„Ich bin kein Dieb“

„Ich bin kein Dieb“

Italiens Fußball steht nach dem bitteren WM-Aus vor einem Scherbenhaufen. Trainer Cesare Prandelli verabschiedete sich nach der entscheidenden 0:1-Niederlage gegen Uruguay mit mehr als deutlichen Worten.

Als Cesare Prandelli seinen denkwürdigen Rundumschlag nach dem WM-Aus des italienischen Fußball-Nationalteams beendet hatte, herrschte für einen Moment ungläubige Stille. Dann erhob sich der "Mister" und verabschiedete sich durch die Seitentür. Wohl für immer.

Vorausgegangen war eine teilweise absurde Pressekonferenz, in der der Trainer alles und jeden angriff, bevor er über seine Zukunft sprach. "Ich übernehme die Verantwortung und trete zurück", sagte er und schaute hinüber zum Verbandspräsidenten. "Ich trete auch zurück", sagte Giancarlo Abete, "hoffe aber, dass Cesare seine Entscheidung überdenkt". Darauf Prandelli: "Mein Entschluss steht ebenso fest wie der von Giancarlo."

Was Prandelli auf die Palme brachte, war nicht nur das 0:1 gegen Uruguay und das WM-Aus nach der Vorrunde. Der 56-Jährige beklagte vor allem den Umgang mit ihm nach der im Frühjahr erfolgten Vertragsverlängerung. Italienische Medien hatten das Millionen-Gehalt Prandellis in Zeiten der wirtschaftlichen Krise hinterfragt und zudem von Zahlungen an der Steuer vorbei berichtet. "Ich weiß nicht, was nach der Vertragsverlängerung passiert ist, aber plötzlich wurde uns vorgeworfen, dass wir dem Staat Geld wegnehmen. Ich habe immer meine Steuern gezahlt. Ich möchte nicht, dass jemand sagt, dass ich ein Dieb bin."

Tief enttäuscht waren auch die Spieler, die nach dem guten Auftakt gegen England (2:1) keinen Punkt mehr holten. "Wir haben versagt", sagte Torhüter Gianluigi Buffon und übte unverhohlen Kritik an den jüngeren Spielern. Angesprochen fühlen durfte sich allen voran Mario Balotelli (23). Gefragt nach dem Stürmer, der erneut eine ganz schwache Leistung zeigte, sagte Prandelli: "Balotelli war Teil des Projektes, und es war kein siegreiches Projekt."

Kapitän Buffon wurde noch deutlicher: "Oft hört man, dass es zu einem Wechsel kommen sollte, dass Buffon, Pirlo, De Rossi, Chiellini und Barzagli alt sind. Die Wahrheit ist, dass diese Spieler immer in der ersten Reihe sind, wenn es ums Arbeiten geht. Man muss sie ein bisschen mehr respektieren, nicht nur wegen dem, was sie einmal waren, sondern wegen dem, was sie heute noch sind", sagte der 36-Jährige.

Ob die Spieler der alten Garde abtreten werden, blieb offen. Sicher war nach dem denkwürdigen Abend nur: Cesare Prandelli wird für einen Neuanfang nicht zur Verfügung stehen.

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