"Jürgen Luginger wird im Winter zwei Spieler holen können"

Saarbrücken. Seit 21. Oktober ist Paul Borgard Präsident des 1. FC Saarbrücken. Seither hat sich der 62-Jährige aus Herrensohr einen Überblick über den Club verschafft. "Der FCS hat noch Strukturen wie ein Amateurverein", so seine Einschätzung

 Paul Borgard, seit 21. Oktober FCS-Präsident, konnte sich bisher erst einen kleinen Überblick über den Verein verschaffen. Foto: b & b

Paul Borgard, seit 21. Oktober FCS-Präsident, konnte sich bisher erst einen kleinen Überblick über den Verein verschaffen. Foto: b & b

Saarbrücken. Seit 21. Oktober ist Paul Borgard Präsident des 1. FC Saarbrücken. Seither hat sich der 62-Jährige aus Herrensohr einen Überblick über den Club verschafft. "Der FCS hat noch Strukturen wie ein Amateurverein", so seine Einschätzung. Zum Redaktionsgespräch bei der Saarbrücker Zeitung gestern hatte der Ex-Sportdezernent der Stadt Saarbrücken auch eine positive Aussage mitgebracht: "Trainer Jürgen Luginger wird im Winter zwei Spieler holen können. Das wurde bei der Präsidiumssitzung am Dienstagabend beschlossen." Für welche Positionen, das müsse die sportliche Leitung des Fußball-Drittligisten entscheiden: "Ich werde mich nicht in Dinge einmischen, von denen ich zu wenig Ahnung habe."

Der Trainerdiskussion nach der Talfahrt mit neun Spielen ohne Sieg entzog der neue Vereinschef des Aufsteigers die Basis: "Die Frage nach dem Trainer hat sich für mich nie gestellt - und darin ist sich das Präsidium einig". Gleiches gelte für Frauen-Trainer Stefan Fröhlich. Heute will der Präsident im Training vorbeischauen, um über die Lage beim Frauen-Bundesligisten zu reden. "Mir ist es wichtig, dass die Frauen-Abteilung nicht als unnötiges Anhängsel angesehen wird", betont Borgard: "Daher fand ich die Aussagen von Schatzmeister Dieter Weller bei der Mitgliederversammlung nicht glücklich." Weller hatte die Abteilung vor der Abspaltung gewarnt, aber Leistungen auf dem Platz gefordert, die dem 716 000 Euro hohen Etat entsprechen. Daraufhin hatte es Unklarheit darüber gegeben, wie hoch der Frauen-Etat ist. Borgard sagte nun, die Summe stimme.

In den vergangenen vier Wochen hat Borgard nach eigener Aussage viele Gespräche geführt. Allen voran mit Saar-Sportministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, aber auch mit Vertretern der Wirtschaft. Viele hätten Unterstützung zugesagt. "Die Menschen müssen sagen, es lohnt sich, sich für diesen Verein einzusetzen", sieht er eine Hauptaufgabe in der Imageverbesserung des FCS. So hielt er das Vorgehen seines Vorgängers Horst Hinschberger gegen Bayern München für "nicht so sinnvoll". Dieser zerrte den Rekordmeister 2009 wegen des Einsatzes eines nicht spielberechtigten Akteurs in dessen Regionalliga-Elf vor Gericht, um Schadenersatz zu erstreiten. Vergeblich. Borgard will "das Verhältnis zu dem deutschen Premium-Verein wieder auf eine gesunde Basis stellen". Vielleicht käme der FCB mal wieder zu einem Spiel - so wie Schalke 04 im Vorjahr. "Die Rudi-Kappés-Stiftung hat nun eine Summe erhalten, ob dies alles ist, entzieht sich noch meiner Kenntnis", sagt Borgard: "Ich habe Stiftungschef Michael Arnold ein weiteres Spiel versprochen." Beim Schalke-Spiel gab's Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung (wir berichteten).

Messen lassen muss sich der neue Präsident an der angekündigten Verbesserung der Infrastruktur - sprich Stadionneubau. "Jede Aussage zum Stadion, die derzeit nicht getroffen wird, ist eine gute Aussage", will er Ruhe an dieser Front. "Saarbrücken ist in Sachen Infrastruktur tiefste Provinz", erklärt der Ex-Sicherheitsdezernent der Stadt: "Wenn es konkrete Pläne gibt und klar ist, wie viel Stadt, Land und Verein stemmen müssen, dann müssen wir die Menschen im Land mitnehmen. Wir müssen erklären, dass ein neues Stadion nicht nur für den FCS wichtig ist. Es ist eine Investition, damit das Saarland nicht noch weiter hinter andere Bundesländer zurückfällt." Borgard will für diese Investition, die nicht unter 30 Millionen Euro liegen wird, auch bei den Nachbarn in Elversberg, Neunkirchen und Homburg um Zustimmung werben. Mehr Zuspruch erhofft er sich auch bei den Zuschauern, auch wenn es nicht so gut läuft: "Die, die heute kommen, müsste man per Handschlag begrüßen."

Doch der Verein sei auf dem richtigen Weg, glaubt Borgard: "Denn der FCS ist in Deutschland immer noch ein Name." Und der Gesamtverein 1. FC Saarbrücken sei gesund.