Jerome Müller reift in Ludwigshafen heran zu einer Bundesliga-Größe

Kostenpflichtiger Inhalt: Handball : Müller reift zur Bundesliga-Größe heran

Der Handballer aus Werschweiler ist bei den Eulen Ludwigshafen inzwischen Leistungsträger. Sein Vertrag läuft aus.

Gebannt blickt er aufs Spielfeld. Die letzte Aktion des Spiels verfolgt er von der Bank aus. Die Hallenuhr steht bei 60:00 Minuten. Spielstand 24:23 für die Eulen Ludwigshafen gegen Göppingen. Noch ein letzter Freiwurf für den Gegner. Der Torwart hält, und Jerome Müller versinkt in der jubelnden Spielertraube. Für sein Team sind es im letzten Spiel vor der EM-Pause zwei wichtige Punkte im Abstiegskampf – und Müller hatte im rechten Rückraum großen Anteil daran.

Ein ums andere Mal hatte Müller die Abwehr der Schwaben genarrt und mit acht Toren eine neue persönliche Bestmarke in der Bundesliga aufgestellt. „Heute war definitiv eins meiner besseren Spiele in der Bundesliga“, sagt der 23-Jährige aus Werschweiler bei St. Wendel. Ungeachtet des positiven Jahresabschlusses bekommt man schnell den Eindruck, hier fühlt sich jemand wohl. „Es macht sehr viel Spaß, hier Handball zu spielen“, erzählt Müller.

Mit dem Handball hatte er bei der HSG Nordsaar begonnen und war nach sechs Jahren beim SV 64 Zweibrücken 2015 in die 2. Bundesliga nach Saarlouis gewechselt. Der Schritt vor anderthalb Jahren raus aus dem Saarland nach Ludwigshafen sei ihm nicht allzu schwer gefallen. „Ich hatte bereits in der Saarlouiser Zeit eine eigene Wohnung, daher war es sozusagen ein schrittweiser Prozess. Außerdem bin ich von den Jungs hier super aufgenommen worden“, berichtet der Linkshänder über seinen neuen Lebensmittelpunkt Ludwigshafen: „Natürlich hatte ich riesigen Respekt vor der Bundesliga. Nicht umsonst wird sie die stärkste Liga der Welt genannt.“

Nicht nur der Start, sondern auch das Ende seiner ersten Bundesliga-Saison war für Müller von Erfolg gekrönt. Am letzten Spieltag gelang den Eulen in allerletzter Sekunde mit einem Tor Vorsprung der sensationelle Klassenverbleib. „Ich konnte verletzungsbedingt leider nicht spielen, aber die Stimmung in der Halle war unfassbar. So die Bundesliga zu halten, ist unglaublich. Das war bisher das Highlight meiner Karriere“, sagt Müller, der in seiner ersten Bundesliga-Spielzeit 110 Tore erzielte. Auch sein zweites Jahr läuft für ihn mit bisher 78 Toren in 20 Spielen sehr gut. „Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass ich so in der Bundesliga mitspielen kann, dann hätte ich selbst das wohl am wenigsten geglaubt“, sagt er lachend. Sein Trainer Ben Matschke ist zufrieden mit Müller: „Jerome übernimmt immer mehr Verantwortung und entwickelt sich auch in der Deckung weiter. Er muss weiter viel Spielpraxis sammeln, um den nächsten Schritt zu gehen, aber ich traue ihm das zu.“

Diese Fortschritte werden auch in der Handball-Welt registriert. So wurde Müller im Dezember nach einer Fanabstimmung vom Fernsehsender Sky mit dem „Kretzsche des Monats“ für November ausgezeichnet. Einem Preis, der in Anlehnung an die deutsche Handball-Ikone Stefan Kretzschmar verliehen wird. „Die Unterstützung aus der Heimat war riesig. Und es macht mich ein Stück weit stolz, dass meine Leistungen anerkannt werden“, sagt Müller.

Die Verbindungen ins Saarland seien ihm wichtig – und auch nach wie vor vorhanden, wie sein Besuch und Mitwirken beim Legenden-Spiel vor Weihnachten in Erbach gezeigt hat. „Der Kontakt ist nie verloren gegangen“, erzählt Müller, dessen sportliche Zukunft nach der Saison offen ist, denn sein Vertrag in Ludwigshafen läuft aus. Die Frage, ob die Eulen auch im nächsten Jahr in der Bundesliga spielen werden, wird sicher eine Rolle spielen.

Müller will die Ligapause während der EM nutzen, um den Kopf freizubekommen und sich zu erholen. Angesprochen auf die Nationalmannschaft sagt er: „Natürlich ist das ein riesengroßer Traum. Aber ich weiß auch, dass die Konkurrenz im rechten Rückraum sehr groß ist.“

Im EM-Kader des DHB-Teams stehen nach einigen verletzungsbedingten Absagen aktuell der Melsunger Kai Häfner und der Stuttgarter David Schmidt. Angesichts seiner Entwicklung scheint es nicht ausgeschlossen, dass auch Müller diese Ehre irgendwann zuteil wird.