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Borussia Dortmund
In Dortmund kündigt sich ein Umbruch an

Dortmunds Marcel Schmelzer (oben) und Mahmoud Dahoud waren nach dem 1:2 enttäuscht.
Dortmunds Marcel Schmelzer (oben) und Mahmoud Dahoud waren nach dem 1:2 enttäuscht. FOTO: dpa / Bernd Thissen
Dortmund. Borussen stehen nach 1:2 gegen Salzburg vor dem Europa-League aus. Leipzig fast mit Wunschergebnis.

Das blamable „Córdoba in Dortmund“ bereitete Peter Stöger eine unruhige Nacht. „So richtig gut und lang habe ich nicht geschlafen“, berichtete der österreichische Trainer von Borussia Dortmund, als er am Freitag nach dem peinlichen und leblosen 1:2 gegen Red Bull Salzburg müde und konsterniert zur Pressekonferenz des Fußball-Bundesligisten erschien.


Doch ihm bleibt keine Wahl: Der bedrückende Auftritt seiner Mannschaft im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League muss nun so schnell wie irgend möglich aus den Kleidern geschüttelt werden. Schon an diesem Sonntag (18 Uhr) kommt Eintracht Frankfurt zu einem „Endspiel“ um die direkte Qualifikation zur Champions League. „Der eine braucht jetzt eher mehr Video-Sequenzen, der andere eher Streichel­einheiten, der andere eher einen Tritt“, sagte Stöger. Und er lachte.

Doch das Salzburg-Spiel hat beim BVB mehr infrage gestellt als den Einzug in die nächste Europapokal-Runde oder die nächsten Ligaspiele. Es scheint nicht, als könne Stöger die zweifellos ordentlich besetzte Mannschaft aus der Lethargie reißen, er hat sich bisher nicht nachhaltig als Trainer für die kommende Saison empfohlen. „Zu wenig ist noch positiv ausgedrückt, das war fast nichts“: Das Fazit von Kapitän Marcel Schmelzer fasste den Abend gut zusammen.

Die Ergebnisse unter Stöger stimmten zwar meist, die Spielweise ist jedoch meilenweit davon entfernt, was die Borussia über Jahre gezeigt hat. Schon nach dem faden 1:1 gegen den FC Augsburg hatte BVB-Sportdirektor Michael Zorc den Profis „Beamtenfußball“ vorgehalten. Nun also dies: Es war der erste (!) Sieg einer österreichischen Mannschaft in Deutschland im Europacup überhaupt. Was in Österreich mit dem Sieg der Nationalmannschaft über Deutschland 1978 in Córdoba verglichen wurde, ist für den BVB eine Zäsur. Es stellen sich Fragen nach der Qualität der Mannschaft, der Einschätzung von Einzelspielern, selbstverständlich auch nach dem Trainer, der als Nachfolger von Peter Bosz einen Vertrag bis Saisonende erhalten hatte. Das Frankfurt-Spiel könnte die Lage noch verschärfen.

Für die beste Nachricht der Woche aus Borussen-Sicht sorgte Marco Reus, der seinen Vertrag vorzeitig bis zum 30. Juni 2023 verlängerte. Der bisherige Vertrag des 28-Jährigen wäre 2019 ausgelaufen. „Dortmund ist meine Heimat, der BVB ist mein Verein“, erklärte Reus. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte, die besten Clubs der Welt hätten Reus in der Vergangenheit immer wieder Offerten gemacht.



RB Leipzig fehlten dagegen beim 2:1-Heimsieg gegen Zenit St. Petersburg nur wenige Minuten zum absoluten Wunschergebnis. Domenico Criscitos Freistoßtreffer in der 86. Minute erschwert die Aufgabe für das Rückspiel. Nationalstürmer Timo Werner krönte seine starke Leistung, er traf nach der 1:0-Führung durch Bruma (56.), zu dem der die Vorlage gegeben hatte, zum 2:0 (77.) und will auch an diesem Sonntag bei seinem Ex-Club VfB Stuttgart (15.30 Uhr) erneut glänzen.