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„Irgendwann geht es einfach nicht mehr“

Aushängeschild des saarländischen Behindertensports : „Irgendwann geht es einfach nicht mehr“

Mit Claudia Nicoleitzik beendet das Aushänge- schild des saarländischen Behindertensports aus gesundheitlichen Gründen ihre Laufbahn.

Mit 15 Jahren gewann Claudia Nicoleitzik ihre ersten Medaillen. Bei den internationalen deutschen Hallenmeisterschaften 2005 in Leverkusen sicherte sich die Püttlingerin Bronze im 60-Meter-Sprint und Silber im Weitsprung. Danach folgte eine Karriere, die im Saarland ihresgleichen sucht: sechs Medaillen bei den Paralympischen Spielen 2008, 2012 und 2016, dazu etliche vordere Plätze bei Europa- und Weltmeisterschaften sind nur die Spitze einer Erfolgsgeschichte. Die findet aber in dieser Woche ihr Ende. Nach zwölf Jahren auf internationalem Parkett beendet Claudia Nicoleitzik ihre Karriere. Seit dem Gewinn der Silber- und Bronzemedaillen in Rio im vergangenen Sommer ist die Saarsportlerin der Jahre 2008 und 2012 fast dauerhaft krank und hat nun endgültig beschlossen, dass das Training und die damit einhergehenden Strapazen einfach zu viel sind.

"Claudia trainiert seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau. Und so langsam werden die Verschleißerscheinungen sichtbar", sagte Nicoleitziks Trainerin Evi Raubuch. Seit acht Wochen leidet sie nun an einer äußerst starken Form von Scharlach, die sie ans Bett kettet und letztlich den endgültigen Grund für das Karriereende darstellt. Daher könne Nicoleitzik auch selbst nichts zu ihrem Rücktritt sagen, meinte ihre Pflegemutter gestern. Trainerin Raubuch ergänzte: "Die Entscheidung ging alleine von ihr aus. Irgendwann geht es einfach nicht mehr. Sie ist körperlich und mental nicht mehr imstande, auf dem gleichen Niveau weiterzutrainieren."

Einen anderen Grund für das Karriereende mit nur 27 Jahren sieht Raubuch auch im frühen Beginn der Laufbahn. Die Trainerin gibt zu bedenken: "Ich bin kein Freund davon, schon mit 15 Jahren auf einem solchen Niveau Sport zu treiben. Wenn man so früh anfängt, bleibt man nicht so lange dabei wie Sportler, die später dazukommen."

Seit zwölf Jahren gehörte Nicoleitzik zur absoluten Weltspitze im Sprint und ist das Aushängeschild des saarländischen Behindertensports. Der Behinderten- und Rehabilitationssportverband Saarland (BRS) bedankte sich bei ihr gestern für ihren Beitrag, dass Saarbrücken "Paralympischer Trainingsstützpunkt" wurde.

Drei Silber- und drei Bronzemedaillen bei Paralympics brachten die Sportlerin des TV Püttlingen um die halbe Welt. Trotz aller Anstrengungen schaffte sie es, fast ständig fit zu bleiben - bis auf eine kleinere Verletzung vor der WM in Neuseeland 2011, wo sie trotzdem Bronze gewann. "Claudia musste sehr diszipliniert sein, um mithalten zu können", berichtete Trainerin Raubuch. "Aber wir sind ständig unterwegs, waren beispielsweise letztes Jahr vier Monate von zuhause weg. Sie kann ihren Tagesplan nicht mehr nur nach dem Sport richten. Und irgendwann ist es auch schwierig, sich noch mal zu motivieren, um an einen gewissen Punkt zu kommen. Es war für sie einfach genug."

Seit den Spielen in Rio war Nicoleitzik, deren Bewegungskoordination durch eine Ataxie gestört ist, fast durchgehend angeschlagen - Erkältungen, Magen-Darm-Erkrankungen und jetzt Scharlach machten ihr einen Strich durch den angepeilten Trainingsplan. Fortan kann sie sich nun auch mehr auf ihren Beruf als Angestellte konzentrieren.