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In der Form seines Lebens

In der Form seines Lebens

Saragossa. Heiner Brand hat mit dieser Frage nicht gerechnet, zögert aber keine Sekunde mit der Antwort: "Oliver Roggisch." Der deutsche Kapitän ist nicht nur für den ehemaligen Weltmeister-Trainer die größte Überraschung des WM-Turniers. Der 34-Jährige präsentiert sich in Spanien in der Form seines Lebens

Saragossa. Heiner Brand hat mit dieser Frage nicht gerechnet, zögert aber keine Sekunde mit der Antwort: "Oliver Roggisch." Der deutsche Kapitän ist nicht nur für den ehemaligen Weltmeister-Trainer die größte Überraschung des WM-Turniers. Der 34-Jährige präsentiert sich in Spanien in der Form seines Lebens. Als verlängerter Arm von Bundestrainer Martin Heuberger und unumstrittener Abwehrchef hat er entscheidenden Anteil am Höhenflug der deutschen Handballer, der im Viertelfinale heute Abend gegen den Gastgeber Spanien (19 Uhr/ARD) anhalten soll.

"Ich kenne den Olli schon seit sehr langer Zeit, aber was der hier abliefert, nicht nur in der Abwehr, ist richtig gut", sagt Heuberger und adelt seinen Mannschaftsführer als den "besten Roggisch aller Zeiten". Roggisch selbst hat eine ziemlich einfache Erklärung: "Ich wollte es ein paar Leuten noch einmal beweisen. Und mir selbst natürlich auch."

Dabei war der Weltmeister von 2007 eigentlich abgeschrieben. Im Verein bei den Rhein-Neckar Löwen spielte er immer seltener, und auch in der Nationalmannschaft schien seine Zeit abzulaufen. Doch als die Erinnerungen an seinen größten Erfolg bei der Heim-WM vor sechs Jahren langsam zu verblassen drohte, beförderte Heuberger ihn zum Nachfolger des in seiner Kapitänsrolle eher blass gebliebenen Pascal Hens - und Roggisch drehte auf.

Der Oldie präsentiert sich dieser Tage so fit wie selten zuvor. Er ernährt sich anders als früher, trainiert dosierter und hat sogar seine ständigen Scharmützel mit den Schiedsrichtern unter Kontrolle. "Er hat sich am Riemen gerissen und ist nicht mehr auf zu vielen Baustellen unterwegs", lobt Heuberger. Zudem hat Roggisch im bisherigen Tunierverlauf als Abwehrspezialist erstmals ebenso viele Tore wie Zeitstrafen - vier. "Und die Schiedsrichter müssen nicht mal Zeitspiel anzeigen, bis er vorne ist", sagt Heuberger schmunzelnd.

Roggisch besticht in seiner neuen Rolle aber nicht nur mit knüppelharter Defensivarbeit. Er ist auch das emotionale Zentrum der deutschen Mannschaft. Er reißt seine Mitspieler mit, er spornt an. Mit dem Rückenwind aus der Bundesliga, wo er mit den Löwen zur Saison-Halbzeit überraschend an der Tabellenspitze steht, agiert Roggisch als sensibler Seelsorger. Nach der Vorrunden-Niederlage gegen Tunesien ging er noch am selben Abend auf die Hotelzimmer und sprach den jungen Spielern Mut zu.

"Kompliment, wie er als Kapitän hier agiert", sagt Heuberger, der eine besondere Beziehung zu Roggisch pflegt. Der Bundestrainer kennt ihn von kleinauf, die Familien wohnen in Schutterwald keine fünf Minuten voneinander entfernt. "Ich weiß, dass ich ihm vertrauen kann - und andersrum genauso. Dieses Vertrauensverhältnis tut uns gut und ist gut für die Mannschaft", sagt Roggisch.

Anders als andere Ex-Internationale brennt Roggisch auch nach elf Jahren noch für die Nationalmannschaft. "Wir haben als Mannschaft Ziele definiert, die sehen anders aus als die, die wir öffentlich ausgeben", verrät er: "Und dann hab ich noch meine eigenen Ziele, und die sehen nochmal ganz anders aus." sid

Hintergrund

Spaniens Handballer gehören seit jeher zu den Besten. Doch einzig bei der WM 2005 in Tunesien standen die Iberer ganz oben auf dem Podest. Aber auch die zweiten Plätze bei den EM 1996, 1998 und 2006 sowie die olympischen Bronzemedaillen 1996, 2000 und 2008 sind Beleg für die Qualität. Und nicht zuletzt hatte das Team von Trainer Valero Rivera ("Die Deutschen haben ein Superteam") auch bei der WM vor zwei Jahren den dritten Platz belegt.

Wichtigste Spieler sind Alberto Entrerrios im linken Rückraum und Arpad Sterbik. Der Torhüter besitzt neben der spanischen auch die Staatsbürgerschaften von Ungarn und Serbien. dpa