Ihre letzte Chance

Die Vorzeichen sind unterschiedlich, das Objekt der Begierde aber gleich: Die Ex-Weltmeister Robert Stieglitz und Felix Sturm boxen diesen Samstag um einen Kampf gegen WBO-Weltmeister Arthur Abraham.

Robert Stieglitz möchte den nächsten WM-Kampf, Felix Sturm die alte Wertschätzung - und beide wollen schon bald Arthur Abraham , WBO-Weltmeister im Supermittelgewicht, vor die Fäuste: Das Duell der zwei Ex-Weltmeister an diesem Samstag in Stuttgart (ab 22.30 Uhr/Sat. 1) ist daher eigentlich "nur" die Ouvertüre für einen Mega-Kampf in 2015. Die gegenseitige Abneigung aber barg schon vor dem ersten Gong jede Menge Zündstoff. "Ich glaube, früher war er besser", stichelte der 33-jährige Stieglitz in Richtung Sturm: "Seine letzten Kämpfe waren nicht so brisant, da hat er nicht so gut ausgesehen." Auch deshalb stellte der Magdeburger unmissverständlich klar, dass Sturm "nach unserem Kampf in Rente gehen muss".

Der zwei Jahre ältere Sturm, der mit zwei Niederlagen aus den vergangenen vier Kämpfen tatsächlich nicht überzeugt hatte, stellte indes demonstrativ auf Durchzug: "Ich habe kaum verstanden, was er gerade gesagt hat." Er wisse, entgegnete der Leverkusener viel lieber, "dass ich noch drei, vier gute Jahre vor mir habe. Und jetzt werden wir Taten sprechen lassen". Die psychologische Kriegsführung in der Woche vor dem Duell war nur das letzte von zahlreichen (leidigen) Kapiteln. Sturm beispielsweise will unbedingt nach Stieglitz in den Ring laufen - weil er als viermaliger Ex-Weltmeister ja "den größeren Stellenwert" besitze als sein Widersacher (zwei Titel). Zudem solle Stieglitz gefälligst eine andere Farbe der Handschuhe wählen, weil Sturm selbst die eigenen "auf das gesamte Outfit abstimmt". Stieglitz spottete: "Jeder hat eben seine Macken."

Für zusätzliche Verwirrung sorgten die offiziellen Rahmenbedingungen des Kampfes. So einigten sich beide Lager nach langen Diskussionen auf ein Gewichtslimit von 75,5 Kilogramm - für Supermittelgewichtler Stieglitz (bis 76,2 Kilogramm) und Mittelgewichtler Sturm (bis 72,5) eine annehmbare Grenze. Weil diese Gewichtsklasse allerdings die WBO nicht führt, "hat der Verband mit diesem Kampf nichts zu tun", erklärte Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer.

Die Konsequenz: Lediglich Stieglitz erhält bei einem Triumph als Pflichtherausforderer einen WM-Kampf gegen Titelverteidiger Abraham - es wäre ihr viertes Duell. Für Sturm, der noch keinen Kampf im Supermittelgewicht bestritten hat, ginge es 2015 gegen "King Arthur" nur um Prestige.

Box-Ikone Henry Maske erwartet an diesem Samstag in Stuttgart einen heißen Tanz. "Beide müssen Farbe bekennen, Felix ein bisschen mehr", sagte der 50-Jährige. Von Stieglitz erwarte er "wie immer große Einsatzbereitschaft", von dem zuletzt schwächelnden Sturm "die Rückbesinnung auf seine alten Qualitäten, auf boxerische Klasse".

Wer auch immer die Halle in Stuttgart als Gewinner verlassen wird - die deutschen Boxfans jedenfalls dürfen sich schon jetzt als Sieger fühlen. Ein brisantes deutsches Duell steht bevor, ein wohl noch spannenderes befindet sich bereits in der Vorbereitung. "Gewichtsklasse, Titel - letztlich ist es Banane, um was es geht. Die Leute wollen diese tollen Kämpfe, und die werden kommen", versprach Pütz.