HSV vor dem Aus, Freude in Saarlouis

HSV vor dem Aus, Freude in Saarlouis

Handball-Bundesligist HSV Hamburg ist gestern auch in zweiter Instanz die Lizenz für die nächste Saison verweigert worden. Der Club steht wegen seiner Finanzprobleme vor dem Aus, während die HG Saarlouis aufatmen kann.

Der Handballsport in Deutschland erlebt mit dem bevorstehenden Aus des Topclubs HSV Hamburg ein Erdbeben, von dem das Saarland allerdings verschont bleibt. Denn wenn der HSV aus der 1. Liga raus muss, bleibt die HG Saarlouis in der 2. Bundesliga drin - und danach sieht es aus.

Der finanziell schwer angeschlagene HSV hat auch im zweiten Anlauf keine Lizenz für die kommende Saison 2014/2015 erhalten. Dies teilte das Präsidium der Handball-Bundesliga (HBL) gestern in Hamburg mit. Maßgeblicher Grund für die Entscheidung sei der weiterhin fehlende Nachweis einer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Champions-League-Siegers von 2013.

"Der Beschluss des achtköpfigen HBL-Präsidiums ist einstimmig", sagte HBL-Geschäftsführer Holger Kaiser: "Der HSV hat auch in den fristgerecht nachgereichten Unterlagen seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zum Ende dieser Saison und auch für die kommende Saison nicht belegen können". Die Hamburger können innerhalb einer Woche vor dem unabhängigen HBL-Schiedsgericht Einspruch gegen den Urteilsspruch einlegen.

"Wir haben die Entscheidung der HBL zur Kenntnis genommen. Wir werden uns nun intern abstimmen und dann darauf reagieren", sagte HSV-Geschäftsführer Holger Liekefett. Sollte das Schiedsgericht die Entscheidung bestätigen, steht der Champions-League-Sieger von 2013 als Zwangsabsteiger fest. Da kein vorsorglicher Lizenzantrag für die 2. Liga gestellt wurde, bliebe dem HSV nur die Möglichkeit in der 3. Liga anzutreten. Der Tabellen-16. der abgelaufenen Saison, die HBW Balingen-Weilstetten, würde die Eliteklasse halten, die HG Saarlouis bliebe in Liga 2.

"Das Ende des HSV in der Bundesliga ist eine Katastrophe für den deutschen Handball. Der Handball muss in die Großstädte, und dies ist in Hamburg durch unseriöse Refinanzierung leider einmal mehr gescheitert", sagte Frank Steffel, Präsident des Bundesligisten Füchse Berlin. Alle Vereine müssten endlich begreifen, dass die "Abhängigkeit von Mäzenatentum und Erfolg durch überhöhte Spielergehälter der falsche Weg sind".

Das sieht auch die HG Saarlouis so, die nun wohl nicht in die 3. Liga absteigen muss. "Für mich ist es schon überraschend, dass der HSV die Lizenz nicht bekommen hat", sagte Richard Jungmann gestern, einen Tag nach seinem 65. Geburtstag. Der HG-Chef ist guter Dinge, dem Saarlouiser Publikum auch in der kommenden Saison Zweitliga-Handball bieten zu können: "Wenn die Lizenz zum zweitem Mal nicht erteilt wurde, dann denke ich nicht, dass das Schiedsgericht anders entscheiden könnte."

Bleibt die HG Saarlouis in der zweithöchsten Spielklasse Deutschlands, hat dies wesentliche Auswirkungen auf die Kaderplanung. Nur in diesem Fall hätten auch Nikolaos Riganas und Bartosz Janiszewski sowie Neuzugang Jonas Faulenbach vom TV Hüttenberg gültige Verträge und gehörten zur Mannschaft von Trainer Goran Suton. Der wiederum weilt gerade im Heimaturlaub in Kroatien. "Ich muss schon zugeben, dass die Hoffnung mit der Zeit ein wenig geschrumpft ist. Aber offensichtlich gibt es doch einen Handballgott", sagte Suton gestern: "Wir sollten das als Riesenchance verstehen und alles tun, um diese auch nutzen. Dabei denke ich vor allem an die Zusammenstellung der Mannschaft."

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