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Josef Frank und sein "Gaul"

Josef Frank und sein "Gaul"

Lauterbach. Wenn sich morgens der Nebel gelichtet hat, setzt Josef Frank seine Schirmmütze auf, streift die Lederjacke über und steigt aufs Rad. Jeden Tag fährt er 20 bis 30 Kilometer auf seinem silbernen "Drahtesel" - bei "Wind und Wetter", auch an trüben Wintertagen. Außer samstags

Lauterbach. Wenn sich morgens der Nebel gelichtet hat, setzt Josef Frank seine Schirmmütze auf, streift die Lederjacke über und steigt aufs Rad. Jeden Tag fährt er 20 bis 30 Kilometer auf seinem silbernen "Drahtesel" - bei "Wind und Wetter", auch an trüben Wintertagen. Außer samstags. "Da gehe ich schwimmen", erklärt Frank und lacht - der vitale Sportler ist 88 Jahre alt.

Dabei hat sich der Lauterbacher seine beachtliche Kondition erst im fortgeschrittenen Alter zugelegt. "Richtig angefangen mit dem Radfahren habe ich vor 16 Jahren", verrät der Rentner vergnügt. Ein Jahrzehnt zuvor war der selbstständige Metzgermeister in Pension gegangen und hatte zum Zeitvertreib mit dem Blumenzüchten begonnen. "Geranien, im Treibhaus hinten in unserem Garten", erzählt der Hobby-Gärtner. Doch nach dem Tod seiner Frau suchte Josef Frank ein dynamischere Beschäftigung - und sattelte mit 72 Jahren "meinen Gaul", wie er sein Fahrrad augenzwinkernd nennt.

Seitdem hat der 88-Jährige schon etliche tausend Kilometer hinter sich gelassen - allein "2725 Kilometer seit Mai dieses Jahres", berichtet Frank und zeigt stolz auf den Kilometerzähler an seinem Lenker. "Als ich 80 war, bin ich am weitesten gefahren", erinnert sich der Senior, "größere Touren, am Saarkanal entlang bis nach Saargemünd, oder auch mal nach Saarlouis." Bis zu 100 Kilometer legte er bei einem Ausflug zurück; dabei blieb Frank aber immer in der Region, denn "hier fahre ich am liebsten", bekräftigt er.

Dabei stammt Josef Frank ursprünglich gar nicht aus den Saarland, sondern "aus Oberleutensdorf im Sudetenland". Dort war er schon in seiner Jugend sportlich aktiv, turnte im Verein und lief leidenschaftlich gern Ski - eines der wenigen Dinge, die er in seiner neuen Heimat vermisst. "Hier im Saarland geht das ja leider nicht so gut", bedauert Frank. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschlug es ihn ins Saarland, wo er sich eine neue Existenz aufbaute und Metzgergehilfe wurde. "Bis ich mir in Völklingen meine eigenes Geschäft aufgebaut habe", berichtet der Lauterbacher stolz.

Aus dieser Zeit stammt auch seine Liebe zum Schwimmen - denn "das Völklinger Stadtbad wurde direkt neben meiner Metzgerei gebaut", erklärt Josef Frank. "Wir sind dort oft mit der ganzen Familie hingegangen." Das wöchentliche Schwimmen ist ihm auch heute noch sehr wichtig: "Es ist gesünder als Radfahren und belastet nicht so stark", weiß der rüstige Sportler. "Vor allem, weil ich seit drei Jahren einen Herzschrittmacher habe." Der hält ihn aber nicht von seinem täglichen Fitness-Programm ab. "Auch wenn ich in letzter Zeit etwas abgebaut habe: Ich bin immer in Bewegung", betont der passionierte Radfahrer lachend. Und das, obwohl er auch schon Stürze verkraften musste: "Die sind bis jetzt aber alle glimpflich verlaufen", wiegelt Frank ab. "Ich will auf jeden Fall so lange weitermachen, wie's geht. Kraft in den Beinen habe ich ja noch."

Damit auch sein Fahrrad solange mithält, hat der 88-Jährige zu seinem letzten Geburtstag übrigens ein ganz besonderes Geschenk bekommen: "Meine vier Kinder haben zusammengelegt und mir eine neue Luftpumpe geschenkt", freut er sich und weist stolz das Spezial-Gerät vor. Seine Reifen sind also für die nächsten Kilometer bestens gerüstet - und so fest, wie Josef Frank in die Pedale tritt, geht ihm die Luft bestimmt so schnell nicht aus. "Auch wenn ich in letzter Zeit etwas abgebaut habe: Ich bin immer in Bewegung."

Josef Frank (88)

Auf einen Blick

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