| 00:00 Uhr

In Melbourne nichts Neues

Melbourne. Titelverteidiger Lewis Hamilton und Nico Rosberg haben auch beim ersten Saisonrennen in ihrem überlegenen Mercedes die Formel 1 dominiert. Sebastian Vettel feierte in Melbourne im Ferrari ein gutes Debüt. Sid-Mitarbeiterkristof Stühm

Nach seiner Galavorstellung legte sich Lewis Hamilton sogar mit dem Terminator an. "Ich dachte, du wärst größer", sagte der Weltmeister nach seinem beeindruckenden Triumph in Australien zu Action-Held Arnold Schwarzenegger bei der Siegerehrung. Dann erlaubte sich der Mercedes-Star für die Fans noch einen kleinen Scherz. "Ich bin fast so groß wie der Terminator", rief er, und die Menge johlte. Auch Sebastian Vettel lachte nach seinem Traumdebüt für Ferrari und dem dritten Platz herzhaft mit.

Hamilton hatte allen Grund, bester Laune zu sein. Schließlich war der absolut Stärkste im Jahr 2014 auch beim ersten chaotischen Rennen der neuen Formel-1-Saison wieder allen davon gefahren. Der Trainingsschnellste aus England dominierte den Großen Preis von Australien von der ersten bis zur letzten Runde. Selbst sein Teamrivale und WM-Herausforderer Nummer eins, Nico Rosberg , zeigte sich beeindruckt. "Lewis ist gefahren wie ein Weltmeister. Ich habe alles gegeben, aber da war nichts zu machen", sagte Rosberg: "Jetzt steht es 1:0 für ihn, aber die Saison ist noch lang. Ich werde alles geben, das wieder umzudrehen." Nico Hülkenberg landete im Force India auf Platz sieben.

Neben Hamilton war Vettel der große Sieger des Tages. Der 27 Jahre alte Heppenheimer freute sich nach dem dritten Platz in seinem ersten Rennen für Ferrari wie ein kleines Kind. "Ich bin unheimlich stolz, es fühlt sich wie ein Sieg an", sagte Vettel mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Der neue Hoffnungsträger der Scuderia ist damit sogar besser gestartet als Michael Schumacher nach seinem Wechsel zu Ferrari . 1996 schaffte es der spätere Rekordweltmeister in Australien nicht ins Ziel. In der völlig verkorksten Vorsaison kam Vettels Ferrari-Vorgänger Fernando Alonso insgesamt nur zwei Mal unter die ersten Drei.

Vettel will nun die Jagd auf die Silberpfeile fortsetzen und damit die Formel 1 hoffentlich ein bisschen spannend halten. "Nun liegt es an uns, so hart weiter zu arbeiten, dass wir den Mercedes-Jungs früher oder später das Leben schwer machen können", sagte Vettel.

Doch im Moment fahren die Silberpfeile in einer völlig anderen Welt. Vettel hatte im Ziel 34 Sekunden Rückstand auf Hamilton. Auch Rosberg konnte dem Dominator nicht gefährlich werden. Und so war Schwarzenegger am Sonntag Hamiltons härtester Gegner. Schlagfertig konterte der Terminator Hamiltons Witz über die Größe: "Ich trage ja auch nicht meine High Heels."

Hinter den drei Strahlemännern herrschte ziemliches Chaos. Selten war es in der Formel 1 so leicht, in die Punkte zu fahren wie in Australien. Nur elf von 20 möglichen Fahrern schafften es überhaupt ins Ziel. Auch für Max Verstappen, der sich im Alter von nur 17 Jahren und 166 Tagen zum jüngsten Fahrer in der Geschichte der Königsklasse kürte, war der Arbeitstag nach knapp 34 Runden beendet. Am Toro Rosso des Niederländers streikte der Renault-Motor. Nur 15 Autos gingen überhaupt ins Rennen - so wenige wie seit dem Skandalrennen von Indianapolis 2005 nicht mehr. Bei Manor Marussia schafften es die Ingenieure noch nicht einmal, den Motor anzuwerfen.

Bei Sauber verzichtete Giedo van der Garde trotz gerichtlicher Anordnung auf einen Start und verschonte den Rennstall so vor dem Chaos. Felipe Nasr wurde dadurch immerhin Fünfter, Marcus Ericsson Achter.


Zum Thema:

Am RandeDie Hoffnungen auf ein Deutschland-Rennen der Formel 1 in diesem Jahr sind nach Ansicht von Bernie Ecclestone derzeit auf ein Minimum gesunken. "Der deutsche Grand Prix ist im Moment tot", sagte der Formel-1-Geschäftsführer der britischen Zeitung "The Independent": "Es wird keinen Ersatz geben, wenn es nicht stattfindet." Demnach muss eine schnelle Lösung her, sonst wird der für den 19. Juli auf dem Nürburgring geplante Grand Prix ausfallen. "Wir können da nicht viel machen", meinte Ecclestone. Wegen der finanziellen Dauerkrise auf dem Nürburgring ist die Austragung des Rennens in der Eifel seit Monaten fraglich. Das Problem sind vor allem die sinkenden Zuschauerzahlen. dpa