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Ihr Sinneswandel wird zum Glücksfall für den Verein

Ihr Sinneswandel wird zum Glücksfall für den Verein

Die Volleyballerinnen des TV Holz werden in die 2. Bundesliga aufsteigen – und sie können dies sogar noch als Meister der 3. Liga Süd tun. Die Erfolgs-Geschichte des Vereins ist eng mit dem Namen Doris Wandel verbunden.

Die "Grande Dame" hat beim TV Holz schon alles erlebt. Meisterschaften, Pokalsiege, Aufstiege, Abstiege, Rücktritte und Comebacks. Und jetzt schreibt Doris Wandel selbst ein Stück Volleyball-Geschichte: Da der Aufstieg in die 2. Bundesliga schon vor dem letzten Saisonspiel an diesem Sonntag feststeht, wird die 48-Jährige die Erste sein, die mit dem TV Holz als Spielerin und Trainerin in der Bundesliga aktiv sein wird.

Die Frage, ob genau das ihr großer Traum gewesen sei, quittiert Wandel mit einem lauten Lachen. "Nein, ich war immer froh, als Co-Trainerin von Bernd Zewe zu arbeiten. Mehr wollte ich nicht", sagt sie. Genau deswegen hatte sie nach Zewes Rücktritt im Dezember aus beruflichen Gründen auch zunächst angekündigt, nur bis Saisonende die Verantwortung zu übernehmen. Aber unter Wandel ging die Erfolgs-Serie der proWin Volleys ungebremst weiter. Am letzten Spieltag der 3. Liga Süd kann Holz mit einem Sieg gegen den Tabellenführer SV Sinsheim, der keine Lizenz für die 2. Liga beantragt hat, sogar noch Meister werden. Los geht es um 15 Uhr in der Heusweiler Realschulhalle.

Wandels Sinneswandel hat zwei Gründe. "Einige Spielerinnen haben ihr Bleiben in Holz davon abhängig gemacht, ob ich Trainerin bleibe oder nicht", sagt sie und fühlte sich in ihrem Tun bestätigt. Zumal auch der Verein sich in die richtige Richtung entwickle, die zweite Ursache. "Mich begeistert das Konzept des Vereins, der mit jungen, saarländischen Spielerinnen arbeiten will. Wir haben bereits eine sehr junge Mannschaft, die viel Potenzial hat und sich weiterentwickeln kann. Das ist etwas, das mich reizt", erläutert Wandel.

Volleyball unter Leistungskriterien hat die examinierte Erziehungswissenschaftlerin und Leiterin der Nachmittagsbetreuung in der Grundschule Heusweiler schon immer fasziniert. Wandel spielte schon in der DDR sehr erfolgreich Volleyball, wurde 30 Mal in die DDR-Juniorenauswahl berufen. Als die Mauer fiel, siedelte sie ins Saarland um und schloss sich dem Zweitligisten TV Fechingen an.

1991 traf sie beim Joggen zufällig auf Bernd Zewe, der Wandel während des Laufens zu einem Wechsel zum TV Holz überredete. Unter Zewe und mit Zuspielerin Wandel stieg der Verein innerhalb von fünf Jahren aus der Kreisklasse bis in die 2. Liga auf. Im Mai 2002 erklärte Wandel ihr Karriereende - und kehrte im Januar 2010 als Co-Trainerin und Aushilfsspielerin zu Zewe zurück. Klar, dass nach Zewes Rücktritt niemand besser zur Mannschaft und zum Konzept des TV Holz passte als sie.

Und Wandel will den Weg weiterverfolgen, will weitere saarländische Talente an die 2. Liga heranführen, so wie es Zewe mit Tochter Lena, mit Michelle Grandinetti oder Beatrice Blass, die schon seit sieben Jahren dabei sind, vorgemacht hat. "Ich will helfen, dieses Konzept umzusetzen", sagt sie und verweist auf den Unterschied zum Zweitliga-Team der Neunziger. Damals setzte der Verein auf osteuropäische Spielerinnen wie Luba Kudlikova oder Viktorija Safranowa. Jetzt spielen im Team fast ausschließlich Saarländerinnen.

Und auch der Unterbau stimmt: Die Nachwuchsarbeit ist gut, die 2. Mannschaft ist Meister der Verbandsliga geworden und steigt in die Oberliga auf. "In dieser zweiten Mannschaft spielen ein paar 14-Jährige, die großes Talent haben", freut sich Wandel. Sie werden zur nächsten Generation heranwachsen - unter den Fittichen der "Grande Dame" des Holzer Volleyballs.