In vier Jahren von Meuselwitz nach Madrid

Berlin · Dem Bundesliga-Aufsteiger RB Leipzig gelingt nur acht Jahre nach seiner Vereinsgründung der Einzug in die Champions League.

Bei Ralph Hasenhüttl kullerten die Freudentränen. Der Trainer sagte: "Dafür arbeitet man das ganze Jahr. Wenn dann dieser Druck wegfällt, dann ist es wie eine Explosion. Man ist dann einfach stolz, sehr stolz." Seine Spielern feierten bis zum Morgen. Hasenhüttl gab ihnen drei Tage frei. "Die Mannschaft hat so viel geleistet, dass es dazugehört, dass man solche Erfolge auch feiert und es genießt", erklärte er. Aufsteiger RB Leipzig hatte am Samstag mit dem 4:1 (1:0)-Sieg in der Fußball-Bundesliga bei Hertha BSC den Einzug in die Champions League perfekt gemacht. Sportdirektor Ralf Rangnick sprach von einem historischen Erfolg, der schwer in Worte zu fassen sei, Hasenhüttl gar von einem Wunder.

Nur acht Jahre nach der Vereinsgründung ist ein wichtiges Zwischenziel aus Sicht von RB Leipzig erreicht. 2013 spielte der finanzkräftige Emporkömmling noch in der Regionalliga. Nun ist er in der Königsklasse angekommen. "Der ein oder andere Spieler hat in der vierten Liga noch gegen Meuselwitz gespielt, jetzt geht es nach Madrid oder so", sagte Verteidiger Marvin Compper: "Hut ab vor dieser Entwicklung, das ist faszinierend." Er tanzte im Olympiastadion mit der Mannschaft um die Doppeltorschützen Timo Werner (12./54. Minute) und Davie Selke (89./90.+2) vor den 10 000 Leipziger Fans. Anschließend wurde in der Kabine, dann im Bus auf der A 9 und schließlich im Leipziger Nachtclub L 1 "die Nacht zum Tag gemacht", wie Rangnick sagte. Er ergänzte: "Jetzt geht es darum, alles sacken zu lassen, zu genießen und zu feiern."

"Mittwochnachmittag ist ein guter Termin, um wieder anzufangen", sagte Hasenhüttl mit Blick auf die freien Tage. Dann wird die Vorbereitung auf das letzte Saisonheimspiel am kommenden Samstag um 15.30 Uhr gegen Meister Bayern München beginnen. Leipzig will den zweiten Tabellenplatz verteidigen - und sicherte sich auf dem Weg dorthin einen Rekord. Als erste Mannschaft nach Bayern München in der Saison 1965/1966 feierte Leipzig als Aufsteiger 20 Saisonsiege. Und RB kann noch den Aufsteiger-Punkterekord des 1. FC Kaiserslautern (68 Zähler) knacken. Dazu fehlen aus den beiden verbleibenden Spielen nur zwei Punkte.

Die Weichen für die Zukunft werden bereits gestellt. "Jetzt können wir endgültig planen, das ist natürlich ein super Gefühl", sagte Sportdirektor Rangnick, der an der Transferpolitik festhalten will: "Wir werden keine bekannten, teuren Stars einkaufen, sondern wir werden unserer Linie treu bleiben und junge, hochbegabte Spieler holen." Auf diese Weise überrollte der Club die Bundesliga und begeisterte mit attraktivem Offensiv-Fußball.

Obwohl RB als vermeintlichem Plastik-Club des österreichischen Milliardärs Dietrich Mateschitz weiter Hass entgegenschlägt, will sich in Leipzig niemand vom eingeschlagenen Weg abbringen lassen. "Es ist ein Privileg, sich jetzt mit den Besten Europas messen zu dürfen. Das haben wir uns hart erarbeitet", erklärte Kapitän Diego Demme. Doch mehrfach gab es zuletzt immer wieder Diskussionen über vermeintliche Probleme beim Champions-League-Startrecht. Denn Mateschitz' Unternehmen Red Bull ist als Geldgeber auch beim österreichischen Erstligisten RB Salzburg aktiv. Laut den Regularien der Europäischen Fußball-Union ist das so aber nicht gestattet. Rangnick bleibt aber gelassen. "Bei uns im Verein wird seit Monaten mit Hochdruck daran gearbeitet, alle Bedingungen zu erfüllen", sagte Leipzigs Sportdirektor: "Ich mache mir überhaupt keine Sorgen."