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Neustart bei den Saarland Hurricanes
„Jede Woche werden wir aufs Neue lospeitschen“

Cheftrainer Joe Sturdivant (links) und der sportliche Leiter Christoph Szepat werden künftig die Geschicke bei den Saarland Hurricanes leiten.
Cheftrainer Joe Sturdivant (links) und der sportliche Leiter Christoph Szepat werden künftig die Geschicke bei den Saarland Hurricanes leiten. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Der US-Amerikaner Joe Sturdivant ist der neue Cheftrainer der Saarland Hurricanes. Der 32-Jährige hat einen unbefristeten Vertrag unterschrieben. Jonas Grethel

Irgendwie konnte man es an den Gesichtern der Spieler ablesen, dass ab jetzt ein neuer Wind weht. Allzu begeistert sahen die knapp 30 Footballer der Saarland Hurricanes nämlich nicht aus, als ihnen der Trainer für die kommenden Jahre vorgestellt wurde – und direkt zum Rundumschlag ausholte. „Ich habe gehört, dass es hier in den vergangenen Jahren an der Disziplin gemangelt hat. Das werden wir korrigieren“, sagte Joe Sturdivant, 32 Jahre alt und ab der kommenden Saison Cheftrainer beim Football-Zweitligisten, fast schon drohend: „Ich bin euer Trainer, nicht euer Kumpel. Ab heute gelten keine Ausreden mehr.“



Gut zwei Monate ist es jetzt her, dass die Hurricanes nach einem turbulenten Jahr überraschend den Gang in die 2. Liga antreten mussten. 2016 hatten die Saarländer unter Trainer Tom Smythe noch die beste Saison der Vereinsgeschichte gespielt, gingen als sicherer Playoff-Anwärter in die Spielzeit 2017 – ein Trainerwechsel mitten in der Runde zu Felix Motzki blieb erfolglos. Sang- und klanglos stiegen die Hurricanes aus der 1. Liga ab.

Am Dienstagabend stellte nun die Führungsebene der Hurricanes um Präsident Tobias Bagusche, Geschäftsführer Torsten Reif sowie den neuen sportlichen Leiter Christoph Szepat die Planung für die kommenden Jahre vor – bei der die Präsentation des Trainers im Mittelpunkt stand. „Joe hat uns überzeugt“, sagte Szepat: „Bei ihm war es das Gesamtpaket. Er wird dauerhaft im Saarland wohnen, steht für die Entwicklung junger Spieler, ist selbst jung und hat trotzdem Erfahrung. Wir haben ihn geholt, um den Verein langfristig weiterzuentwickeln.“

Sturdivants Euphorie war nicht nur während seiner gut 20-minütigen Rede erkennbar, die zwischen emotional („Es ist ein großer Segen, dass ich ein Teil der Hurricanes-Familie sein darf“) und martialisch („Wenn ihr für mich spielt, ist es, als würdet ihr aufs Schlachtfeld ziehen“) alles zu bieten hatte. Auch die Tatsache, dass der Football-Lehrer aus dem US-Bundesstaat Georgia sein Haus in Lilburn verkauft hat und mitsamt Frau Virginia und Sohn Bear ins Saarland ziehen wird, zeugt vom Engagement für den neuen Verein, bei dem Sturdivant einen unbefristeten Vertrag unterschrieben hat. „Wir sind der Hurrikan“, sagte der Amerikaner: „Jede Woche werden wir aufs Neue lospeitschen, uns verbessern und unsere Gegner bezwingen – das ist meine Art, Football zu spielen.“

Ein Blick auf Sturdivants bisherige Spielerkarriere lässt den frischgebackenen Zweitligisten nun auf eine glorreiche Zukunft hoffen. Angefangen auf der heimischen High School gewann er in fünf Jahren fünf staatsweite Titel, landete anschließend erst im österreichischen Hohenems, später als Spielertrainer bei den sizilianischen Catania Elephants, ehe er sich dem deutschen Bundesligisten Marburg Mercaneries als Cheftrainer anschloss, der unter Sturdivant stets auf den ersten beiden Tabellenplätzen stand. Nach einer weiteren Station beim wahrscheinlich besten Football-Internat der USA, der IGM Academy, und einer katholischen High School in Florida war es jetzt an der Zeit, einen Neuanfang in Europa zu wagen.



Zunächst fliegt der Trainer aber wieder zurück in die Heimat. Bis Februar leitet Christoph Szepat die Geschicke an der Seitenlinie. Er hat am Dienstag gleichzeitig Details über die Kaderplanung für die kommende Saison bekannt gegeben. So werden die Amerikaner Lamar Hall und Marcus Richardson im Verein bleiben, der wohl beste Spieler der vergangenen Saison, Charles Clay, kehrt nach seinem Kreuzbandriss zurück in die Heimat. Dafür sollen noch drei weitere Spieler aus Übersee dazukommen – ein Quarterback, der das derzeit verletzte Eigengewächs Alexander Haupert unterstützen soll, sowie zwei Defensiv-Spieler, die eine Führungsrolle in der schwächelnden Verteidigung übernehmen werden.

„Wir haben noch einiges zu tun – die Verpflichtung eines Trainers ist die halbe Miete. Das Drumherum zu organisieren, ist mindestens genauso wichtig“, sagte Szepat, der seit 1998 im Verein ist, bis 2015 als Spieler aktiv war und jetzt die sportlichen Geschicke der ersten Mannschaft leiten soll. Neben ihm und Sturdivant ist Joe Roman der dritte neue Mann im Bunde – der 75-Jährige aus Chicago ist neuer Defensiv-Koordinator und mit seiner Erfahrung von über 200 Spielen in Europa das perfekte Gegenstück zum jungen und enthusiastischen Sturdivant, so Szepat.