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Horst Bartsch will den Saarländischen Volleyball-Verband modernisieren

Sportverbände unter der Lupe, Teil 13 : An Ideen mangelt es den Volleyballern nicht

Horst Bartsch will den Saarländischen Volleyball-Verband modernisieren und die Bürokratie der Verbandsarbeit verringern.

Im Juni 2018 wurde Horst Bartsch als Nachfolger von Erhard Rubert zum Präsidenten des Saarländischen Volleyballverbandes (SVV) gewählt. Ausgerechnet mitten in der Finanzkrise des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS). Damals herrschte große Unsicherheit über Finanzierung des LSVS und seiner Fachverbände.

In Zusammenarbeit mit Vizepräsident Harald Petry widmete sich Bartsch zunächst der Konsolidierung und Einsparungen – mit Erfolg: „Wir hatten mit einem leichten Minus gerechnet, aber mittlerweile geht der Verband auf die schwarze Null zu“, stellt Bartsch zufrieden fest. Trotzdem: Die „goldenen Zeiten“ einer gesicherten Finanzsituation sieht er als vergangen an. Umso wichtiger ist es ihm, das Wohlergehen des Verbandes selbst in die Hand zu nehmen. Beim Amtsantritt lautete seine Devise: „Erst mal Überblick verschaffen, dann Pflöcke einschlagen.“ An Ideen mangelt es dem neuen Präsidenten, der seit über 45 Jahren im Volleyballsport als Spieler, Jugend- und Aktiven-Trainer und Vorstandsmitglied im Heimatverein TV Göttelborn aktiv ist, nicht.

Demnach war ein erster Pflock schnell gefunden: Die (Re-)Aktivierung des Jugendbereichs. „Es ist klar, dass wir wieder mehr für den Nachwuchs tun müssen“, sagt Bartsch und erklärt: „Vor allem müssen wir das Interesse an unserer Sportart wecken. Nicht nur bei den Kindern und Jugendlichen, auch bei den Aktiven haben wir in den letzten 20 Jahren einen Rückgang der Spielerzahlen von etwa 30 Prozent zu verzeichnen.“ Dass sich dieser Trend auch angesichts der demografischen Entwicklung nur schwer stoppen oder gar umkehren lässt, weiß der Verbandschef: „Bis wir die Früchte dieser Arbeit ernten können, dauert es Jahre – vielleicht ein Jahrzehnt“, sagt er.

Mit der „IKK Volleyball School-Tour“ soll die Grundlage geschaffen werden. Mit der Unterstützung eines Sponsors wurde eine Veranstaltung kreiert, die viele positive Effekte für den Volleyball im Saarland nach sich ziehen sollte: Dadurch, dass lokale Vereine Dritt- und Viertklässlern von umliegenden Grundschulen Volleyballunterricht im Rahmen der Tour anbieten, erhofft sich der Präsident auch neue Mitglieder. „Bei Kindern die Begeisterung für eine Sportart zu wecken, ist vielleicht gar nicht so schwer. Den einen oder anderen ins Vereinstraining zu bekommen und dort langfristig für jedes Niveau etwas anbieten zu können, ist die größere Herausforderung“, weiß Bartsch: „Zunächst müssen wir eine Art Mini-Runde einrichten, um die entfachte Begeisterung im Verein überhaupt fortführen zu können.“

Bartsch hofft, dass sich 2020 noch mehr Vereine für das Projekt begeistern können. Im ersten Jahr beteiligten sich acht Vereine. Zwar ist die Teilnahme am Projekt mit entsprechendem Aufwand verbunden, aber es sollte sich lohnen: „Am Ende haben wir bereits im ersten Jahr etwas mehr als 1000 Kinder erreicht und Volleyball spielerisch vorstellen können. Die Begeisterung der Kinder war bei allen Tour-Stationen mehr als beeindruckend“, berichtet Bartsch: „Auch dass wir damit die Lehrer erreicht haben, ist wichtig. Deshalb stellen wir bereits auf unserer Internetseite auch zahlreiche Informationen zur Verfügung, derer sich Lehrkräfte gerne bedienen dürfen.“

