| 20:25 Uhr

2. Handball-Bundesliga
„Irgendwann ist es zu spät“

Der Saarlouiser Spielmacher Falk Kolodziej (links), hier im Spiel gegen den EHV Aue, spart vor dem Doppelspieltag in Konstanz und zu Hause gegen Bietigheim nicht mit deutlichen Worten.
Der Saarlouiser Spielmacher Falk Kolodziej (links), hier im Spiel gegen den EHV Aue, spart vor dem Doppelspieltag in Konstanz und zu Hause gegen Bietigheim nicht mit deutlichen Worten. FOTO: Andreas Schlichter
Saarlouis. Dem Handball-Zweitligisten HG Saarlouis helfen nur noch Siege, um seine Chancen auf den Klassenverbleib zu wahren. Von Sebastian Zenner

Vier Punkte beträgt der Rückstand der HG Saarlouis auf einen Nichtabstiegsplatz. Am bevorstehenden Doppelspieltag könnte das Schlusslicht der 2. Handball-Bundesliga vier Punkte einfahren. Am heutigen Freitagabend gastiert die HG um 20 Uhr bei Tabellennachbar HSG Konstanz, am Sonntag ist um 17 Uhr der Tabellenzweite SG Bietigheim in der Stadtgartenhalle zu Gast.


„In Konstanz sind zwei Punkte definitiv Pflicht“, sagt Linksaußen Pascal Noll (22 Jahre). „Bietigheim ist schlagbar. Das haben manche Ergebnisse gegen Außenseiter gezeigt“, ergänzt Spielmacher Falk Kolodziej (24). Beide kamen zur laufenden Saison nach Saarlouis, als der im November 2017 freigestellte Jörg Bohrmann noch Cheftrainer war. Und beide machen Druck auf die Erfahreneren. Noll kennt Abstiegskampf aus Dormagen – einmal geschafft, einmal nicht. Kolodziej kennt die Situation ebenfalls, hat sogar schon Relegations-Erfahrung. „Wir müssen in den nächsten Spielen punkten, auch gegen vermeintlich stärkere Mannschaften. Irgendwann ist es zu spät und wir dürfen uns nicht auf die letzten zehn Spiele verlassen. Das wäre fatal“, warnt Kolodziej mit Blick auf die nächsten Spiele, die mit Gegnern aus dem vorderen Tabellendrittel gespickt sind.

Um nach acht sieglosen Spielen in Folge endlich wieder doppelt zu punkten, müssen die unnötigen Fehler abgestellt werden. Zum Beispiel zu frühe Abschlüsse der falschen Spieler in den entscheidenden Momenten. „Es geht darum, die 100-prozentige Chance zu nutzen, nicht die 85-prozentige“, nennt Pascal Noll einen Kritikpunkt. Falk Kolodziej erklärt: „Es gibt keinen, der ein kompletter Rückhalt ist und entscheidende Situationen an sich nimmt. Die Rollenverteilung ist nicht richtig klar. Einer muss vorangehen, und das Team muss ihm den Rücken stärken. Da sind wir noch nicht.“

Trainer Philipp Kessler sagt dazu: „Vor jedem Spiel gibt es einen klaren Plan, welche Ziele wir in der Abwehr und im Angriff haben. Das wird glasklar herausgearbeitet, und das hat jeder Spieler sogar schriftlich. Es gibt die Vorgabe, den Spieler in eine gute Position zu bringen, der an dem Tag gut drauf ist. Das ist nicht immer der gleiche. Wir haben nicht den Führungsspieler, der immer die richtige Entscheidung trifft.“

Die Klarheit in entscheidenden Situation ist nicht das einzige Manko: „Wir haben oft genug freie Chancen, die wir nicht nutzen“, kritisiert Kolodziej. Die Saarlouiser scheitern deutlich öfter an den gegnerischen Torhütern, als es umgekehrt der Fall ist. „Eine gute Torhüterleistung ist eine Voraussetzung für jedes Spiel. Wenn wir auf der Position wieder Normalform erreichen, dann haben wir auch wieder deutlich bessere Siegchancen“, weiß Kolodziej.



Trainer Kessler lobt Kolodziej und Noll, die den Konkurrenzkampf in den letzten Wochen deutlich angeheizt haben. Das gilt insbesondere für den schwachen Arthur Muller im linken Rückraum, der immer öfter durch Julius Andersson ersetzt wird, weil Kolodziej auf Andersson-Position in der Rückraum-Mitte drängt. Ähnliches gilt auch für Philipp Leist, der dem gegen Ende der Hinrunde schwächelnden Lars Weissgerber auf Rechtsaußen Einsatzzeit abgeknöpft hat. Pascal Noll hat Kapitän Martin Murawski vor sich, sagt aber: „Ob da ein Kapitän vor mir steht oder ein 16-jähriger Jugendspieler – da gebe ich nicht viel drauf. Mein Anspruch ist es, den Trainer zu überzeugen, um auf meine Spielzeit zu kommen. Am liebsten 60 Minuten.“ Die Einstellung scheint also zu stimmen. Allein es fehlen die Siege.