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Ringer-Bundesliga: Im Saarland funktioniert die Liga

Ringer-Bundesliga : Im Saarland funktioniert die Liga

Die vier saarländischen Bundesligisten sind mit der neuen Eliteklasse auch dank der Derbys durchaus zufrieden.

Der Hunger auf Ringen scheint zumindest im Saarland groß wie lange nicht. Die Stimmung unter den gut 400 Zuschauern in der Sporthalle der Lindenschule war am Samstag mindestens Viertelfinal-würdig. Dabei rangen mit dem KV Riegelsberg und dem AC Heusweiler die beiden bis dahin sieglosen Kellerkinder der neuen Bundesliga Gruppe West gegeneinander. Über 450 Besucher waren es zuletzt beim Kampf des KSV Köllerbach gegen den ASV Hüttigweiler, über 500 sogar beim Saisonstart Heusweiler gegen Hüttigweiler. „Die Zuschauer nehmen die neue Bundesliga an. Auch weil viele neue Ringer da sind“, sagt Edgar Paulus, sportlicher Leiter beim KV Riegelsberg, „die zahlreichen Derbys und die mediale Begleitung sorgen für Betrieb.“

Doch was bekommt der Zuschauer an Leistungen vorgesetzt? Die Diskussionen um die sportliche Wertigkeit der Bundesliga, die nach dem Wechsel von fünf Spitzenclubs zu einer eigenen Profiliga aus den verbliebenen Erst- und den Zweitligisten gebildet wurde, gehen seit Saisonbeginn unvermindert weiter. „Natürlich haben alle Mannschaften aufgerüstet“, sagt Cacan Cakmak, Trainer des AC Heusweiler, „aber der große leistungsmäßige Sprung gegnüber der 2. Liga ist nicht passiert.“ Es gibt eben Kämpfe wie zwischen Riegelsbergs Serhat Devici und Heusweilers Sebastian Feld am Samstag in der Klasse bis 130 Kilo griechisch-römisch. Devici kämpfte letzte Saison in der Bayernliga, siegte nach nur 135 Sekunden technisch überlegen gegen Feld, einen Oberliga-Ringer, der sich in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. Ein Duell auf bestenfalls überschaubarem Niveau. „Es gab doch schon immer Mannschaften, die den Busfahrer aufstellen mussten, um komplett zu sein“, sagt Paulus, „das Leistungsgefälle wird immer da sein. Dafür sind die Vereine zu unterschiedlich.“

Doch da gibt es auch die Kämpfe auf gutem nationalem Niveau. Wenn Heusweilers Sebastian Janowski gegen Riegelsbergs Marius Braun antritt, wissen beide, was sie im klassischen Stil zu tun haben. Braun ist deutscher Vizemeister in der Klasse bis 80 Kilo, Janowski wurde Dritter bis 85 Kilo. „Es heißt nicht mehr 1. oder 2. Bundesliga“, versucht sich Hüttigweilers Trainer Christoph Gall an einer Einordnung, „es heißt Bundeslig. Und genau das ist es.“

Und es gibt die – zugegeben wenigen – Duelle auf richtig hohem Niveau. Beispielsweise wenn Timo Badusch aus Köllerbach gegen Hüttigweilers Moldawier Mihai Bradu antritt. „Das ist internationale Klasse“, sagt Köllerbachs Mannschaftsverantwortlicher Thomas Geid. Seine Mannschaft wurde in der Hinrunde nie wirklich gefordert. Köllerbach führt mit 12:0 Punkten erwartet einsam die Konkurrenz an. Am Samstag setzte sich der KSV beim Tabellenzweiten Witten mit 17:4 durch. Mit dem Stilartwechsel in der Rückrunde – Gewichtsklassen, die bislang griechisch-römisch gerungen wurden, sind ab dann Freistil und umgekehrt – wird Köllerbach vielleicht sogar noch stärker. Mit Etienne Kinsinger kehrt ein weiterer Top-Athlet in das Aufgebot zurück.

Der aktuell zweitbeste Saarverein in der Bundesliga ist Hüttigweiler auf Platz vier und mit ausgeglichenem Punktekonto. „Damit bin ich durchaus zufrieden“, sagt Trainer Gall, „zumal wir in der Rückserie auch stärker stehen werden, wenn alle an Bord sind.“ Der ASV trotzte am Samstag beim 12:12 dem bisherigen Tabellendritten Aachen-Walheim einen Zähler ab und ist derzeit klar auf Achtelfinalkurs.

Der AC Heusweiler und der KV Riegelsberg zieren dagegen das Tabellenende. Der AC konnte aber mit dem ersten Sieg am letzten Vorrundenkampftag zumindest die rote Laterne an den direkten Konkurrenten abgeben. „Natürlich ist uns ein Stein vom Herzen gefallen“, sagt Cakmak nach dem 18:16-Erfolg. Er und sein Kollege Paulus sind für den weiteren Saisonverlauf aber optimistisch. „Wenn wir komplett sind, können wir gegen jeden Gegner außer Köllerbach mitringen“, sagen beide gleichlautend.