdings konnte sie sich kaum etwas vorwerfen, Muguruza hatte den Kampf längst angenommen. Kerbers erster Aufschlagverlust der Partie führte zum Satzausgleich. Im dritten erlebten beide Spielerinnen ein Auf und Ab: Kerber führte jeweils mit einem Break Vorsprung 2:0 und 3:2, vergab jedoch vier Chancen zum 4:3. Muguruza hatte das Momentum nun endgültig auf ihrer Seite.

Am kommenden Montag fällt Kerber auf den dritten Platz der Damen-Weltrangliste zurück, entweder Simona Halep (Rumänien) oder Karolina Pliskova (Tschechien) übernehmen die Führung. Kerber wird den Verlust nach insgesamt 34 Wochen an der Spitze verschmerzen können. Sie hat in Wimbledon bewiesen, dass es endlich wieder aufwärts geht – trotz ihres Ausscheidens im Achtelfinale.