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Intensiver als sonstKohl: "Für beide Teams wäre der Titel die Krönung"

Köllerbach. Den KSV Köllerbach hatten vor dem Saisonstart der Ringer-Bundesliga nicht viele wirklich auf der Rechnung. "Favorisiert waren Mannschaften wie die RWG Mömbris-Königshofen, der SV Germania Weingarten oder der ASV Nendingen", sagt Robert Haag, Vorsitzender des Sportausschusses Von SZ-Mitarbeiter Michael Aubert

Köllerbach. Den KSV Köllerbach hatten vor dem Saisonstart der Ringer-Bundesliga nicht viele wirklich auf der Rechnung. "Favorisiert waren Mannschaften wie die RWG Mömbris-Königshofen, der SV Germania Weingarten oder der ASV Nendingen", sagt Robert Haag, Vorsitzender des Sportausschusses. Und doch ringen die Köllerbacher gegen den ASV Mainz 88 um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Der Hinkampf ist an diesem Sonntag um 15 Uhr im Messepark Mainz-Hechtsheim.



"Jetzt, wo wir schon im Finale sind, wollen wir natürlich gewinnen", sagt Köllerbachs Teamleiter Thomas Geid, der fast die ganze Saison auf die beiden deutschen Freistilringer Konstantin Völk (84 Kilo) und Andrij Shyyka (74 Kilo) verzichten musste. "Deshalb war es letzten Samstag für mich so emotional", erklärt Geid, "weil wir die Schwierigkeiten, die wir über die ganze Saison hatten, gemeistert haben." Mit dem Einzug ins große Finale.

Mittlerweile steht die Mannschaft komplett. "Und sie ist zusammengewachsen", betont Geid, "jeder setzt sich für den anderen ein." Das muss sie auch in den Kämpfen gegen Mainz. Denn diese Duelle waren bisher immer sehr emotional - im Halbfinale vergangenes Jahr (19:17, 18:19) genau so wie die in der Bundesliga (11:18, 12:20) in dieser Saison. Umso zielgerichteter bereitet sich der KSV auf den ersten Kampf vor.

Seit Freitag ist die Mannschaft zusammen, "auch die, die nicht ringen werden", betont Geid. Zum Hinkampf werden nur zwei KSV-Ringer nicht da sein. "Melonin und Dimitar haben zu Hause Verpflichtungen", sagt Geid. Noumonvi und Kumchev kommen wegen des Stilartenwechsels erst im Rückkampf zum Zug. "Es war der Wunsch der Mannschaft, sich früher zu treffen", sagt Geid. Gewöhnlich findet nur ein gemeinsames Abschlusstraining statt, dieses Wochenende wird intensiver.

Mit gemeinsamen Trainingseinheiten und Saunagängen am Freitag und Samstag stellen sich die Athleten ein. Und mit einem gemeinsamen Ziel vor Augen. "Wir werden nicht antreten, um Zweiter zu werden", sagt Martin Daum überzeugt. Der Freistilringer bis 66 Kilo hat im Halbfinale gegen den Mömbriser Saba Bolaghi wichtige Runden gewonnen.



"Jeder in der Mannschaft hat seinen Teil beigetragen", sagt Daum. Er wird auch gegen den Mainzer George Bucur Runden mitnehmen müssen, wenn es am Ende reichen soll. Wie schon im Halbfinale kann jede einzelne Runde entscheidend sein. "Wir wollen gleich zu Beginn in den Kampf finden", meint Geid. So sollen Heiki Nabi, Peter Modos, Andrei Dukov und Lyuben Iliev vorlegen. "Ich erwarte, dass sich das Team zerreißt", fordert Geid, "und dass jeder bis zum Umfallen kämpft - für den Verein, die Mannschaft, für mich und für sich selbst." Was unterscheidet den ASV Mainz und den KSV Köllerbach?

Jurij Kohl: Die Strategie beider Mannschaften ist ähnlich. Sowohl in Köllerbach, als auch in Mainz versucht man, die Sportler vor Ort zu halten, sie im Verein und in der Mannschaft zu integrieren. Das schafft eine Identifikation mit dem Verein und ist ein absoluter Vorteil.

Ein Vorteil, der beide ins Finale gebracht hat?

Kohl: Die Mannschaftsleistung war in den Halbfinalkämpfen ausschlaggebend. Beide Halbfinals waren schon absolute Werbung für den Ringersport. Unglaublich spannend und vom Niveau her sehr ausgeglichen. Am Ende hat das Mannschaftsgefühl bei beiden den Unterschied gemacht.

Wenn beide gleich stark einzuschätzen sind, ist es denn ein Vorteil, den entscheidenden Kampf zu Hause zu ringen?

Kohl: Wenn der Hinkampf sehr knapp entschieden wird, könnte es ein Vorteil sein.

In Mainz spricht jeder von einer unglaublichen Begeisterung. Was passiert dort?

Kohl: In Mainz wartet man schon lange auf einen Titel, seit 1977. In den letzten Jahren hat man in Mainz stetig und gut gearbeitet. Das war ein kontinuierlicher Prozess. Letztes Jahr ist man knapp im Halbfinale gescheitert. Dieses Jahr hat man genauso knapp gewonnen. Umso größer ist natürlich die Euphorie im Verein.

Haben Sie einen Favoriten?

Kohl: Nein, schon das Erreichen des Finals ist für beide Teams ein Traum. Der Titel wäre für beide die Krönung. Aber beide könnten wohl auch mit einer Niederlage leben.Foto: wieck

"Wir werden nicht antreten, um Zweiter zu werden."

Martin Daum,

KSV Köllerbach