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Nationalmannschaft: In Köln drohen heute leere Ränge

Nationalmannschaft : In Köln drohen heute leere Ränge

Gestern waren erst rund 30 000 Eintrittskarten für das Länderspiel gegen Frankreich verkauft. Trapp wird das deutsche Tor hüten.

Mit dem Saarländer Kevin Trapp im Tor sowie den beiden Weltmeistern Toni Kroos und Sami Khedira im zentralen Mittelfeld wird die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Test-Länderspiel gegen Frankreich antreten. Das gab Joachim Löw einen Tag vor dem Klassiker am heutigen Dienstag (20.45 Uhr/ARD) im Kölner WM-Stadion bekannt. „Kevin Trapp macht im Training einen guten Eindruck. Er kennt die Franzosen sehr gut“, sagte der Bundestrainer zum Torwart von Paris Saint-Germain.

„Wir brauchen Spieler, die aufmerksam sind, ein hohes Tempo und hohe Emotionalität ins Spiel bringen“, forderte Löw. Das DFB-Team, das seit dem verlorenen EM-Halbfinale gegen die Franzosen 2016 seit 20 Spielen ungeschlagen ist, will das Länderspieljahr ohne Niederlage abschließen. Das gelang bisher erst drei Mal: 1997 unter Berti Vogts sowie 1979 und 1980 unter Jupp Derwall.

„Gegen Frankreich ist es nicht unbedingt eine Revanche, die gibt es zu dem Zeitpunkt nicht. Wir haben verloren, das kann man nicht zurückholen“, sagte Löw mit Rückblick auf die Europameisterschaft im Nachbarland. Löw erwartet sieben Monate vor dem WM-Turnier in Russland einen anderen Charakter des Duells. „Beide werden testen. Frankreich wird auch nicht alle Karten auf den Tisch legen“, sagte der DFB-Cheftrainer. Die eigene Marschroute werde etwas anders aussehen als beim 0:0 in England.„Frankreich besitzt gerade in der Offensive in der Breite eine unglaubliche Qualität“, betonte Löw. Die Franzosen seien noch gefährlicher als die Engländer: „Darauf müssen wir uns einstellen.“

Vor dem Spiel beherrscht mit der geringen Nachfrage nach den Eintrittskarten aber ein anderes Thema das Sportliche. Während trotz der gewaltigen Krise des 1. FC Köln zu Bundesliga-Heimspielen im Schnitt 50 000 Zuschauer kommen, wurden für das Länderspiel bis gestern nur rund 30 000 Karten verkauft. Der Weltmeister gegen eine Weltklassemannschaft – warum wird dann das Stadion nicht voll? „Es gab nur eine ganz kurze Vorverkaufsphase, das ist ein sehr spezielles Problem“, sagte Reinhard Grindel. Der französische Verband habe lange gezögert, weil seine Mannschaft „noch nicht sicher für die WM qualifiziert“ war.

Das ist ein Erklärungsansatz, aber längst nicht der einzige. Bundestrainer Joachim Löw vermutet eine Übersättigung. „Es finden so viele Spiele statt, auch in Köln mit dem Europapokal. Die Testspiele haben auch nicht mehr den ganz hohen Stellenwert wie früher“, sagte Löw gestern. „Der Anstoß ist erst um 20.45 Uhr, das ist auch nicht perfekt für Familien.“

Einige Spieler zeigten sich dennoch leicht irritiert. „Deutschland gegen Frankreich ist doch ein interessantes Spiel, deshalb bin ich etwas überrascht“, sagte Matthias Ginter. Julian Draxler war ebenfalls verwundert: „30 000 wären schon enttäuschend. Ich denke, dass an der Abendkasse noch die eine oder andere Karte weggeht.“

Gestern waren noch reichlich Plätze für 18 bis 100 Euro zu haben. Das Fassungsvermögen des RheinEnergie-Stadions für internationale Spiele beträgt 46 195 Zuschauer. Am mangelnden Erfolg jedenfalls kann es nicht liegen. Allerdings waren Testspiele zuletzt, Löw deutete es an, selten ein Spektakel. Das Wetter spielt eine Rolle, die fehlenden französischen Stars wie Paul Pogba und Ousmane Dembele, auch der allgemeine, nicht nationalmannschaftsspezifische Verdruss angesichts eines Angebots, das phasenweise an sieben Tagen die Woche Livespiele vorsieht.

Grindel sieht aber keinen Trend zur Abkehr vom perfekt vermarkteten Zugpferd Nationalmannschaft. Im Gegenteil. „Ich bin mir sicher, dass die Heimspiele gegen Spanien und Brasilien im März ausverkauft sein werden“, sagte er. Die liegen allein vom Termin attraktiver, weil näher an der WM im Sommer. Und es wird wohl annähernd die Startelf für Russland zu sehen geben.