Ironman-Star Frodeno kritisiert deutsche Triathlon-Funktionäre

Ironman-Star Frodeno kritisiert deutsche Triathlon-Funktionäre

Nach dem zweiten WM-Erfolg in Serie beim Ironman auf Hawaii hat Jan Frodeno erneut mit der Deutschen Triathlon-Union abgerechnet. Die Flaute bei den Olympischen Spielen sei der schwachen Führung geschuldet gewesen.

Ironman-Sieger Jan Frodeno hat die deutschen Triathlon-Funktionäre im Bezug auf die Olympischen Spiele erneut heftig angegriffen. "In Deutschland wird von Verbandsseite stets der Eindruck vermittelt: Ihr könnt ja eh nichts, wir bauen auf die nächste Generation. Der Glaube an diese Generation ist aufgegeben worden", sagte Frodeno der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Für die Spiele in Rio hatte zunächst nur Anne Haug die Qualifikations-Kriterien der Deutschen Triathlon-Union erfüllt, die sich im Anschluss bei der Nominierung mehrere Fauxpas - insbesondere bei den Saar-Athleten Steffen Justus und Rebecca Robisch - leistete. Am Start am Zuckerhut waren Haug und Nachwuchsathletin Laura Lindemann, die beide keine Chance auf eine vordere Platzierung hatten. Inzwischen sind Chefbundestrainer Ralf Ebli und Elite-Bundestrainer Dan Lorang nicht mehr im Amt.

Hauptsächlich liege die Olympia-Flaute daran, "dass keiner wirklich an die Athleten glaubt", sagte Frodeno. Als Beispiel, wie man es anders machen könne, führte Deutschlands Sportler des Jahres die Schweizerin Nicola Spirig an. "Sie hätte in Rio im Grunde niemals Zweite werden können. Ihr persönlicher Trainer hat ihr aber jeden Tag in jeder Einheit vermittelt, dass sie mit ihrer Leistung zur Weltspitze gehört", sagte der 35-Jährige vom LAZ Saarbrücken , der in früheren Interviews den ehemaligen Chefbundestrainer Ebli bereits kritisiert hatte ("Er brennt nicht mehr so wie früher").

Peking-Olympiasieger Frodeno hat sich genau wie die in Hawaii auf den Plätzen zwei und drei gelandeten Sebastian Kienle und Patrick Lange auf die im Vergleich zu Olympia deutlich längere Ironman-Distanz spezialisiert. "Wenn du dich in Deutschland auf der Ironman-Distanz behaupten willst, musst du absolute Weltklasseleistungen zeigen", sagte Frodeno. In Deutschland habe man eine "ganz gute Trainingsmethodik, außerdem kommt uns die deutsche Akribie sehr entgegen. Wir erleben goldene Zeiten", sagte Frodeno. Der Triathlet hatte am Wochenende den Klassiker auf Hawaii zum zweiten Mal gewonnen.

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