Immer wieder 2004

Saarbrücken. Irgendwie wirkt all das immer noch wie ein einziger großer Fehler im System. Da kommt dieses alte Land mit seinem beinahe noch älteren Trainer und wagt es, Europameister zu werden. Es war, als sei diese griechische Mannschaft eine einzige laufende, schwitzende, kämpfende Beleidigung für all die Fußball-Ästheten gewesen

 Otto Rehhagel (l.) feiert mit Dimitrios Giannakoulos den Einzug ins EM-Endspiel 2004. Foto: Silva/dpa

Otto Rehhagel (l.) feiert mit Dimitrios Giannakoulos den Einzug ins EM-Endspiel 2004. Foto: Silva/dpa

Saarbrücken. Irgendwie wirkt all das immer noch wie ein einziger großer Fehler im System. Da kommt dieses alte Land mit seinem beinahe noch älteren Trainer und wagt es, Europameister zu werden. Es war, als sei diese griechische Mannschaft eine einzige laufende, schwitzende, kämpfende Beleidigung für all die Fußball-Ästheten gewesen. Hinten drin Traianos Dellas, als Libero, eigentlich schon 2004 seit Jahren eine ausgestorbene Spezies, vorne Bundesliga-Mittelmaß wie Angelos Charisteas. Und doch zermürbte diese Mannschaft Gegner um Gegner mit ihrem quälenden 1:0-Fußball. Bis hin zum Final-Sieg gegen Gastgeber Portugal. Ungläubig starrte die Welt auf Griechenland, das sich für einen Sommer aus der Belanglosigkeit erhoben hatte, auf Otto Rehhagel, der nach der deutschen Meisterschaft mit dem Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern sein zweites Fußball-Wunder vollbracht hatte.Seitdem muss jeder Bericht über den griechischen Fußball mit diesem Sommer 2004 beginnen. Und so wird es auch jetzt wieder sein. Es ließe sich vortrefflich diskutieren, welche Bedeutung diese Europameisterschaft für ein Land hat, das wirtschaftlich darniederliegt. Doch es wird vor allem die Frage sein, wie die Zeitrechnung nach Rehhagel aussieht. Seit zwei Jahren betreut der Portugiese Fernando Manuel Costa Santos die Mannschaft, hat einen Umbruch eingeleitet und sie ungeschlagen durch die Qualifikation geführt.

Und doch ist es noch immer eine Mannschaft der Namenlosen. Nur sechs Spieler spielen außerhalb Griechenlands, darunter Sokratis Papastathopoulos von Werder Bremen, Kiriakos Papadopoulos von Schalke 04 und Konstantinos Fortounis vom 1. FC Kaiserslautern. Einige alte Bekannte gesellen sich noch dazu wie Teofanis Gekas, einst Torschützenkönig der Bundesliga, oder die einzigen verbleiben Helden von 2004, Kapitän Georgios Karagounis und Konstantinos Katsouranis. Und dennoch hat diese Mannschaft viel von damals. In der Qualifikation mit gerade einmal 14 Toren in zehn Spielen wieder keine offensive Offenbarung, aber trotzdem Gruppenerster vor Kroatien. In Gruppe A warten mit Gastgeber Polen, Russland und Tschechien drei Teams, die schwer einzuschätzen sind, wie die Griechen selbst. Dennoch sind die Zeiten vorbei, als eine Leistung wie 2004 noch möglich schien. Griechische Bollwerke, wie sie nach 2004 zum Vorbild für viele Mannschaften wurden, sind nicht mehr uneinnehmbar. Sagen zumindest die Experten. > wird fortgesetzt jbö