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Irgendwie besser sein als in London

Irgendwie besser sein als in London

Für Thomas de Maizière muss der anhaltende Abwärtstrend des deutschen Sports bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ein Ende haben. Nicht weniger als ein Drittel mehr Medaillen hat der für den Sport zuständige Bundesinnenminister gefordert. Eine mutige Ansage knappe 100 Tage vor dem Start der Wettkämpfe. 2012 hatten die deutschen Sportler in London 44 Medaillen geholt und damit Platz sechs im Medaillenspiegel belegt. Die Verantwortlichen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) äußern ihre Erwartungshaltung verhaltener und wohl ein gutes Stück realistischer.

Entwicklung seit 1992

Seit der Wiedervereinigung hat im deutschen Sport ein Abwärtstrend eingesetzt. Waren es 1992 in Barcelona noch 82 Medaillen, davon gar 33 goldene, ging es anschließend stetig bergab. Das Erbe der auf Medaillen getrimmten DDR war schnell aufgebraucht. Über Atlanta 1996 (65), Sydney 2000 (56) und Athen 2004 (49) folgte schließlich in Peking 2008 mit 41 Mal Edelmetall der Tiefpunkt. In London waren es dann zwar wieder 44 Medaillen, allerdings mit elf Goldmedaillen fünf Olympiasiege weniger als noch vier Jahre zuvor in China.

Zielvorgabe für Rio

Der Deutsche Olympische Sportbund hatte den Zielkorridor zunächst auf 40 bis 70 Medaillen festgelegt, korrigierte ihn aber nun auf 38 bis 68 Medaillen nach unten. Innenminister de Maizière geht das nicht weit genug. Mindestens ein Drittel mehr Medaillen müsste Deutschland angesichts seiner finanziellen und technischen Möglichkeiten holen, findet er. Schließlich stecke der Staat 153 Millionen Euro in den Spitzensport . Dirk Schimmelpfennig, der Leistungssportdirektor des DOSB, warnt vor zu großen Erwartungen: "Ich sehe die Wahrscheinlichkeit genauso groß, das Ziel zu erreichen wie es zu verpassen. Das muss man realistisch sagen."

Vergleich zu London 2012

Während der Spiele in der englischen Hauptstadt hatte es um die Zielvereinbarung großen Wirbel gegeben. Bundesinnenministerium und DOSB hatten sich lange geweigert, die Medaillenziele publik zu machen, erst nach einer Klage vor dem Verwaltungsgericht durch einen Journalisten wurden die Vorgaben öffentlich. Und die waren letztlich total überzogen: 86 Medaillen, davon 28 Mal Gold, waren zwischen dem DOSB und den Fachverbänden vereinbart worden.

Deutsche Hoffnungen

Die deutschen Kanuten sollen wie in der Vergangenheit wieder für reichlich Podestplätze sorgen. Acht Medaillen werden in der Sparte anvisiert. Daneben wurden im Radsport fünf bis neun Mal Edelmetall veranschlagt, was nach dem starken Abschneiden bei der Bahnrad-WM durchaus realistisch ist. Außerdem sollen die Schwimmer (3-7), die Leichtathleten (4-6) und die Reiter (3-5) zu einer guten Bilanz beitragen. Positiv ist auch, dass die Krise in einigen Mannschaftssportarten überwunden ist. Die Fußballer sind erstmals mit zwei Teams vertreten, auch die deutschen Handballer gehören als Europameister zu den Favoriten. Dagegen haben die Basketballer um Dirk Nowitzki und Dennis Schröder sowie die Volleyballer um Georg Grozer die Qualifikation verpasst. Und auch von der einstigen deutschen Domäne Fechten ist nicht mehr viel übrig geblieben. Nur mit einer Handvoll Einzelstarter reist der Deutsche Fechter-Bund nach Rio, in den Mannschaftsentscheidungen wird kein Team vertreten sein.

Zukunft nach Rio

DOSB und Innenministerium arbeiten seit einem Jahr intensiv an einer Leistungssport-Reform, die nach den Spielen in Rio in Angriff genommen werden soll. Verkrustete Strukturen, veraltete Fördersysteme und überholte Trainings- und Personalkonzepte sollen dann der Vergangenheit angehören, damit die Rückkehr in die Weltspitze gelingt. "Wenn der Staat Spitzensportförderung macht, muss auch Spitzensport rauskommen", fordert de Maizière. Die Auswirkung auf einzelne Sportarten und Stützpunkte, auch den Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland sind noch nicht absehbar.

dosb.de