| 20:46 Uhr

„Ich kann den Sportlern in die Augen schauen“

Rio de Janeiro. Mehr als 250 russische Athleten werden in Rio an den Start gehen – IOC-Boss Thomas Bach findet das okay. Unterdessen kritisiert Dopingermittler McLaren das IOC hart. Es habe noch nichtmal mit ihm geredet. dpa/sid

Einen Tag vor dem Beginn der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro sorgte der Tauglichkeits-Check für russische Sportler beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS ) und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für hektische Betriebsamkeit. Nach der weltweiten Kritik über ein vermutliches Staatsdoping-System in Russland dürfte im fernen Moskau aber Zufriedenheit eingekehrt sein. Ein stattliches Team von mehr als 250 russischen Athleten wird in den kommenden 16 Tagen um olympische Medaillen kämpfen.


"Ich kann den Sportlern in die Augen schauen, weil ich ein reines Gewissen habe", sagte IOC-Präsident Thomas Bach . Und: "Wir können eine klare Botschaft an saubere Athleten senden: Man kann erfolgreich sein außerhalb eines solchen Systems."

Russische Athleten in den Sportarten Boxen, Judo, Schießen, Tennis, Handball und Volleyball erhielten als erste die Starterlaubnis. Auch die beiden Wackelkandidaten im Schwimmen, Wladimir Morosow und Nikita Lobinzew, wurden von der IOC-Kommission um Athletensprecherin Claudia Bokel durchgewunken. Der Schwimm-Weltverband FINA hatte beide Athleten zunächst für Rio gesperrt. Nachdem allerdings der CAS die Entscheidung am Mittwoch revidiert hatte, gab auch das Dreier-Gremium des IOC grünes Licht.

Doping-Ermittler Richard McLaren kritisierte das Vorgehen und warf dem IOC eine Verfälschung der Ergebnisse seines Berichts vor. "Die Leute haben missverstanden, was in dem Report war, besonders das IOC und die internationalen Verbände", sagte er der Zeitung "Guardian". Sein Bericht habe nicht zum Ziel gehabt, die Dopingvergehen von Athleten nachzuweisen. Er bezeichnete die Debatte als "nicht ehrlich und pragmatisch", sondern als "hysterisch und politisch". Zudem kritisierte er, das IOC habe mit ihm nie über den Bericht gesprochen.

Der wohl brisanteste Fall im Prüf-Marathon war der der Schwimmerin Julia Jefimowa. Die Russin ist als frühere Dopingsünderin für Rio gesperrt. Diese Maßnahme hatte das IOC für alle vorbelasteten russischen Sportler beschlossen und damit entgegen des Reglements entschieden. Jefimowa hatte sich damit aber nicht abgefunden und den CAS angerufen. Schließlich hatte der Sportgerichtshof schon 2011 die Osaka-Regel gekippt, wonach Sportler nach einem Dopingvergehen an den folgenden Spielen nicht teilnehmen durften. Wie schwer sich die Juristen taten, zeigte, dass ein Urteil in dem Fall immer wieder verschoben wurde.



Einfacher war es da in anderen Sportarten. Dass alle elf russischen Judoka teilnehmen werden, dürfte Putin besonders freuen. Judo-Weltverbands-Chef Marius Vizer unterhält eh beste Kontakte zum russischen Staatschef, der Ehrenpräsident des Weltverbandes ist.

Im Boxen sind elf, im Schießen 18, im Bogenschießen drei und im Tennis acht russische Sportler dabei. Auch das 17-köpfige Frauen-Handball-Team wurde komplett zugelassen, ebenso wie die Teams im Volleyball sowie im Beachvolleyball. Auch Golferin Maria Wertschenowa darf beim Olympia-Comeback ihrer Sportart nach 112 Jahren mitwirken. Gleiches gilt für die sechs russischen Segler, die drei Tischtennis- und vier Badminton-Spieler sowie die fünf Reiter.

Selbst der russische Kanufahrer Andrej Krajtor wurde zugelassen, was das russische NOK sogar vor Probleme stellte. Nach der Sperre durch den Kanu-Weltverband war bereits Ersatzmann Iwan Schtyl nominiert worden. Dieser soll auch starten.