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„Ich bin wie die anderen“

Der frühere Saarbrücker und Lauterer Chadli Amri muss sich in Homburg weiter mit der Zuschauerrolle begnügen. Foto: Schlichter
Der frühere Saarbrücker und Lauterer Chadli Amri muss sich in Homburg weiter mit der Zuschauerrolle begnügen. Foto: Schlichter FOTO: Schlichter
Homburg. Über 100 Bundesliga- und Zweitligaspiele hat Chadli Amri auf dem Buckel. Jetzt spielt der 30-Jährige in der 4. Liga beim FC Homburg. Gegen Hessen Kassel ist ein Einsatz von Amir aber wohl noch kein Thema. Ralph Tiné

Nachdem das Auftaktspiel gegen Kickers Offenbach abgesagt worden war, fängt die Rest-Rückrunde der Fußball-Regionalliga für den FC Homburg mit einer Woche Verspätung an. Beim KSV Hessen Kassel gibt der FCH am Samstag um 14 Uhr seinen Jahreseinstand. Ob Stürmer Patrick Schmidt in der Startelf stehen wird, wird sich erst kurzfristig entscheiden. Der Toptorjäger (neun Treffer) konnte wegen einer Sehnenreizung im Knie bis Donnerstag nicht trainieren. Gleiches gilt für Jaron Schäfer, der im Training unliebsame Bekanntschaft mit dem Torpfosten machte und sich eine Knieprellung zuzog.

Ein Spieler, auf den die Homburger Anhängerschaft mit Spannung wartet, wird in Kassel ziemlich sicher fehlen. Der im Januar verpflichtete Chadli Amri hat zwar seit Mittwoch endlich die lang erwartete Freigabe, wird aber wegen Trainingsrückstands am Samstag wohl noch nicht zum Kader gehören. "Er ist von der Fitness her noch nicht so weit", erklärt FCH-Trainer Jens Kiefer das Fehlen des Außenbahnspielers.

Nach einer Wadenverletzung hatte der Franko-Algerier nach eigenen Worten "zu früh wieder angefangen" und konnte deshalb erst vor zwei Wochen ins Mannschaftstraining einsteigen. Gleichwohl sieht er sich "immer besser in Form. Ich muss jetzt nur wieder meinen Rhythmus finden". 40 Bundesliga- (für den FSV Mainz 05 und den 1. FC Kaiserslautern ) und 73 Zweitligaspiele (FSV Frankfurt , Mainz, 1. FC Saarbrücken ) hat Amri auf dem Buckel. Nach seinem Abschied vom FCK und seinem Wechsel zum algerischen Erstligisten MC Oran 2013 wurde es ruhig um den 30-Jährigen.

"Ich hatte mir in Frankfurt, wohin ich vom FCK ausgeliehen war, einen schlimmen Schienbeinbruch zugezogen und danach in Kaiserslautern keinen Vertrag mehr bekommen. Da es in Deutschland keine guten Möglichkeiten für mich gab, ich aber meine Chance wahren wollte, mit der algerischen Nationalmannschaft bei der WM zu spielen, bin ich nach Algerien gegangen", erzählt Amri vom Wechsel zum MC Oran. Jedoch entpuppte sich der Schritt nach Algerien als "keine gute Entscheidung", da der Verein seinen Zahlungen gegenüber dem Spieler nicht nachkam. "Die haben noch Schulden bei mir, deshalb bin ich weg", sagt er.

Im letzten Jahr unterschrieb er dann bei der SV Elversberg , wurde aber wegen der fehlenden Freigabe seines algerischen Ex-Vereins wieder aus dem Vertrag entlassen. Nun will er als reiner Amateur bei den Grün-Weißen wieder auf sich aufmerksam machen. Als etwas Besonderes fühlt sich der ehemalige Bundesligaprofi nicht im Geringsten: "Ich bin kein Star. Ich bin wie die anderen. Ich spiele jetzt 4. Liga und muss mit der Mannschaft versuchen, Gas zu geben." Homburg ist mehr für Amri als ein Sprungbrett zu einem neuen, höherklassigeren Verein. "Warum sollte ich nicht bleiben, wenn es hier gut läuft? Wenn ich nächste Saison noch da bin, werden wir zusammen auf jeden Fall die Aufstiegsplätze angreifen", gibt sich der Flügelflitzer kämpferisch. Die Voraussetzungen sind gut: "Ich bin viel umhergereist und habe Fehler gemacht. Ich habe jetzt eine Frau und zwei Kinder und denke für vier. Von hier aus habe ich nicht weit nach Frankreich und zu meiner Familie", sagt der gebürtige St. Avolder.