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Rugby
Jahrhundert-Chance im Urlaubsparadies

Der deutsche Rugby-Nationaltrainer Jacobus Potgieter (Mitte) könnte mit seiner Mannschaft Historisches schaffen.
Der deutsche Rugby-Nationaltrainer Jacobus Potgieter (Mitte) könnte mit seiner Mannschaft Historisches schaffen. FOTO: imago/Kessler-Sportfotografie / Juergen Kessler
Apia/Frankfurt. Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft könnte sich mit einem Sieg gegen Samoa erstmals für eine Weltmeisterschaft qualifizieren.

Der Regenbogen am Horizont wirkte schon fast ein wenig zu kitschig. Schließlich war die Kulisse für den kurzen Badeausflug von Deutschlands Rugby-Nationalspielern auch so paradiesisch genug. Um die 35-stündige Anreise nach Samoa aus den Knochen zu bekommen, spannten die deutschen Asse vor dem Playoff-Hinspiel der WM-Qualifikation an einem der zahlreichen Traumstrände des pazifischen Inselstaats aus.


Allzu große Urlaubsgefühle kamen dabei allerdings nicht auf, dafür geht es an diesem Samstag (4.10 Uhr MESZ) um zu viel. Denn der Auswahl des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV) bietet sich in den Relegationsspielen gegen den siebenmaligen Weltmeisterschafts-Teilnehmer die erste von gleich zwei „Jahrhundertchancen“. Setzt man sich in den zwei Duellen gegen die Rugby-verrückten Samoaner durch, ist Deutschland 2019 in Japan zum ersten Mal überhaupt bei einer WM-Endrunde mit dabei.

Wenn nicht, bietet sich bei einem Viererturnier Ende des Jahres sogar noch eine weitere Gelegenheit – vermutlich sogar die etwas größere. Schließlich ist die deutsche Mannschaft gegen Samoa krasser Außenseiter. Auf der Pazifik-Insel mit rund 200 000 Einwohnern ist Rugby Nationalsport und wird fast wie eine Religion gelebt. Zweimal stand „Manu Samoa“, so der Spitzname der Mannschaft, bereits in einem WM-Viertelfinale. „Es wird sehr schwer, aber an einem guten Tag ist alles möglich“, gibt sich Trainer Jacobus Potgieter, der zurzeit gemeinsam mit Pablo Lemoine das deutsche Team betreut, deshalb auch nur vorsichtig optimistisch.



Zumindest ein wenig Hoffnung macht allerdings, dass die samoanische Mannschaft derzeit in einer ausgewachsenen Krise steckt. Seit November 2016 hat das Team nicht mehr gewonnen, vor allem die jüngsten Pleiten gegen die Erzrivalen Tonga und Fidschi schmerzten die Volksseele der stolzen Insulaner spürbar. „Ihr habt die letzten zehn Spiele verloren“, wütete zuletzt Samoas Premierminister Tuilaepa Sailele Malielegaoi: „Was sagt mir das? Ihr habt keinen Mumm.“

Wie die Erwartungshaltung für das Match gegen das Rugby-Entwicklungsland Deutschland ist, machte das politische Staatsoberhaupt unmissverständlich klar. „Wenn ihr dieses Spiel nicht gewinnt, müsst ihr alle zurücktreten“, sagte Malielegaoi: „Wir spielen gegen eine Mannschaft, die keine Ahnung von diesem Sport hat oder wie man ihn richtig spielt.“ Respekt vor dem Gegner hört sich wahrlich anders an. Im deutschen Lager hat man die Worte jedenfalls genau registriert.

Obwohl der Streit mit dem langjährigen Mäzen Hans-Peter Wild für Chaos im Verband gesorgt hat und dieser die vollständige Einstellung seines Engagements ankündigte, tritt Deutschland in Bestbesetzung an. Mit allen zuletzt gesperrten Topspielern des deutschen Meisters Heidelberg und sechs Legionären aus den französischen Profiligen ist die DRV-15 mindestens konkurrenzfähig. Ob es zu einer Überraschung reicht, bleibt dennoch fraglich. Zumindest den samoanischen Premier würde man allerdings gerne eines Besseren belehren.