"Ich war den Tränen nah"

Frankfurt. Die Entscheidung über den Einspruch von Hertha BSC gegen die Wertung des Relegations-Rückspiels bei Fortuna Düsseldorf fällt erst am Montag. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes vertagte sich am Freitag in Frankfurt nach mehr als sechsstündiger Beweisaufnahme. Die Verhandlung soll am Montag fortgesetzt werden. Dann soll um 15 Uhr das Urteil verkündet werden

 Hetzjagd? Die Hertha-Profis Peter Niemeyer, Christian Lell und Andre Mijatovic (von links) verfolgten Schiedsrichter Wolfgang Stark (ganz links) bis vor die Kabine. Foto: Streubel

Hetzjagd? Die Hertha-Profis Peter Niemeyer, Christian Lell und Andre Mijatovic (von links) verfolgten Schiedsrichter Wolfgang Stark (ganz links) bis vor die Kabine. Foto: Streubel

Frankfurt. Die Entscheidung über den Einspruch von Hertha BSC gegen die Wertung des Relegations-Rückspiels bei Fortuna Düsseldorf fällt erst am Montag. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes vertagte sich am Freitag in Frankfurt nach mehr als sechsstündiger Beweisaufnahme. Die Verhandlung soll am Montag fortgesetzt werden. Dann soll um 15 Uhr das Urteil verkündet werden. Hertha hatte nach der 2:2 ausgegangenen Skandalpartie in Düsseldorf Protest eingelegt. Weil Fortuna-Anhänger schon vor dem Abpfiff den Rasen stürmten, hatte Schiedsrichter Wolfgang Stark das Spiel für 21 Minuten unterbrochen und später für nur 93 Sekunden wieder angepfiffen.Zwei Beisitzer hatte der Kontrollausschussvorsitzende Hans E. Lorenz, darunter auch Andreas Abel, Rechtsanwalt aus St. Ingbert. Die Verhandlung dauerte daher so lange, da sie sehr viele Zeugen vernehmen mussten. Schiedsrichter Stark war der Hauptzeuge. Er erklärte dem Sportgericht, er sei nach dem Abpfiff von Berliner Spielern angegriffen und am Kopf verletzt worden: "Der Spieler Kobiaschwili hat mit ausgestrecktem Arm, mit der Faust in meine Richtung geschlagen. Ich duckte mich kurz ab und wurde am Hinterkopf getroffen", sagte der Unparteiische aus Ergolding. Er habe ein Hämatom am Hinterkopf erlitten - und damit noch Glück gehabt.

Denn Stark stand nach eigenen Angaben bei dem Schlag ganz oben auf der Treppe zu den Katakomben des Düsseldorfer Stadions. Er stürzte nur deswegen nicht die fünf bis sechs Meter in die Tiefe, weil er sich am Geländer festhalten konnte. "Man kann sich ja ausrechnen, was sonst passiert wäre", sagte der Unparteiische.

Unten an der Treppe sei die "Hetzjagd" weitergegangen. Hertha-Profi Christian Lell habe ihn am Arm gepackt. Stark selbst sei als "Du feige Sau!" und "Du feiges Schwein!" beleidigt worden. Und die Spieler ließen offenbar nicht locker. Vier bis fünf Berliner Profis versuchten angeblich, die Schiedsrichter-Kabine zu stürmen. Stark und seine Assistenten versuchten, die Tür zuzuhalten. Draußen will Stark unter anderem Hertha-Kapitän Andre Mijatovic und Torhüter Thomas Kraft gesehen haben. "Stark, du Arschloch", habe der Torwart gebrüllt. Mijatovic soll ihn "Wichser" genannt haben.

Der DFB-Kontrollausschuss hat Ermittlungen gegen Levan Kobiaschwili, Lell, Kraft und Mijatovic eingeleitet. Darüber wurde bei der Verhandlung am Freitag vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes aber nicht verhandelt, wie der Vorsitzende Richter Hans Lorenz erklärte.

Obwohl Stark schon einmal Tumulte als Schiedsrichter miterlebt hat, hatten die "Jagdszenen" in Düsseldorf auch für den erfahrenen Unparteiischen eine neue Dimension. "Ich hatte Angst nach dem Spiel", sagte Stark. "Ich war den Tränen nah. Ich musste mir auf die Lippen beißen. So etwas habe ich in meiner Schiedsrichter-Laufbahn noch nicht erlebt." dpa

Foto: Abel