| 20:29 Uhr

Humpelnd ins Schlüsselspiel

Lissabon. Der Krankenstand ist bedenklich, doch der BVB will trotz anhaltender Personalnot die Tabellenführung in der Champions League verteidigen. Dazu muss die Notelf jedoch mehr zeigen als beim 1:1 gegen Hertha BSC. Agentur

Thomas Tuchel fühlte sich an seine Zeit als Trainer der Mainzer Jugend erinnert. Gleich fünf Spieler von Borussia Dortmund , die den Flieger nach Portugal bestiegen, waren jünger als 20 Jahre. Verletzungssorgen zwingen Tuchel im Schlüsselspiel der Champions League bei Sporting Lissabon (heute, 20.45 Uhr/Sky) erneut zu einer Verjüngung. Angesichts dieses Handicaps quittierte Sportdirektor und Ex-Profi Michael Zorc die scherzhafte Frage, ob er seine Fußball-Schuhe im Gepäck habe, mit einem gequälten Lächeln. "Das würde nicht helfen."



Der hohe Krankenstand trifft den BVB zur Unzeit. Denn nach Einschätzung von Zorc fällt in den beiden Duellen mit den Portugiesen die Entscheidung, wer es in die K.o.-Runde des Wettbewerbs schafft: "Man muss kein Prophet sein, wenn man behauptet, dass die Spiele gegen Lissabon eine bedeutende Wirkung für die Gruppe haben." Der 54 Jahre alte Sportdirektor machte eine einfache Rechnung auf: "Real Madrid wird sich am Ende durchsetzen. Dann geht es darum, wer im Vergleich mit Lissabon die stärkere Mannschaft ist."

Noch befindet sich der BVB nach dem 6:0 bei Legia Warschau und dem 2:2 gegen Real Madrid in einer guten Ausgangslage. "Wir sind Erster in der Gruppe. Das wollen wir auch bleiben", sagte Torhüter Roman Bürki. Doch das Fehlen diverser Stammkräfte dürfte dieses Vorhaben erheblich erschweren. Wie knifflig es ist, mit Jungspunden wie Emre Mor, Ousmane Dembélé, Christian Pulisic und Felix Passlack den eigenen Ansprüchen zu genügen, bekam der BVB schon beim 1:1 am Freitag gegen Hertha BSC zu spüren. "Ich habe nicht gedacht, dass wir so früh in der Saison so jung und unerfahren spielen werden", sagte Tuchel im Anschluss.

Zu allem Überfluss wurden die gegen die Berliner als "Notnägel" eingesetzten Joo-Ho Park und Mikel Merino nicht für die Champions League gemeldet und sind für Lissabon keine Alternative. Hinzu kommen die Langzeitausfälle Sven Bender , Erik Durm und Marco Reus . Auch Weltmeister André Schürrle , Europameister Raphael Guerreiro, Regisseur Gonzalo Castro, Außenverteidiger Marcel Schmelzer und Angreifer Adrian Ramos stehen nicht zur Verfügung.

Immerhin reisten die Rekonvaleszenten Lukasz Piszczek und Sokratis mit in Portugals Hauptstadt. "Wir haben noch Hoffnung, dass sie vielleicht einsatzfähig sind", kommentierte Zorc. Zudem könnte Marc Bartra seine Rückkehr feiern. Es spendet den Dortmundern nur wenig Trost, dass auch der Gegner um den Ex-Wolfsburger Bast Dost nicht in Bestbesetzung auflaufen kann. So muss Sporting in beiden Spielen gegen den BVB ohne den wichtigen Kapitän Adrien Silva auskommen. Zudem kann Trainer Jorge Jesus die Partie nur von der Tribüne aus verfolgen. Sein heftiger Protest im Spiel bei Real Madrid (1:2) hatte ihm zwei Spiele Sperre eingebracht.