| 21:18 Uhr

Hamburger SV
Im Norden dreht sich die Chaos-Spirale

Investor Klaus-Michael Kühne poltert gerne mal gegen die Vereinsführung des Hamburger SV. Der HSV sei für den Abstiegskampf „ganz und gar nicht gerüstet“, meinte er nun. Dazu kommen Querelen und Machtkämpfe.
Investor Klaus-Michael Kühne poltert gerne mal gegen die Vereinsführung des Hamburger SV. Der HSV sei für den Abstiegskampf „ganz und gar nicht gerüstet“, meinte er nun. Dazu kommen Querelen und Machtkämpfe. FOTO: Axel Heimken / dpa
Hamburg. Vor dem Abstiegsduell dominieren die Negativ-Schlagzeilen: Beim Hamburger SV gab es einen Putschversuch, bei Hannover 96 droht die Übernahme durch Clubboss Kind zu scheitern.

Jetzt weiß Bernd Hollerbach, worauf er sich beim Hamburger SV eingelassen hat. Nach nur zwölf Tagen als neuer Trainer erlebt er Querelen und Machtkämpfe beim Fußball-Bundesligisten hautnah mit. Zunächst wurde eine versuchte Revolte gegen die Vereinsführung bekannt, dann polterte Investor Klaus-Michael Kühne los. So mancher Geschäftsstellen-Mitarbeiter wird Hollerbach am Freitag wohl zugerufen haben: Willkommen beim HSV!



Ein Aufsichtsratsmitglied soll seine fünf Kollegen vor einiger Zeit zum Sturz des Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen und des Sportchefs Jens Todt per Mail aufgefordert haben. Stattdessen wollte er Allrounder Felix Magath installieren. Das Ansinnen wurde abgelehnt. Dass diese Interna an die Öffentlichkeit drangen, liegt vermutlich an der bevorstehenden Neubesetzung des Rates. Diese wird vor der Hauptversammlung der Fußball-AG am kommenden Dienstag vorgenommen.

Kurze Zeit später meldete sich Kühne via „Hamburger Morgenpost“ zu Wort. Der Verein sei für den Abstiegskampf „ganz und gar nicht“ gerüstet, polterte der Milliardär. Der HSV befinde sich in einer prekären Lage. Es fehlten Neuverpflichtungen in der Winterpause. „Ich wurde nicht angefragt, und man hat öffentlich erklärt, dass man meine Hilfe nicht in Anspruch nehmen wolle“, grollte der Teilhaber beleidigt.

Hollerbach will sich mit derartigen Diskussionen nicht aufhalten. „Ich will meine Energie dafür verbrauchen, sportlich alles reinzuhauen“, entgegnete er auf die HSV-typischen Vorgänge. „Das ist nicht mein Thema. Wir wollen uns aufs Wesentliche konzentrieren.“

Das Wesentliche ist jetzt Hannover 96. Nach dem 1:1 bei RB Leipzig am vergangenen Samstag bei Hollerbachs Einstand soll nun bei dessen Heimpremiere an diesem Sonntag (18.00 Uhr/Sky) der erste Hamburger Sieg nach sieben Spielen gelingen. Der Tabellen-Vorletzte braucht dringend drei Punkte. Holt er sie nicht, wird für den dienstältesten Fußball-Bundesligisten die Luft äußerst knapp. Der Abstand zum rettenden Platz 15 beträgt bereits vier Punkte. In den folgenden Wochen geht es zu Borussia Dortmund, dann kommt Bayer Leverkusen. „Ärmel hochkrempeln“, lautet die lakonische Ansage des Trainers. Hollerbach hat als Nachfolger des beurlaubten Markus Gisdol zumindest die Kampfeslust in seiner Mannschaft geschürt.



Auch bei Hannover 96 läuft nicht alles rund. Die angestrebte Übernahme der Mehrheit am Verein durch Club-Präsident Martin Kind steht auf wackligen Füßen. Der DFB will am Montag entscheiden – nach übereinstimmenden Medieninformationen sehr wahrscheinlich gegen Kind. Für den gesamten Profi-Fußball könnte das viel Sprengstoff bedeuten.

Von den Berichten zeigten sich Kind und der Club überrascht und übten Kritik. „Wir bei 96 sind entspannt. Nach unserem Wissensstand ist keine Entscheidung gefallen“, sagte der langjährige Boss des Bundesliga-Clubs.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) erklärte, es sei „bislang keine Entscheidung in Bezug auf den Antrag von Hannover 96 und Martin Kind hinsichtlich der Erteilung einer Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel getroffen“ worden. Allerdings: Das Präsidium werde sich am Montag auf seiner turnusmäßigen Sitzung mit dem Thema beschäftigen. Doch die Tendenz geht zu einer Niederlage von Kind.

„Tagesspiegel“ und bild.de hatten zuvor darüber berichtet, die DFL werde Kind keine Ausnahmeregelung für eine Übernahme der Mehrheitsanteile gewähren. Sollte es so kommen, sind die Folgen klar. Kind hat keine Zweifel daran gelassen, dass er im Falle einer Ablehnung durch die DFL vor Gericht ziehen wird. „Die Alternative ist der Rechtsweg. Das ist von Anfang klar gesagt worden. Das sind die Spielregeln“, hatte Kind noch am Mittwoch gesagt.

Dessen ist sich auch die Liga bewusst, weshalb sie dem Bild-Bericht zufolge hinter den Kulissen bereits an einer Änderung der 50+1-Regel arbeitet. Die Bosse wissen, dass es endlich Rechtssicherheit braucht, um das explosive Thema nicht noch weiter ausufern zu lassen.

Präsident Martin Kind will bei Hannover 96 die Mehrheit am Verein übernehmen.
Präsident Martin Kind will bei Hannover 96 die Mehrheit am Verein übernehmen. FOTO: Peter Steffen / dpa