Im Konzert der Großen

Saarbrücken. Lisa Schorr hat nicht gut geschlafen. "Ich bin immer noch ganz aufgekratzt", sagt die 27-jährige Sprinterin des SV Saar 05 Saarbrücken. Die "Nachwehen" ihres grandiosen Auftrittes bei der deutschen Leichtathletik-Meisterschaft in Ulm am vergangenen Samstag, als sie mit 11,34 Sekunden über 100 Meter so schnell lief wie keine Saarländerin vor ihr, sind immens

Saarbrücken. Lisa Schorr hat nicht gut geschlafen. "Ich bin immer noch ganz aufgekratzt", sagt die 27-jährige Sprinterin des SV Saar 05 Saarbrücken. Die "Nachwehen" ihres grandiosen Auftrittes bei der deutschen Leichtathletik-Meisterschaft in Ulm am vergangenen Samstag, als sie mit 11,34 Sekunden über 100 Meter so schnell lief wie keine Saarländerin vor ihr, sind immens. Ihre Gefühle seien mit ihr "Achterbahn" gefahren, erzählt sie. Den Sonntag im Ulmer Donaustadion hat sie als Zuschauerin einfach nur genossen. Hier eine Gratulation, da ein Klaps auf die Schulter. "Das war die erste DM, bei der ich am zweiten Tag nicht mit mir gehadert habe", sagt Lisa Schorr.

Irgendwann dann in der Nacht zu Montag schlief sie ermattet ein - in dem Bewusstsein, "dass ich endlich einmal das auf die Bahn gebracht habe, was ich kann". Was sie kann, liest sich in nüchternen Zahlen so: Bronze - ihre erste Medaille bei einer deutschen Meisterschaft bei den Aktiven -, Verbesserung des Saarlandrekordes von Shanta Ghosh (11,46 Sekunden) und die Tür zur Weltmeisterschaft in Berlin im August weit aufgestoßen. Und was ihr besonders Probleme beim Verarbeiten der Geschehnisse bereitet: "Ich bin im Moment die sechstschnellste Frau in Europa in diesem Jahr. Das kann ich gar nicht richtig zuordnen."

Schorrs Leistungs-Explosion kommt für viele überraschend - für sie selbst nur bedingt. Seit Jahren wird sie als großes Talent gehandelt - zeigen konnte sie es nur selten. "Dass man weiß, was man kann, ist das eine - es dann auch zu machen, ist das andere", sagt sie. Jahrelang plagte sie sich mit Wehwehchen herum, so dass ihr Vater und Trainer Werner Schorr ihr schon riet, den Leistungssport an den Nagel zu hängen. "Du kriegst hautnah mit, wie sie leidet, darfst es aber als Trainer ja nicht zeigen", beschreibt er die "ekelhafte Situation" seiner Doppelfunktion. Umso stolzer ist er jetzt auf das, was seine Tochter in Ulm abgeliefert hat. "Es ist unglaublich, welch einen langen Atem Lisa bewiesen hat", erzählt der Vater, "fast zehn Jahre hat sie mit und gegen die Probleme angekämpft".

Diese Probleme gehören seit gut einem Jahr der Vergangenheit an. "Seit 13 Monaten können wir an der Leistung und nicht um die Probleme herum arbeiten", erklärt Werner Schorr, "das hat sich nun ausgezahlt". Gott sei Dank, wie Lisa bestätigt: "Die Arbeit hat sich gelohnt, nach diesem Moment habe ich gehungert. Sonst wäre die Sache mit dem Leistungssport irgendwann unglaubwürdig geworden." Und natürlich fällt der Dank an den Vater groß aus: "Er ist der Mensch, mit dem ich diese ganzen Krisen durchlebt habe. Jetzt wissen wir: Alles wird gut."

Die Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme mit der 4x100-Meter-Staffel sind nun natürlich groß. Wenn der DLV heute die nächsten Nominierten für die Weltmeisterschaft bekannt gibt, stehen die Chancen, dass Lisa Schorrs Name verkündet wird, bei "50:50", schätzt sie. Die Signale, dass sie spätestens nach der DLV-Gala am 2. August in Wattenscheid ihr WM-Ticket erhält, sind aber da. Bundestrainer Rüdiger Harksen hat sie zum WM-Trainingslager nach Kienbaum in der kommenden Woche beordert. "Ich werde alle Maßnahmen vor der Weltmeisterschaft mitmachen", freut sich Schorr.

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