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Jann war mehr als ein Notnagel

St. Ingbert. Wenn die Handballer der SGH St. Ingbert an diesem Samstag ihr letztes Saisonspiel der Oberliga RPS gegen UVS Rheintal bestreiten (Anpfiff 19.30 Uhr in der Ingobertushalle), wird Roland Jann zusammen mit seiner Frau irgendwo in Ägypten im wohlverdienten Urlaub zumindest gedanklich bei seinen Jungs sein Von SZ-Redakteur Klaus Kalsch

St. Ingbert. Wenn die Handballer der SGH St. Ingbert an diesem Samstag ihr letztes Saisonspiel der Oberliga RPS gegen UVS Rheintal bestreiten (Anpfiff 19.30 Uhr in der Ingobertushalle), wird Roland Jann zusammen mit seiner Frau irgendwo in Ägypten im wohlverdienten Urlaub zumindest gedanklich bei seinen Jungs sein. Sein letztes Spiel als Trainer der SGH hatte der 42-Jährige Ex-Bundesligaspieler beim 34:29-Auswärtssieg in Osthofen gemacht. Und damit einen Schluss-Strich unter eine auch für ihn turbulente Saison gezogen, in der bis letztes Wochenende sogar um den Klassenverbleib gezittert werden musste. "Schwamm drüber", sagt Roland Jann im Rückblick, "ist ja noch mal gut gegangen." Dass es so eng werden könnte, hatte auch Roland Jann bei seinem Dienstantritt bei der SGH auch nicht ahnen können. Eigentlich war der Ex-Bundesligaspieler als Spieler gekommen, "um, wenn notwendig, vor allem die Abwehr zu verstärken."



Die Saison unter dem neuen Trainer Thomas Bonerz begann wunschgemäß mit drei Siegen nach überzeugenden Leistungen. Als dann nach einer Negativserie und blamablen Vorstellungen schnell klar wurde, dass die Chemie zwischen Bonerz und seiner Mannschaft nicht stimmte, war Ende Oktober plötzlich Roland Jann der sportlich Verantwortliche. "Ich bin dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind", erzählt Jann. "Abgemacht war zunächst bis Weihnachten, dann habe ich mich trotzdem breit schlagen lassen, bis zum Saisonende weiter zu machen." Dies deshalb, weil er dem neuen Trainer für die neue Saison, Christian Schöller, "eine gute Basis" hinterlassen wollte. Jann gibt aber auch zu, "dass ich mich zwischendurch schon mal gefragt habe, warum ich mir dieses Himmelfahrts-Kommando überhaupt antue."

Sagt aber im gleichen Atemzug, "dass ich es der Jungs wegen getan habe, trotz aller bitteren Enttäuschungen, die sie mir immer wieder bereitet haben. Das sind nämlich alles prima Kerle." Würde er so was unter ähnlichen Bedingungen noch mal auf sich nehmen? Das "Nein" kommt prompt und deutlich. Und die Begründung genau so klar hinterher: "Als Trainer muss man auch schon mal ein Arschloch sein, das ist nichts für den Gutmensch Roland Jann." Der muss auch nicht lange überlegen, wenn er auf seinen größten Fehler zu sprechen kommt. "Nachdem ich gegen Zweibrücken die Grüne Karte zur Auszeit zum unmöglichsten Zeitpunkt geworfen hatte, wäre ich am liebsten im Boden versunken."

Und die größte Freude? "Das waren die beiden letzten Siege gegen Dansenberg und Osthofen." Da habe sich nämlich gezeigt, "dass wir doch eine echte Mannschaft mit guten Charakteren haben. Da war ich echt stolz." Deshalb ist Jann auch sicher, dass es unter dem neuen "Top-Trainer" Christian Schöller und "mit entsprechenden Verstärkungen weiter aufwärts geht, wenn man die nötige Geduld aufbringt." Von Seiten des Vereins kommt höchste Anerkennung für die Arbeit des Not-Trainers. "Roland hat sich in wahrlich nicht leichten Zeiten ohne zu klagen in den Dienst des Vereins und der Mannschaft gestellt. Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet", sagt etwa der Abteilungsleiter der SGH, Klaus Weiland.

Und Spielführer Michael Deckert: "Wir ziehen den Hut vor ihm." Eine weitere Freude kann die Mannschaft ihrem Ex-Trainer an diesem Samstag gegen Rheintal bereiten. Auf der Bank wird der Bayer vertreten durch Mirko Schwarz. Und Roland Jann wird in Ägypten mitzittern. "Wir Spieler ziehen den Hut vor Roland Jann."



SGH-Spielführer

Michael Deckert