Ohnehin setzt der Verband künftig mehr auf das Internet. Und auf Service. „Ich sehe den Verband als Dienstleister, der die Rahmenbedingungen bietet. Wir können die Vereinsarbeit nicht übernehmen, aber wir müssen den Vereinen für ihre Entwicklung Hilfestellungen geben“, sagt er und weiß: „Die Voraussetzungen dafür sind auch unterschiedlich. Gerade höherklassige Vereine haben ihre Lösungen mitunter schon gefunden. An der Basis sieht das noch anders aus, hier liegt vieles brach. Hier wollen wir wieder zarte Pflänzchen setzen.“

Allerdings bringt es nicht viel, wenn keiner mitbekommt, dass es die Pflänzchen gibt. „Deshalb finde ich es wichtig, dass sich ein Verband erklärt und zeigt, was er so macht. Vieles passiert im Stillen, und ich bin der Meinung, das muss raus an die Öffentlichkeit.“ Der zweite Pflock, den der 64-Jährige in seiner Amtszeit einschlagen will, widmet sich deshalb dem Thema Kommunikation. „Wir wollen quasi eine Marke mit Wiedererkennungswert aufbauen, mit der wir künftig nach außen auftreten werden“, sagt Bartsch. Zentral hierfür sind das neu gestaltete Logo, die neue Internetseite, welche jetzt in Betrieb genommen wird, und der Fokus auf soziale Netzwerke. „Obwohl ich Letzteres persönlich etwas kritisch sehe, ist es heutzutage eben so, dass man die jüngeren Generationen vor allem hier erreicht“, weiß Bartsch.

Er selbst kam über den Umweg Fußball zu seiner großen Leidenschaft. „Ich hatte beim Fußball das Gefühl, dass man hier seine eigenen Fähigkeiten nicht richtig ausspielen konnte. Wenn ein Gegenspieler körperlich robuster ist, hat er einen großen Vorteil – gerade im Jugendbereich“, erklärt er und ergänzt: „Volleyball hatte mir dagegen gleich zugesagt, weil es ein körperloses, schnelles Spiel ist, bei dem man seine Fertigkeiten ausspielen kann und trotzdem Teil einer Mannschaft ist.“ In diesen Genuss kommt Bartsch als Teil der Senior Volleys im SVV bis heute. 2018 wurde er in der Altersklasse Ü59 sogar deutscher Meister.

Dass sich die Zeiten auch über die neuen Wege der Kontaktaufnahme mit der jungen Generation hinaus geändert haben, ist dem SVV-Präsident bewusst. Deshalb schnitzt er zusammen mit seinen Vorstandskollegen derzeit am dritten Pflock – der Modernisierung der Verbandsarbeit. Eine sichere Cloud zum schnellen Austausch untereinander wurde bereits eingerichtet. Weitere Schritte zur Verbesserung der Verwaltungsarbeit, insbesondere mit Blick auf Erleichterungen und Effizienz, sollen folgen.

 Volleyball im Saarland
Volleyball im Saarland Foto: SZ/Müller, Astrid

„Gerade für Ehrenamtliche ist es wichtig, den Aufwand und die Bürokratie zu verringern“, sagt Horst Bartsch und denkt beispielsweise über die Einführung des elektronischen Spielberichts nach. Die Spielerverwaltung läuft ohnehin schon digital. „In meinen Augen wäre es ein enormer Vorteil, wenn so vieles wie möglich elektronisch laufen würde. Vieles ist noch nicht ganz ausgegoren, aber über diese Möglichkeiten müssen wir sprechen“, meint Bartsch. Das Holz liegt also schon bereit, der nächste Pflock kommt bestimmt.