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2. Handball-Bundesliga
Im Abstiegsfall kündigt sich ein Umbruch an

Philipp Kessler (MItte) schwört seine Mannschaft ein, bislang ohne Erfolg. Seine Bilanz als Trainer ist alles andere als berauschend.
Philipp Kessler (MItte) schwört seine Mannschaft ein, bislang ohne Erfolg. Seine Bilanz als Trainer ist alles andere als berauschend. FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Die HG Saarlouis muss bei acht Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz für die 3. Liga planen. Heute Abend kommt Balingen. Von Sebastian Zenner

Die Wahrscheinlichkeit, dass die HG Saarlouis nach neun Jahren aus der 2. Handball-Bundesliga absteigt, ist hoch. Obwohl rechnerisch noch alles drin ist. Der letzte der insgesamt nur vier Siege aus 27 Spielen ist schon vier Monate her. 13 Mal blieb die HG Saarlouis seither in Folge sieglos – teilweise gegen direkte Konkurrenten. Bei noch elf anstehenden Spielen beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer acht Punkte. Es ist also höchste Zeit, sich mit der 3. Liga auseinanderzusetzen.


„Die beiden Junioren-Nationalspieler stehen als Abgänge fest. Sonst gibt es bisher noch keine“, sagt der HG-Vorsitzende Richard Jungmann zur zweigleisigen Kaderplanung für die kommende Saison. Lars Weissgerber wechselt zu Erstligist HSG Wetzlar, Jerome Müller zum abstiegsbedrohten Erstligisten Eulen Ludwigshafen. „Einige Spieler stehen über das Saisonende hinaus bei uns unter Vertrag – manche nur für die 2. Liga. Dennoch haben wir mit den Spielern gesprochen. Ihre Entscheidungen sind noch offen“, erklärt Jungmann. Die Verträge der Torhüter Patrick Schulz und Darius Jonczyk sowie von Arthur Muller, Julius Lindskog Andersson, Falk Kolodziej und Pascal Noll laufen bis 2019. Welche davon in der 3. Liga Gültigkeit besitzen, will Jungmann nicht verraten, „weil die Spieler ja auch mit anderen Vereinen sprechen. Das gehört zum guten Stil“. Denkbar ist dies bei den Perspektivspielern Noll und Kolodziej.

Die Verträge von Kapitän Martin Murawski, Yann Polydore, Michael Schulz, Philipp Leist, Marcel Engels, Moritz Barkow und des am Knie operierten und bis Saisonende ausfallenden Peter Walz sowie der Ergänzungsspieler Tom Paetow, Max Hartz, Julian Kreis und Sven Klein laufen zum Saisonende aus. An einer Vertragsverlängerung mit dem seit seiner Verpflichtung 2015 enttäuschenden Yann Polydore dürfte der Verein nicht interessiert sein.

Der nach einem Kreuzbandriss schmerzlich vermisste Vorkämpfer Walz macht derzeit in der Reha große Fortschritte, kann seinem Team in der laufenden Saison aber nicht mehr helfen. „Der Verein hat mir signalisiert, dass er mit mir verlängern möchte. Aber es steht noch nichts fest“, sagt der Polizist. Kapitän Murawski mutmaßte schon, dass die finanziellen Vorstellungen nach dem Abstieg nicht vereinbar sein könnten (wir berichteten). Gut vorstellbar ist hingegen, dass neben den Torhütern die Saarländer Schulz und Walz der HG erhalten bleiben. Leist hat bereits gesagt, dass er weitermachen möchte – dazu die Talente Paetow, Hartz und Kreis, die nach dem möglichen Abstieg auf mehr Einsatzzeit hoffen dürfen.

Die Hoffnung auf das Handball-Wunder ist bei den Verantwortlichen noch nicht gestorben, trotzdem müssen die Planungen für den schlimmsten Fall laufen, sagt HG-Trainer Philipp Kessler: „Alles andere wäre fahrlässig.“ Er will auch im Falle des Abstiegs „eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen“. Denn: „Der Vorstand hat mir das absolute Vertrauen ausgesprochen und gefragt, ob ich weitermachen würde. Ich sehe mich in der Verantwortung und stehe auch in der 3. Liga zur Verfügung“, stellt Kessler klar und ergänzt: „Ich will nicht während der Saison auf die Trainerbank kommen und dann sagen: Nach mir die Sintflut.“



Den Gang in die 3. Liga trete er nicht an, um dort die Klasse zu halten: „Den direkten Wiederaufstieg auszugeben, wäre ebenfalls vermessen. Eine genaue Zielrichtung wird besprochen, wenn die Mannschaft steht. Aber erst einmal will ich in der laufenden Runde das Beste herausholen“, sagt Kessler. „Alle handelnden Personen signalisieren, auch im Falle des Abstiegs dabeibleiben zu wollen“, versichert Jungmann: „Das gilt auch für meine Person. Es sei denn, es würden sich überraschenderweise andere Wünsche auftun. Wir beabsichtigen, den prominenten Handball-Standort Saarlouis nicht untergehen zu lassen.“

Bevor der Kader zusammengestellt wird, der dies bewerkstelligen kann, muss der finanzielle Rahmen klar sein. Das Zweitliga-Budget ist gesichert. „Die Resonanz unserer aktuellen Sponsoren ist sehr gut. Wir haben hier ein äußerst vertrauensvolles und persönliches Verhältnis“, beschreibt der HG-Macher der letzten zwölf Jahre und ergänzt: „Natürlich befinden wir uns mit Sponsoren in Gesprächen, wie es in der 3. Liga weitergehen würde. Hier sind einige Regelungen schon getroffen, andere sind noch offen. Ich darf aber anmerken, dass wir noch nicht abgestiegen sind und bei noch elf ausstehenden Spielen durchaus noch die Klasse halten können.“ Die Hoffnung stirbt in Saarlouis eben zuletzt. Aber wenn die HG noch eine Chance haben will, sind Siege nötig. Auch heute Abend im Heimspiel gegen den Achten HBW Balingen-Weilstetten (19.30 Uhr, Stadtgartenhalle).